Bereits zum 9. Mal geht in diesem Jahr eines der wohl ungewöhnlichsten wie auch facettenreichsten Wiener Musikfestivals über die Bühne. Das international hochkarätig besetzte Akkordeonfestival stellt unter dem Motto “Wien ist wirklich anders”, beginnend am 23. Februar, einen Monat lang das in der Vergangenheit oft zu Unrecht unterschätzte Akkordeon in den Mittelpunkt des musikalischen Geschehens.
Wie bereits bei den letzten Festivals hat sich das Team rund um den künstlerischen Leiter Friedl Preisl wieder einmal einiges einfallen lassen, um an die Erfolge der vergangenen Jahre anschließen zu können und diese vielleicht noch zu übertreffen. Der Weg, einen Mix aus Altbewährtem und Neuen zu bringen, hat sich, geht man nach dem enormen Interesse seitens des Publikums bei den letzten Malen aus, als der Richtige herausgestellt. Es ist sogar gelungen, das musikalische Angebot nochmals zu steigern. So werden heuer an die 220 KünstlerInnen aus 30 Ländern in 45 Konzerten, davon 13 Doppelkonzerte, zu hören bzw. zu sehen sein. Ebenfalls auf dem Programm stehen die in den letzten Jahr so beliebten Rahmenveranstaltungen, wie etwa der für die Kinder gestaltete “Magic Afternoon”, der Filmbrunch und der Literatursalon.
Wirft man einen Blick auf das diesjährige Programm, erkennt man, wie breit gefächert es auch in diesem Jahr zur Sache geht und das es an musikalischen Höhepunkten nicht mangelt. Schon alleine die Eröffnungs-Gala, zeigt die Marschrichtung der kommenden Wochen an. Mit Otto Lechner zeigt einer der führenden heimischen Akkordeonisten, in welch vielfältiger Weise sein Instrument Anwendung finden kann. So erhält er bei seinem Konzert die Unterstützung von der in Wien lebenden amerikanische Thereministin Pamelia Kurstin, die ohne Übertreibung zu den meistern ihres Faches zu zählen ist. Ergänzt wird die heimische Phalanx unter anderem vom nicht minder hochgeschätzten Klaus Paier, der gemeinsam mit dem Radio.String.Quratet.Vienna die Grenzen zwischen Jazz und klassischer Musik neu auslotet.
Dass das Akkordeonfestival inzwischen auch einen Anziehungspunkt für internationale Größen darstellt, belegen die Auftritte diverser führender Köpfe der Szene. So ließ es sich etwa der “Großmeister des Instruments” Luis Di Matteo aus Uruguay nicht nehmen, die Weltpremiere seiner neuesten Kompositionen in Wien zu begehen. Zudem ist mit dem jungen Italiener Riccardo Tesi, eines der aufstrebenden Talente zu Gast beim Festival. Intensiviert wurden auch die Bemühungen, das Akkordeon als ein genreübergreifendes Instrument darzustellen. Einen besonderen Schwerpunkt in diesem Jahr bildet die Schweizer Musik. So unternimmt unter anderem die Formation “stimmreise.ch.” den Versuch, vermeintliche Schweiz-Klischees mit ihrem experimentellen Zugang außer Kraft zu setzen und durch neue Perspektiven zu ersetzen. Die Liste der teilnehmenden MusikerInnen und Bands ließe sich noch problemlos um ein Stückchen fortsetzen (Wiener Tschuschenkapelle, Koby Israelite, Stefan Sterzinger, Hammerling & Michaela Dietl, Dobrek Bistro, Bratsch uvm).
Was am Anfang wohl niemand wirklich erwartet hätte, wird also im Jahr 2008 erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Akkordeonfestival hat sich als fixer Bestandteil sowohl im Wiener Musikleben, wie auch im internationalen Rahmen längst etabliert. Wohl bei keinem anderen Musikfestival wird dem Publikum musikalisch ein solch breites Feld geboten, wie es bei dieser Veranstaltung der Fall ist. Gerade das macht das Akkordeonfestival so einzigartig.
Michael Ternai

