Ob es nun Grunge ist oder nicht, ist im Grunde genommen eigentlich egal. Der Wiener Dreier AIVERY legt mit seinem Debüt „Because“ (Siluh Records/VÖ 01.09.) ein Stück Musik vor, das die Fans des ungehobelten, kantigen und mainstreamfernen Rocksounds auf jeden Fall in Euphorie versetzen sollte.
Eines kann man nach dem Durchhören dieses Albums auf jeden Fall sagen: Das musikalisch Austauschbare, Belanglose, Beliebige und Unkritische bekommt man woanders dargeboten. Aivery zeigen sich auf ihrem Full-Length-Debüt „Because“ als eine Band, die sich hörbar wenig um das im Moment Angesagte und Hippe kümmert und schlicht und einfach auf unerhört lässige und vor allem authentische und glamourbefreite Art ihr ganz eigenes Ding durchzieht.
Franziska Schwarz (Bass, Gesang), Doris Zimmermann (Schlagzeug) und Jasmin Rilke (Gitarre) – die drei Köpfe hinter der Wiener Combo – machen keinen Hehl aus ihren musikalischen Vorlieben und zelebrieren in ihren Nummern den mit Punk- und Noise-Elementen angereicherten Grunge der glorreichen vergangenen Tage. Sprich: In den Nummern des Wiener Trios geht es ordentlich kantig und ungehobelt zur Sache.
Abseits von allem Angesagten

Mit dem Unterschied nur, dass dies in einer etwas anderen, mehr unkonventionelleren Form passiert, als man es vielleicht anfangs vermutet. Aivery formen aus ihren mächtigen Gitarrenriffs, ihren von harmonisch bis dissonant reichenden Melodien, der facettenreichen Stimme von Franziska Schwarz, den variantenreich treibenden Basslines und dem wirklich fetten Drumsound etwas sehr Eigenständiges, einen räudigen Klang des Grunge, der vollkommen unklassisch und fern jeder Nostalgiebekundung daherkommt.
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Das liegt vor allem auch daran, dass die drei Musikerinnen mit den vorhersehbaren einfachen Strukturen auch einmal brechen und sich dem spieltechnisch deutlich Anspruchsvolleren und im Songaufbau Komplexeren zuwenden, sie spielen geschickt mit Gegensätzen und bauen durch ihre Wechsel zwischen laut und leise, heftig und etwas ruhiger vielschichtige und hochenergetische Spannungsbögen auf, die wirklich von der ersten Sekunde an auf eindringliche Weise zu packen wissen.
Aivery legen mit ihrem Erstlingswerk auf jeden Fall definitiv mehr als nur eine Talentprobe ab. Man spürt, dass hinter dieser Band mehr steckt, eine unangepasste kreative Energie, die – einmal entfesselt – in einem wunderbar mitreißenden Hörerlebnis ganz eigener Note aufgeht. Ein wirklich starkes musikalisches Statement.
Michael Ternai
Aivery live
08.09. Volkshaus, Graz // Volxhausfest
09.09. Gasthaus, Ternitz // Nitzfest
11.09. München (DE) // TBA
13.09. Leipzig (DE) // TBA
15.09. Internet Explorer, Berlin (DE)
16.09. Anna und Arthur, Lüneburg (DE)
17.09. Cafe Exzess, Frankfurt (DE)
18.09. Stuttgart (DE) // TBA
19.09. Jellyfish, Innsbruck
20.09. K4, Nürnberg (DE)
13.10. Sargfabrik, Wien
Links:
Aivery
Aivery (Facebook)
Siluh Records
