Afrikanische Musiktraditionen bereichern Österreich

In wenigen Tagen ist es soweit. Mit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika öffnet das vielleicht größte Spektakel der Welt seine Tore. Wie Millionen von Fußballfans weltweit werden vermutlich auch die zahlreichen aus den afrikanischen Ländern stammenden MusikerInnen und KünstlerInnen, die in Österreich ihre zweite Heimat gefunden haben und einen großen Beitrag für die Vielfalt und Facettenreichtum der heimischen Kunstszene leisten, mitfiebern.

Kommenden Freitag, den 11. Juni, startet in Südafrika die von vielen lange herbeigesehnte Fußball-Weltmeisterschaft. Es ist die erste überhaupt, die auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit schien es noch undenkbar, dass ein solch großer Megaevent auf dem „Schwarzen Kontinent“ stattfinden könnte. Nun, die südafrikanische Bevölkerung hat eindrucksvoll den Gegenbeweis angetreten und gezeigt, dass es doch geht.  Wenn man sich vor Augen führt, welchen Enthusiasmus die letzte WM in Deutschland ausgelöst hat, welche Bilder von feiernden Menschen uns über das Fernsehen erreicht haben, und wenn man bedenkt, zu welch Begeisterung die südafrikanische Bevölkerung  fähig ist, dann erwartet uns die bisher vielleicht bunteste Fußballweltmeisterschaft aller Zeiten.

Wie enthusiastisch und positiv Menschen aus den verschiedenen afrikanischen Ländern sein können, ist auch hierzulande zu sehen. Besonders in Wien hat sich in den vergangenen Jahren eine ungemein farbenfrohe  und an Stilen sehr reiche afrikanische Musikszene etabliert. Aus unterschiedlichsten Gegenden kommen die KünstlerInnen nach Österreich, um quasi hierzulande in die Rolle eines musikalischen Botschafters ihres Landes zu schlüpfen. Wirft man nur einen Blick auf die hiesige Weltmusikszene, sieht man, welch großen und unschätzbaren Beitrag die KünstlerInnen für die hiesige musikalische Vielfalt leisten.

Es handelt sich durch die Bank um spielerisch hervorragend ausgebildete oder einfach nur unendlich talentierte InstrumentalistInnen, die versuchen, mit ihrer einer ausgeprägten Offenheit Berührungspunkte zu den hiesigen Musiktraditionen zu finden,  um diese Einflüsse in ihre Musik einzubinden. Auch wird oftmals die Zusammenarbeit mit österreichischen Künstlern gesucht.

Welch außergewöhnliche Formen solcherart Kollaborationen annehmen können, zeigt sich bei der Formation MoZuluArt. Drei herausragende Vokalisten aus Zimbabwe begeben sich mit einem österreichischen Jazzpianisten auf die Spuren von Mozart.  Doch Roland Guggenbichler, Vusa Mkhaya Ndlovu, Blessings Nqo Nkomo und Ramadu beschränken sich nicht alleine auf die eins zu eins Wiedergabe der Originale. Vielmehr versuchen sie, aus dem reichen zur Verfügung stehenden musikalischen Pool schöpfend, ihre ureigene Interpretation von Mozarts Stücken zu erschaffen, welche irgendwo zwischen dem Jazz europäischer Prägung, Klassik und afrikanischen Rhythmen liegt.

Den Klang des maghrebinischen Raï-Pop nach Österreich gebracht hat der in Algerien geborene Kadero Ray. Bei diesem Musikstil handelt es sich um eine bunte Mischung aus traditionellen nordafrikanischen Klängen, Pop und Jazzelementen. Der Sänger zählt zu bereits seit Jahren zu den führenden Vertretern des Raï-Pop und damit auch zu den großen Stars dieser Szene. Sein 2001 gemeinsam mit Otto Lechner gegründetes  Vienna Raï Orchester gehört heute zu den führenden österreichischen Ensembles im Bereich der Weltmusik.

Ein echter Virtuose was westafrikanische Rhythmen ist er in Burkina Faso geborene Balafonspieler Mamadou Diabate. Wie viele seiner KollegInnen beschränkt auch er sich nicht alleine darauf, Traditionelles wiederzugeben. Vielmehr handelt es sich hier um einen Instrumentalisten, der,  immer mit dem Ziel fremde Klangtraditionen zusammenzuführen,  zwischen den unterschiedlichsten musikalischen Welten hin und her pendelt.

MoZuluArt, Kadero Ray und Mamadou Diabate sind nur drei aus einer Vielzahl von in Österreich lebenden afrikanischen MusikerInnen, welche die heimische Weltmusikszene  mit ihrem außergewöhnlichen Schaffen bereichern. Die mitverantwortlich dafür sind, dass hierzulande bisher unbekannte Rhythmen und Klänge zu hören sind, dass exotische Instrumente Eingang in das heimische Musikleben gefunden haben. Ohne diese Beiträge wäre die österreichische Musikwelt, was ihren Facettenreichtum betrifft, mit Sicherheit um einiges ärmer. Gut das dem nicht so ist. (mt)