
Was Glutamat auf „Sturm der Herzen“ fabrizieren, lässt sich nur schwer in wenigen Worten beschreiben. Denn King Augenring, MP Kopflos, Peter Palme, Ronald von den Sternen, Susi Hannover und Thesa Tödlich üben sich im vollkommenen Verwerfen aller stilistischen Begrifflichkeiten. Und das tun sie mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtfüßigkeit, wie man es sonst wirklich nur selten zu Gehör bekommt. Die Musik offenbart sich als eine des immensen Spektrums, sie ist (Kraut-) Rock der progressiven Sorte genauso wie krachender, hochenergetischer Garagenpunk, eine schräge, aktionistische Cabaretnummer ebenso wie improvisierter Jazz und fesselnder Triphop, Noise in gleichem Maße wie experimentelle, fast schon avantgardistisch anmutende Synthie-Klangkunst. Hier wird mit einer Lust und Liebe zum Ungewöhnlichen mit den verschiedenen Elementen und Versatzstücken herum jongliert, dass es eine wahre Freude ist.
katerstimmung by Glutamatmusik
Die Kunst, welche diese verrückte Combo ganz meisterlich beherrscht, ist jene, alles wie aus einem Guss erklingen zu lassen. Keine Spur von irgendeiner Sperrigkeit oder Komplexität. Die insgesamt, in ihrer Art und klanglichen Ausrichting sehr unterschiedlichen 13 Songs zünden vom ersten Moment an und bahnen sich unaufhaltsam ihren Weg in die Gehörgänge, um dort im positivsten Sinne zu wüten. Es ist fast unmöglich, von dem illustren und in höchstem Maße originellen Treiben nicht in irgendeiner Art und Weise angetan zu sein, offenbart sich dieses im Ganzen doch als eine der unterhaltsamsten Interpretationen der Popularmusik in der jüngeren Vergangenheit.
Glutamat zeigen mit „Sturm der Herzen“ eindrucksvoll auf, dass es auch ohne die Anbiederung an irgendwelche Trends oder Strömungen geht, dass wirklich Spannendes außerhalb des üblichen musikalischen Rahmens stattfindet. Es handelt sich um ein Stück Musik, an dem Liebhaber schräger Klangerfahrungen nicht vorbeikommen. (mt)