Sub_Bar ist eine Veranstaltungsreihe für Musik, die durch Vibrationen wahrnehmbar wird. Bisher gab es Tieffrequenz-Events in Lissabon und Berlin. Am 29. April 2024 rumpeln im flucc die Subwoofer. Die Künstler:innen WEN LIU und ALEXANDER HACKL haben Sub_Bar mit einer Academy nach Wien gebracht. „Weil es mehrere Brücken schlägt”, sagt HACKL im Gespräch mit mica. Das Projekt bringe einerseits höreingeschränkte Menschen mit hörenden zusammen. Gleichzeitig verbinde Sub_Bar elektroakustische Musik mit Clubmusik. „Zwei Richtungen, die sich sehr ähnlich sind, aber viel zu selten miteinander zu tun haben”, so HACKL.
Du veranstaltest Sub_Bar in Wien mit Wen Liu, was bringt euch zusammen?
Alexander Hackl: Wir haben vor ein paar Jahren bei einem Rave im Rahmen ihres Music Art Research Science Festivals in Los Angeles zusammengearbeitet. 2022 hat sie mich wegen einer Augmented-Reality-Oper in Bonn kontaktiert. Inzwischen bin ich Teil von M.A.R.S. Wir arbeiten beide in den Bereichen Kunst und Technologie, das passt.
Wie passt Sub_Bar – eine Veranstaltungsreihe für tiefe Frequenzen – dazu?
Alexander Hackl: Sub_Bar gibt es schon länger, unter anderem in Lissabon und Berlin. Das Projekt stammt von der multidisziplinären Plattform eufonia, die wiederum Wen kennt. Daraus entstand die Wiener Kooperation, unsere Academy ist also neuer Bestandteil von Sub_Bar. Außerdem führt die Psychologische Fakultät in Lissabon eine Studie zum Projekt durch – dabei geht es vor allem um den Zugang zur Musik und das Erlernen von ihr.
Was interessiert dich daran?
Alexander Hackl: Es ist spannend, wie sich eine Komposition verändert, wenn man nur mit Subfrequenzen arbeitet. Die beiden Wiener Teilnehmer der Sub_Bar, Alexander Regal und David Obermaier, tragen deshalb Gurte, über die sie die Vibrationen der Musik spüren – so entstehen ihre Stücke.

Wie funktioniert so ein Gurt?
Alexander Hackl: Sie haben unterschiedliche Modi, im Bassmodus kann man ihre Funktion aber mit dem Spüren des Basses im Club oder beim Konzert vergleichen.
Du hast die beiden Musiker angesprochen, wer sind sie?
Alexander Hackl: Es gab einen Open Call für die Sub_Bar-Academy. Wir hatten aber Probleme, die richtigen Leute zu erreichen – bis zwei Influencer:innen aus der Community um Menschen mit eingeschränktem Gehör das Thema aufgegriffen haben, darunter die Gehörlosen-Sportlerin Katrin Neudolt. Aus mehreren Bewerbungen haben wir uns für Alexander und David erschienen. Beide haben eingeschränktes Hörvermögen, inzwischen aber sechs Wochen Academy hinter sich.

Was ist in dieser Zeit passiert?
Alexander Hackl: Alexander und David haben Stücke entwickelt und dabei vor allem mit Analogsynthesizern und Drum Machines gearbeitet. Das ist überraschend schnell gegangen, gerade weil ihre Herangehensweise jeweils anders war, haben sie praktisch nach der zweiten Einheit zu ihrem eigenen Sound gefunden.
Den man auf vielen Lautsprechern gar nicht hören kann, sondern fühlen muss?
Alexander Hackl: Genau, das ist eine Herausforderung, über die man sich eigentlich keine Gedanken macht, weil man meistens etwas hört. Wir haben uns deshalb gefragt, wie wir diese Veranstaltung bewerben können: Wie bringt man also einen Sound rüber, den viele Technologien gar nicht wahrnehmbar machen?
Wie habt ihr das gemacht?
Alexander Hackl: Wir nutzen psychoakustische Phänomene: Wenn man Obertöne zu einem tiefen Klang hinzufügt, nimmt das Gehör den Grundton wahr, ohne dass man ihn physikalisch hört. Man spürt den Bass zwar nicht, aber man glaubt ihn zu spüren.
„SOLANGE SIE SICHTKONTAKT UND EINE HAND FREI HABEN, KÖNNEN SIE KOMMUNIZIEREN.”
Was verbindet dich mit dem Thema Gehörlosigkeit?
Alexander Hackl: Mich interessiert jede Art von Wahrnehmung, ich habe aber keine direkte Connection zum Thema Gehörlosigkeit. Mein Background ist elektronische Musikproduktion und visuelle Gestaltung. Ich arbeite mit den Künstlern deshalb an der Umsetzung ihrer Ideen …
Bei denen es um Clubmusik geht, richtig?
Alexander Hackl: Gerade Techno und andere rhythmische, elektronische Konzepte funktionieren gut, allerdings auch hypnotische Sounds, die langsam ineinandermorphen. Wir haben außerdem probiert, wie man Layer für Layer dazugeben kann, um Elemente wieder rauszunehmen. Das läuft im Gegensatz zu herkömmlicher Clubmusik anders ab – man kann zum Beispiel auf einfache Tricks wie das Hinzugeben einer Hi-Hat nicht zurückgreifen, weil weniger Frequenzen zur Verfügung stehen. Dafür spürst du den Bass wie im Club.
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Wie setzen das die Musiker um?
Alexander Hackl: David hat ein Talent, Spannung aufzubauen. Er fängt langsam mit einem Ton an, fügt einen zweiten Oszillator dazu, verstimmt ihn und kreiert bewusst Dissonanzen. So entstehen Stücke, die auf einer Note basieren, 15 Minuten dauern und trotzdem spannend sind. Alexander hat dagegen ein Gefühl für Rhythmus, er verwendet häufig Sequenzer, mit denen er antreibende Musik macht. Das funktioniert allein, aber vor allem in ihrem Zusammenspiel.
Wieso gerade im Zusammenspiel?
Alexander Hackl: Egal wie laut es um sie herum ist, sie können miteinander kommunizieren, solange sie Sichtkontakt und eine Hand frei haben. Da sind mir beide in jedem Fall überlegen.
Danke für das Gespräch!
Christoph Benkeser
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Sub_Bar findet am 29. April ab 18 Uhr in der flucc Wanne in Wien statt.
Alle Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der Homepage.

Links:
Sub_Bar (Homepage)
Eufonia (Instagram)
flucc (Homepage)
