Eine Band, die seit Anbeginn in kein traditionelles popmusikalisches Schema wirklich hineinpassen will, sondern vielmehr für einen höchst eigenständigen, ja fast schon unvergleichbaren Sound steht, ist die vierköpfige Formation 78plus. Die Musik von Schellackplatten elektronisch bearbeitend und diese als Basis für die Stücke verwendend, wandelt die Wiener Formation weit abseits des sonst Gehörten. Die nächste Gelegenheit, diese außergewöhnliche Combo live zu erleben, gibt es am 7. April im Cinema Paradiso in St. Pölten.
78plus sind Günther Berger (Gesang, Live Elektronik), Stephan Sperlich (Synthesizer, Live Elektronik, Backing Voc), Philipp Moosbrugger (Bass) und Sixtus Preiss (Drums). Spätestens seit der Hit-Single “Sie will”, welche im FM4 Programm quasi in Dauerrotation gelaufen ist, dürfte die vierköpfige Wiener Truppe den heimischen Musikfans ein Begriff sein. Musikalisch sind 78plus nur schwer in eine bestimmte Kategorie einordenbar. Stand für die Musiker auf ihrem Debütalbum, noch ein eher experimenteller und avantgardistischer Zugang im Mittelpunkt des Schaffens, bewegte sich das im Jahre 2003 ins Leben gerufene Quartett auf seinem 2008 erschienenen “Wandelwelt” unverkennbar in Richtung Pop.
Es ist besonders die Arbeitsmethode, welche die Wiener Formation von anderen Gruppen deutlich unterscheidet. Durch die Verwendung von Samples alter Schellackplatten entwerfen die vier Musiker einen höchst eigenwilligen Gesamtsound, der zwar sehr modern erklingt, gleichzeitig jedoch auch den Charme der 30er Jahre huldigt. Ein Spagat, der bereits oft versucht worden ist, in diesem Fall aber bestens funktioniert.
Der Bandname der vierköpfigen Combo leitet sich von den in ihrer Musik in Verwendung befindlichen alten Schellackplatten ab. Diesen, den Vorläufern der 45er-Singles und 33er-LPs gewidmet, setzt die Band kurzerhand ein “plus” hintan, um so eine respektvolle, aber doch forsche Herangehensweise an diese Zeugnisse der Popgeschichte auszudrücken.
Wohl dosiert und geschickt ausgewählt werden die Samples in einen Kontext aus Songwriting, Elektronik und Jazzeinflüssen eingebunden. Dabei werden diese alten Sounds nach eigenem Gutdünken bearbeitet und verfremdet, um sie schließlich in neuer zeitgemäßer Form erklingen zu lassen. Das Ergebnis geht problemlos als eine tanzbare Mischung aus Popsong und Clubmusik durch.
78plus verfolgen mit ihrer Musik einen höchst interessanten Ansatz, der den Spagat zwischen Anspruch und gefälliger Eingängigkeit vortrefflich meistert. Bleibt zu hoffen, dass von 78plus auch bald etwas Neues zu hören gibt. Vorerst aber müssen die Musikfans aber mit Konzerten Vorlieb nehmen. Aber wer die Combo schon einmal auf der Bühne erleben durfte, der weiß, dass sie auch live für gehörig viel Stimmung sorgen kann. (mt)