1 Jahr vera* Vertrauensstelle gegen Belästigung und Gewalt I Bereich Kunst und Kultur

Neunzig Personen mit Erfahrungen von Belästigung und Gewalt in Kunst und Kultur haben sich im ersten Jahr an den Kunst- und Kulturbereich von vera* Vertrauensstelle gewandt. Die Stelle wurde 2022 durch eine Entschließung des Nationalrates initiiert und ist durch das BMKÖS subventioniert. 40 % der Betroffenen haben strukturelle Gewalt erlebt. Rund drei Viertel der Fälle geschehen im beruflichen Kontext. Mehr als 75 % der Betroffenen sind weiblich. vera* Vertrauensstelle wird im zweiten Jahr das Leistungsangebot im Bereich Kunst und Kultur ausbauen und die Sichtbarkeit in ganz Österreich erhöhen. Viele Betroffene wenden sich mit dem Wunsch nach präventiven Angeboten an vera*.

„Der Rückblick auf das erste Jahr vera* bestätigt den Bedarf an einer auf den Kunst- und Kulturbereich spezialisierten Vertrauensstelle. Unsere Erkenntnisse dienen als Grundlage für eine informierte Weiterentwicklung von vera* Kunst und Kultur im Sinne der Betroffenen“, so Geschäftsführung Clara Gallistl.

Der berufliche Kontext überwiegt, aber auch Betroffene in Ausbildung wurden von vera* Vertrauensstelle beraten. Herausfordernd sind teilweise fließende Übergänge zwischen beruflicher Zusammenarbeit und privaten Beziehungen.

Fälle im In- und Ausland. Zumindest 75 % der Fälle sind einem Bundesland in Österreich zugeordnet, wobei Wien mit 60 % den höchsten Anteil hat. 7 % der Fälle sind bei bestehendem Österreichbezug im Ausland zu verorten. Die Zuständigkeit von vera* Vertrauensstelle ist örtlich nicht auf Österreich beschränkt. Ein eindeutiger Österreich-Bezug muss aber gegeben sein.

Theater vor Musik und Film. Die Fälle verteilen sich auf alle Kunst- und Kultursparten, allerdings nicht gleichmäßig. Die größten Anteile im Fall-Aufkommen hatten der Theaterbereich mit 24 % und der Musikbereich mit 19 %. An dritter Stelle lag Film mit 12 %, wobei hier darauf verwiesen werden muss, dass mit #we_do! eine im Filmbereich bereits bekannte eigene Stelle besteht.

Breites Spektrum an Vorfallsarten. In vielen Fällen besteht eine Kombination aus unterschiedlichen Gewaltarten. Statistisch überwiegt strukturelle Gewalt mit 39 % – oft überlagert von anderen Gewaltformen. 36 % des Fall-Aufkommens betreffen sexualisierte Gewalt, und 32% haben psychische Gewalt zum Inhalt.

Prävention in Kunst und Kultur. Mit Safe Sport besteht im Sportbereich seit Jahren ein attraktives Angebot zur Weiterbildung und Prävention. Auch im Kunst- und Kulturbereich haben viele Betroffene den Wunsch geäußert, den Kulturwandel voranzutreiben und anderen ihr Schicksal ersparen zu wollen. Daher wird vera* Kunst und Kultur 2024 in die institutionelle Präventionsarbeit einsteigen und den strukturellen Wandel vorantreiben. Unterstützen Sie uns dabei!

Kontakt: Clara Gallistl (Geschäftsführung vera* Kunst und Kultur; c.gallistl@vertrauensstelle.at)

Presseaussendung