In seine bereits elfte Runde geht das allseits beliebte Wienerliedfestival „Wean Hean“ in diesem Jahr. Um der Überfülle an Veranstaltungen im Herbst zu entgehen, haben sich die Organisatoren dazu entschlossen, das Festival heuer in den Frühling zu verlegen. Ab dem 27. April präsentieren einmal mehr eine Reihe erstklassiger Ensembles und MusikerInnen einen Monat lang Traditionelles, Neues und Innovatives, Spartenübergreifen unter dem Kontext des Wienerliedes. Das weite Spannungsfeld zwischen historischem Wienerlied und der Entwicklung dieses Genres ermöglicht den Musikliebhabern einen unterhaltsamen Blick auf die heutige Wiener “Volksmusik”.
Ohne Zweifel erlebt das Wienerlied im Moment einen regelrechten Boom. Alleine die hohen Besucherzahlen bei den diversen Veranstaltungen belegen, welch Stellenwert das Wienerlied inzwischen wieder geniest. Nach einer längeren Phase, in der die traditionelle Musik aus Wien ein eher bescheidenes Dasein fristete und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde, konnte das Interesse der Musikliebhaber wieder geweckt werden. Das mag zum Teil auch daran gelegen haben, dass eine neue Generation an MusikerInnen das Zepter in die Hand genommen und das Genre einer Verjüngungskur unterzogen hat.
Das Wienerlied von heute präsentiert sich als ein zu allen Seiten offener Musikstil, der auch ein junges Publikum anspricht. Zwar wird bei Wean Hean die Fahne des traditionellen Liedguts immer noch hochgehalten, der Anteil an Neuem hat aber in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen.
Wie gewohnt wartet das Programm auch in diesem Jahr mit einer Fülle an Höhepunkten auf. Ein Blick auf die Namen der in diesem Jahr auftretenden KünstlerInnen beweist, dass in der Tat keine Mühen gescheut worden sind, auch 2010 etwas Außergewöhnliches auf die Beine zu stellen. Eröffnet wird das Festival diesmal im Heeresgeschichtlichen Museum mit einem Konzertabend unter dem passenden Titel „Aufmarsch“. Auf dem Programm stehen Militärmusik und Wienerlieder von Stolz, Eysler Ziehler und Fahrbach. Musikalisch umgesetzt werden diese Stücke unter anderem von der Gardemusik Wien, den Strottern und den Wiener Concert Schrammeln.
In den kommenden Wochen natürlich nicht fehlen dürfen musikalische Beiträge der üblichen Verdächtigen wie Roland Neuwirth und seinen Extremschrammeln, Karl Hodina, der wean hean Band mit den drei Jazzern Hannes Löschel, Bernd Satzinger und Matthias Koch sowie Ernst Kovacic, um nur einige wenige zu nennen.
Zu einem höchst interessanten musikalischen Aufeinandertreffen kommt es im Rahmen der Städtebegegnung Wien-Istanbul, bei der eine Reihe von MusikerInnen mit türkischer Herkunft von orientalischen Flair sorgen werden. Neu in diesem Jahr ist die Reihe „D`Heirigen“, in deren Rahmen zukünftig eine Musikformation, quasi als „artists in residence“ besonders in die Auslage gestellt wird. Mit Walther Soyka und Karl Stirner fiel die Wahl auf zwei Künstler, die zu den großen Persönlichkeiten der Wienerliedszene gehören.
Alles in allem dürfen sich die BesucherInnen auf, in musikalischer Hinsicht, überaus abwechslungsreiche und unterhaltsame Wochen freuen, in denen voraussichtlich alle auf ihre Kosten kommen werden. (mt)
http://www.weanhean.at/