Um eine aus jedem Blickwinkel betrachtet außergewöhnliche Band handelt es sich bei der Formation Thalija. Nicht nur die Größe – immerhin werken insgesamt achtzehn MusikerInnen an diesem musikalischen Großprojekt – fällt aus dem Rahmen des Herkömmlichen. Auch im Stil lässt sich das, was das „Orchester“ auf den Weg bringt, nicht einer der traditionellen Kategorien zuordnen. „Thalija III“ (Pumpkin Records), das mit Spannung erwartete dritte Album der in Wien ansässigen Truppe, offenbart sich einmal mehr als ein wahres Meiserstück in Sachen Artpopkunst, will man die Musik schon unbedingt mit einer Zuschreibung versehen. Denn was Thalija zelebrieren, ist der kunstvolle Umgang mit den Begriffen der modernen Popularmusik, wiewohl das Bandkollektiv auch nicht davor zurückschreckt, in andere Klangwelten und Spielformen einzutauchen. Präsentiert wird „Thalija III” am 10. Mai im club U in Wien.
Die Musik von Thalija in wenigen Worten zu beschreiben, stellt sich nicht unbedingt als ein leichtes Unterfangen dar. Denn was die 18-köpfige Wiener Truppe musikalisch entstehen lässt, läuft dem Gewöhnlichen auf eine Art entgegen, wie man es sonst nur selten zu Gehör bekommt. Die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Stücke dieser außergewöhnlichen Band sind pure Atmosphäre, ein faszinierendes und buntes Klangspektakel, ein permanenter, sich von Ton zu Ton verdichtender und sich in einem fulminanten Höhepunkt manifestierender Spannungsbogen, der vielschichtiger und facettenreicher wohl kaum sein kann. Der stilistische Fundus, aus welchem sich Thalija bedienen, ist ein sehr weit gefasster und reicht vom kunstvoll interpretierten (Post-) Rock in der Tradition von Bands wie Sonic Youth, Glenn Branca, Mogwai oder Sigur Ròs über dezente aber umso wirkungsvoller in Szene gesetzte Elektronik bis hin zu Ausflügen in die avantgardistische Improvisation und den Free-Jazz.
Musikalisch befindet sich alles in einem steten Fluss, der sich unaufhörlich den Weg durch die unterschiedlichsten faszinierenden Soundlandschaften bahnt. Das Schöne an den Nummern ist, dass sie ihre Geheimnisse niemals zu Beginn preisgeben, sondern vielmehr sich diese erst nach und nach offenbaren. So richtig weiß man nie, in welche Richtung die Reise tatsächlich führen wird, was aber die ganze Sache letztlich auch zu einer sehr spannenden macht. „Thalija III“ ist ein Album, welchem man Zeit geben muss. Tut man dies, erwächst es schließlich zu einem wunderbaren Hörerlebnis.
„Thalija III“ lädt ein, sich in eine faszinierende Klangwelt zu begeben, sich mit einer Musik zu konfrontieren, welche, allen Definitionsversuchen entzogen, quasi als Gesamtkunstwerk für sich steht. Es gibt unzählige Versuche neuartiger Musikentwürfe, in diesem Fall ist ein solcher aber auf unvergleichliche Art geglückt. (mt)