Symposion und Konzerte zur “Kulturhauptstadt des Führers”

Am 20. und 21. März 2009 findet an der  Anton Bruckner Privatuniversität / Schlossmuseum das Symposium “Klänge der Macht” als Finissage zur Ausstellung “Kulturhauptstadt des Führers” – Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich statt. Hinterfragt werden die Musik- und Kulturpolitik im «Gau Oberdonau», Brüche und Kontinuitäten im oberösterreichischen Musikleben 1938/1945 sowie die Rolle der Akteure.

Regina Thumser (Johannes Kepler Universität/Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte) konzipierte gemeinsam mit der Anton Bruckner Privatuniversität eine Veranstaltung, die neben der Vereinnahmung der Person Anton Bruckners und dem Missbrauch seiner Musik auch Institutionen wie das Brucknerkonservatorium (heute Anton Bruckner Privatuniversität) und die Musikschulen anspricht sowie diverse Musikrichtungen, etwa die Blasmusik und Volksmusik zur Zeit des Nationalsozialismus, aber auch die Volksmusikforschung, beleuchtet.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Schicksal “rassisch” und politisch verfolgten MusikerInnen. Nach Kriegsende war man auch in Oberösterreich um rasche Entnazifizierung und Integration von MusikerInnen bemüht. Insbesondere wird hier die Rolle der U.S. Kulturpolitik untersucht.

Marianne Betz, die erste Rektorin der Anton Bruckner Privatuniversität unterstützt dieses Symposion ebenfalls. Die gebürtige Wiesbadner Musikwissenschafterin hat mit Beginn des Studienjahres 2007/2008 ihr Amt angetreten. Sie schreibt im Vorwort des Einladungskatalogs: “Dass mit Musik Stimmungen erzeugt und die Psyche des Menschen beeinflusst werden kann, ist seit der Antike ein vieldiskutiertes Thema. Nicht immer sind die Wirkungen der Musik allerdings positiv: Musik kann Aggressionen erzeugen, aber auch die positive Wirkung der Musik kann, abhängig von der Intention, mit der sie “benutzt” wird, manipulierend eingesetzt werden.

“Klänge der Macht” setzt sich mit einem düsteren Kapitel der jüngeren Geschichte auseinander. In Konzerten, Bilddokumentationen, Vorträgen und Diskussionen wird der Rolle der Musik während der NS-Zeit nachgegangen. Musik war ein wichtiges Instrument. Sie wurde als funktionale Musik eingesetzt, sollte bewusst die Massen bewegen und manipulieren. Zugleich wurde in einer gezielten kulturpolitischen Kampagne die Musik jüdischer und nicht regimekonformer KomponistInnen als volksverderbend und -verhetzend abgewertet und schließlich als “entartete Musik” aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt. Die Palette der von den Spielplänen verdrängten Musik reicht von den Werken Felix Mendelssohn Bartholdys bis zu denen Arnold Schönbergs, Igor Strawinskys und zahlloser anderer KomponistInnen, deren Namen heute großteils kaum noch bekannt sind.

Die Zeitläufte des Dritten Reiches gingen auch an den musikalischen Institutionen, Orchestern, Chören, Ausbildungsstätten und Verbänden, nicht vorbei: Zum Teil sind die Spuren dieser düsteren Epoche der abendländischen Kulturgeschichte immer noch wahrnehmbar. Mit “Klänge der Macht” wird der Versuch unternommen, sich der Vergangenheit zu stellen, sich mit einem noch nicht allzu lange vergangenen Kapitel der Geschichte auseinanderzusetzen, das vor allem die Botschaft “Nie wieder” in sich tragen sollte.”

Zwei begleitende Konzerte vertiefen mit Werken als “entartet” diffamierter und verfolgter KünstlerInnen die Inhalte des Symposiums: Klänge der Macht. Am Freitag spielt das  Ensemble Linz um 19.30 Uhr im Großen Saal  der Anton Bruckner Privatuniversität, Wildbergstraße 18, 4040 Linz Bläsersinfonien.

Und am Samstag, 21.03. gastiert das Merlin Ensemble Wien, das 1991 von Mitgliedern des Chamber Orchestra of Europe zunächst als Oktett gegründet worden war. Später wurde der Kreis der MitspielerInnen erweitert, sodass das Ensemble in variablen Besetzungen auftreten kann (hr / Website Bruckner Universität).

 

Pierrot, ein theatralisches Konzert.
Sylvie Rohrer, Sprechgesang
Hermann Beil, Regie
Martin Walch, Leitung Violine, Viola
Till A. Körber, Klavier
Sylvie Lacroix, Flöte Piccolo
Haruhi Tanaka, Klarinette, Bassklarinette
Luis Zorita, Violoncello

 

Freitag, 20.03.09, 19.30 Uhr Bläsersinfonien
Samstag, 21.03.09, 19.30 Uhr Pierrot, ein theatralisches Konzert

 

Veranstaltungsort Symposium
Schlossmuseum Linz, Tummelplatz 10, 4010 Linz