Porträt: Etepetete

Geziert, zimperlich, eigen, übertrieben fein, steif und konventionell – all diese Adjektive finden sich im deutschen Duden, will man dort die Bedeutung des Wortes etepetete nachlesen. Im Falle der musikalischen Formation Etepetete treffen wohl aber ganz andere Adjektive zu, wenn nicht sogar ziemlich gegenteilige zur eigentlichen Wortbedeutung: Unkonventionell, extrovertiert, weder geziert noch zimperlich, vielleicht etwas eigen, aber ganz sicherlich übertrieben fein – zumindest was die Soundproduktion des jungen Trios angeht.

Etepetete – das ist ein schrilles Mädchenkollektiv mit Sitz in Wien und Graz, bestehend aus mittlerweile 4 Mädels, die sich im Jahre 2007 zu einer DJane/VJane Kreativgemeinschaft zusammengetan haben und seitdem die Clubs bespielen. Und das nicht nur in Österreich, sondern auch fernab von Zuhause. Schließlich soll auch das restliche europäische Partyvolk auf seine Kosten kommen. So konnte Etepetete schon Auftritte in Barcelona, Zürich, Genf, Triest oder Moskau verbuchen, es wurde unter anderem bei der co/pop- Messe in Köln oder bei namhaften heimischen Festivals wie etwa Spring, FM 4 Frequency, Poolbar oder auch dem Steirischen Herbst aufgespielt. Stets mit im Gepäck: Laptops- rappelvoll gespeichert mit lauter, technoider Musik, coole Bühnenklamotten und ein Haufen an pulsierender Energie, schließlich will man hinter der Mischpultfront genauso viel Gas geben wie das feiernde Publikum.

Obwohl die Gruppe immer guter Dinge ist, muss Etepete ihr feminines Projekt immer wieder in der von Männern dominierten Welt des DJ/VJing behaupten. Den Umgang mit den technischen Gerätschaften traut den Mädels nicht jeder(mann) zu. Mädchen und Mischpult, das passt für viele einfach nicht zusammen. Doch dass sich das weibliche Geschlecht schon längst in der Club-Kultur etabliert hat – selbst in der österreichischen – beweisen Acts wie Electric:Indigo, Clara Moto, Joyce Muniz, oder eben Etepetete. Sowieso, die Mädls rechnen ja schon seit Beginn ihrer musikalischen Laufbahn mit gewissen Vorurteilen, doch spätestens bei ihren Live-Shows rechnen sie mit den voreingenommenen Bemerkungen ab. Da gibt es dann was auf die Ohren – nämlich Elektroclash vom Feinsten.

Es wird geremixed was das Zeug hält und was der private Musikplayer so alles hergibt: Techno, House, Tech-House, Dance, New-Dance, Fidget, Rave und wie sie sonst noch alle heißen, die dicken, basslastigen Sounds, die sich gegenseitig mit ordentlichen Radau übertreffen, direkt über die Gehörgänge in die Adern des Publikums fließen und letztendlich zur tiefgreifenden Mobilisierung der Tanzbeine beitragen. Etepetete sind der Meinung, dass nicht unbedingt die Musik die wichtigste Rolle beim Auflegen spielt, sondern der richtige Einsatz derer. Die Dramaturgie ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Auftritt. Ein gutes Live-Set muss sich entfalten und sollte in unmittelbaren Zusammenhang mit der Stimmung des Publikums stehen. Ein Ego-Trip an persönlichen Musikpräferenzen bringt da recht wenig.

Und solange das Publikum zum lässigen Etepetete-Sound tanzt, wird das Kollektiv sicherlich bestehen bleiben. Erst kürzlich haben sie auf der Sendung FM4 Unlimited einen frischen Remix präsentiert, hierbei dem feuchtem, grauen Wetter die Zunge gezeigt und stattdessen die Sommersonne einfach durch den Äther geschickt. Wer am Wochenende wieder mal so richtig abfeiern möchte, hat die Möglichkeit Etepetete live in Wien zu erleben. In der Pratersauna, genauer gesagt beim Strom.Club spielen die Grazien laut Eigendefinition den „hottest new s(hit)“. Die Tanzfläche wird mit Sicherheit beben. Die nächste Welle schlagen die Mädls dann am 30. September beim Waves Vienna Festival 2011. (bw)

Termine:

30.September: Waves Vienna Festival, Wien

1. Oktober: Stereo, Klagenfurt

Fotos by Gersin Livia Paya

http://www.etepetete.cc/
http://www.wavesvienna.com/
http://www.pratersauna.tv/site/default.aspx