Wien (OTS) – Im Juni spielt das ORF-Radio-Symphonieorchester Wien sechs Konzerte – auf dem Programm stehen eine “Klassische Verführung” mit Weills 1. Symphonie im ORF-RadioKulturhaus (8.6.), die österreichische Erstaufführung von Hartls “Konzert für Schlagwerk und Orchester op. 23” (Wiener Konzerthaus, 11.6.), Honeggers “Johanna auf dem Scheiterhaufen” im Brucknerhaus (16.6.) und im Musikverein (17.6.), das Abschlusskonzert der Dirigentenklassen (Musikverein, 23.6.) und das Saisonabschlusskonzert “40 Jahre ORF Radio-Symphonieorchester Wien” am 25. Juni im ORF-RadioKulturhaus.
Am 8. Juni wird im ORF-RadioKulturhaus die Möglichkeit geboten, im Rahmen einer “Klassischen Verführung” mit Moderator Wilhelm Sinkovicz und Dirigent Peter Eötvös die 1. Symphonie von Kurt Weill und ihre Geschichte näher kennenzulernen. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. In Kooperation mit dem Wiener Stadtschulrat findet am Vormittag (11.00 Uhr) auch eine Schülervorführung statt. Denkt man “Kurt Weill”, sagt man “Dreigroschenoper”. Doch dieses faszinierende Musiktheater-Genie des 20. Jahrhunderts hat auch in der “Gattung des 19. Jahrhunderts”, der Symphonie, Einzigartiges geschaffen hat. Das Musikstudium in Berlin hatte Weill 1919 abgebrochen. Er lernte die Theaterpraxis lieber direkt an der Quelle – im Theater. Ein Jahr später nahm ihn Ferruccio Busoni in seine Kompositionsklasse auf. Beflügelt von der großen Künstlerpersönlichkeit schrieb Weill von April bis Juni 1921 seine 1. Symphonie, die er aber nicht zur Aufführung freigab. Erst 1957 – während des 2. Weltkrieges hatten Freunde Weills die Partitur versteckt gehalten – wurde die Symphonie in Hamburg uraufgeführt.
Weills 1. Symphonie steht auch am 11. Juni im Wiener Konzerthaus auf dem Programm des RSO, das an diesem Abend unter Peter Eötvös, dem 1. Gastdirigenten des Orchesters, spielt. Ö1 überträgt das Konzert live ab 19.30 Uhr. Weiters sind Witold Lutoslawskis “Konzert für Orchester” und die österreichische Erstaufführung der dreisätzigen Fassung von Bruno Hartls “Konzert für Schlagwerk und Orchester op. 23” zu hören. Solist am Schlagzeug ist Martin Grubinger. Bruno Hartl über sein Werk: “Anfänglich sollte das Konzert für Schlagzeug nur ein Marimbafonkonzert werden, das ich auf Wunsch des Solisten aber schließlich um Vieles an Schlaginstrumenten erweiterte … Als ich mir in meinem Skizzenbuch ein erstes Konzept zurechtlegte, war mir sofort bewusst, dass ich inhaltlich kein programmatisches Stück schreiben wollte. Vielmehr interessierte mich das Experiment, jedem einzelnen Solo-Schlaginstrument ein eigenes Thema oder Motiv zu widmen, um aus ihnen eine strukturelle Basis zu erfinden. Es entstand eine Vielzahl von Einzelteilen, welche ich anschließend zusammensetzte und sie bewusst in klassisch anmutende Formen setzte. Die so ineinander greifenden Teile von Variationen, Ostinati und Ronden sollten an ein splittriges Puzzlespiel erinnern, dessen Zusammensetzung zwar kompliziert, aber dennoch logisch zu verfolgen wäre.”
Ein besonderes Highlight ist die Aufführung von Arthur Honeggers “Johanna auf dem Scheiterhaufen” (“Jeanne d’Arc au bucher”). Das Oratorium wird am 16. Juni im Linzer Brucknerhaus und am 17. Juni im Rahmen der “Wiener Festwochen” im Musikverein aufgeführt – beide Male wird die Johanna von Johanna Wokalek gegeben, Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Weitere Mitwirkende sind Hendrickje van Kerckhove, Yu Guanqun, Maria Radner, Herbert Lippert, Dan Paul Dumitrescu, Adelheid Picha, Peter Matic, Joseph Lorenz, Gerd Böckmann, die Wiener Sängerknaben und der Wiener Singverein. Eine weitere Aufführung gibt es am 12. August bei den Salzburger Festspielen mit Fanny Ardant als Jeanne d’Arc. Alle drei Veranstaltungen werden von Bertrand de Billy dirigiert, in Ö1 ist der Mitschnitt aus Wien am 18. Juni ab 19.30 Uhr zu hören. “Die Musik muss ihren Charakter ändern, sie muss offen, natürlich und hoch attraktiv werden; das Volk pfeift auf die Technik und die zu verfeinerte Form. In ‘Johanna auf dem Scheiterhaufen’ habe ich versucht, für den Mann von der Straße und gleichzeitig für einen Musiker interessant zu sein.” In seinem “dramatischen Oratorium” – 1934/35 komponiert – hat Arthur Honegger eine Ausdrucksform gefunden, die er schon lange suchte, “eine Form des Theaters, die keine Oper ist, sondern eine Synthese aller Elemente einer Theatervorstellung mit dem gesprochenen Text.” Zentraler Ort der Handlung ist der Scheiterhaufen, auf dem Johanna zuletzt Minuten der Wahrheit durchlebt. Der Mönch Dominik, der ihr beisteht, begleitet sie in flash-backs durch die schicksalhaften Stationen ihres Lebens und lässt den Weg, der zum Tod auf dem Scheiterhaufen führte, sowohl in religiösen Visionen als auch in teils grotesken Volksszenen lebendig werden.
Wie jedes Jahr bietet das ORF-Orchester beim Abschlusskonzert der Dirigentenklassen der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien auch heuer wieder den jungen Musiker/innen die Gelegenheit, sich mit einem professionellen Ensemble zu präsentieren. Das Konzert im Musikverein am 23. Juni beginnt um 19.30 Uhr. Auf dem Programm stehen Werke von Richard Strauss (Tae-Jung Lee), Antonin Dvorak (Hao Wei Huang), Igor Strawinsky (John Lidfors) und Claude Debussy (Gergely Madaras).
Den Abschluss der Saison “40 Jahre ORF Radio-Symphonieorchester Wien” begeht das Orchester am 25. Juni im ORF-RadioKulturhaus mit der Aufführung der von österreichischen Komponistinnen und Komponisten zum Geburtstag geschenkten Orchesterminiaturen – eine Sammlung, die auch über rso.ORF.at sowie oe1.ORF.at nachhörbar ist. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr, es dirigiert Gottfried Rabl. Als krönenden Abschluss der Geburtstagssaison feiert das RSO Wien in seiner Heimstatt, dem Großen Sendesaal des ORF-RadioKulturhauses, und lässt live die Kompositionen der Gratulant/innen nochmals Revue passieren. 102 Meisterwerke im Miniaturformat von je zirka einer Minute, aber im Maximalformat des Großen Orchesters: Noch nie gab es eine derart umfassende Sammlung österreichischer komponierender Stimmen von A bis Z, von Peter Ablinger bis Mia Zabelka, für einen Klangkörper dieser Größenordnung. Momente von Friedrich Cerha sind ebenso vertreten wie der Tarzanschrei für Orchester, ein Wutmarsch und ein Glühender Stern oder Olga Neuwirths only an end und Kurt Schwertsiks Versuch einer Kasperlmusik. Schwertsik, der am 25. Juni seinen 75. Geburtstag feiert, steht außerdem ab 22.45 Uhr in Ö1 im Mittelpunkt einer Langen Nacht der neuen österreichischen Musik. Details zum Konzertprogramm des RSO Wien sind abrufbar unter http://rso.orf.at (ih)
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