Musikservices: Reverbnation

Jede Band weiß es nur zu gut: Musik machen alleine genügt nicht – denn die Musik will auch gehört und gekauft werden. Und das geht nur, wenn möglichst viele Menschen davon wissen, infolge dessen zu den Konzerten kommen und dann idealerweise auch noch eine Platte kaufen. Hat man als Band oder Künstler eine Plattenfirma und/oder eine Managementagentur im Rücken, braucht man sich um so essentielle Dinge wie Promotionarbeit für das neue Album, Bookingarbeit für die kommende Tour oder gezielte Marketingaktionen, um die Fanbasis zu vergrößern, nicht mehr zu kümmern. Ist man aber nicht in der Lage über einen Partner aus dem Musikgeschäft zu verfügen, heisst die Devise: „Do It Yourself“. Nun gibt es im Internet einige Musikservices, die sich darauf spezialisiert haben, Künstlern und Bands in diesen Bereichen unter die Arme zu greifen. Im folgenden Artikel stellen wir die Plattform Reverbnation vor.

Reverbnation hat seinen Sitz in den USA und bietet Bands(mit oder ohne Plattenvertrag) Tools an, um deren Musik bekannter zu machen. Ob es nun darum geht, eine neue Veröffentlichung im Internet zu promoten oder auf der Facebook-Page ein Bandprofil zu integrieren – mit Reverbnation ist dies möglich, die Plattform ist sozusagen ein All-In-One-Service für Musiker und Bands mit einem starken Fokus auf Marketing und Promotion. Auch Veranstalter und Labels können das Service nutzen.

Grundlegendes – Das Bandprofil
Jeder Künstler, jede Band hat die Möglichkeit ein Profil anzulegen, das alle Basisinformationen über den Artist vereint. Im sogenannten „Control Room“ (vergleichbar mit einem Dashboard eines Blogs) kann man diese Informationen verwalten, Songs und Videos uploaden, neue Konzerttermine anlegen oder Fotos des letzten Konzerts posten. Darüber hinaus lässt sich durch wenige Klicks ein schon bestehendes Myspace oder Facebook-Profil mit dem neuen Reverbnation-Profil synchronisieren. Dies ist recht praktisch, wenn man bereits auf diesen Social-Networking-Plattformen vertreten ist und sich die Mühe ersparen will, jede Plattform extra aktualisieren zu müssen. Desweiteren lässt sich ein schon bestehender Blog einfach durch Eingabe der RSS-Feed-URL in das Profil integrieren. Bands die noch keinen Blog betreiben, können die hauseigene Blog-Software von Reverbnation nutzen. Ein weiteres Tool, das über die Profilseite aktivierbar ist, nennt sich BuzzTracker. Wie der Name schon andeutet, werden sogenannte Buzzwords (Bandname, Labelname, etc…)  die man in den „Preferences“ anlegt, im Internet getrackt. So lässt sich nachverfolgen, in welchem Zusammenhang eine Band im Internet erwähnt wird.

Das Anlegen eines Bandprofils bzw. die Nutzung aller oben genannten Tools ist gratis. Jedoch gibt es auch sogenannte „Premium Features“, die kostenpflichtig sind und die in den folgenden Abschnitten kurz erklärt werden.

Digital Distribution
Reverbnation übernimmt auch den digitalen Vertrieb basierend auf einem – wichtig! – nicht-exklusiven Vertrag an die wichtigsten Downloadstores und Streamingplattformen wie Itunes, AmazonMP3, Zune, Spotify, Last.FM oder MyspaceMusic. Insgesamt stehen 2 Pakete zur Auswahl, „ReverbnationPro“ und „ReverbnationEssential“, wobei sich die beiden Angebote dadurch unterscheiden, dass die Pro-Version den Vertrieb an 40 Download-Stores beinhaltet und mit dem Kauf des Essential-Pakets 34 Stores beliefert werden. Die Kosten belaufen sich dabei auf 59.95 $ bzw. auf 34.95$ pro Album für ein Jahr. Verlängert man also ein Paket nicht, werden auch die Alben bei den Stores nicht mehr gelistet.

Im Gegenzug schüttet Reverbnation 100% der Verkäufe an den Rechteinhaber aus, d.h. die Plattform behält sich keinen prozentuellen Anteil pro Download ein. Jedoch übernimmt Reverbnation nicht die Abrechnung mit den Verwertungsgesellschaften, dies hat jeder Rechteinhaber selbst zu erledigen. Die Anlieferung der Musikdateien sollte entweder im MP3-Format (44.1 kHz, 320 kbps) oder im WAV-Format (44.1Khz, 16 bit samples, no compression) erfolgen. Die Erstellung von ISRC-Code (pro Track) bzw. eines UPC-Codes (pro Release) übernimmt Reverbnation gratis.

Letztlich stellt sich noch die Frage, wieviel Geld man pro Albumverkauf bzw. pro Single-Track-Download eigentlich bekommt? Da jede Plattform unterschiedliche Preismodelle hat bzw. es einen großen Unterschied macht, ob ein Kunde eine Song downloaded oder streamed, möchte ich kurz auf die FAQ-Seite (http://www.reverbnation.com/c/artist/distro_faq) hinweisen, auf der detailliert nachzulesen ist, welchen Geldbetrag die Plattformen an den Distributor ausschütten.

Das Pressepaket
Ein wesentlicher Teil der Promotionarbeit für ein neues Album oder die kommende Tour besteht darin, zum einen Musikjournalisten, zum anderen Promoter und Booker zu bemustern. Dabei sollte sich eine Band natürlich von seiner besten Seite zeigen. Anstatt also lange Emails mit Bandinfos und Links zu MP3s oder Videos zu verschicken, gibt es die Möglichkeit, sogenannte „Electronic Presskits“ zu versenden. Reverbnation versucht mit dem „Reverbnation PressKit“, kurz „RPK“ den Künstlern unter die Arme zu greifen. Die Erstellung eines Pressekits funktioniert ähnlich wie bei der Plattform Sonicbids, die sich auf diese Art von Service spezialisiert hat. Das Anlegen eines RPK’s kostet 5.95$ und beinhaltet unlimitierten Speicherplatz für Audiofiles und Fotos. Ein Trackingtool informiert die Künstler darüber, wer das RPK erhalten und sich auch angesehen hat.

Der eigene Merchandisestore

Um eine neue Veröffentlichung oder das neueste Band T-Shirt direkt und ohne viel Umwege an die Fans zu bringen, ist ein eigener Merchstore eine optimale Möglichkeit. Andere Promotionservices wie Topspin Media bieten Werkzeuge für die Erstellung eines Stores an, Reverbnation hat sich hierfür folgende Lösung ausgedacht: Das Anlegen eines Stores ist gratis. Neben dem üblichem Merchandiseartikeln wie T-Shirts, die man im Reverbstore auch selbst gestalten kann, stellt die Plattform die Möglichkeit zur Verfügung, MP3-Alben, CDs oder Ringtones zu verkaufen. Der Vertrag mit Reverbnation ist nicht exklusiv, die Band behält Kontrolle über den Inhalt, den sie über den Store verkaufen will. Die Kosten sind nach den einzelnen Produkten gestaffelt, d.h. die Promotionplattform behält sich 3$ pro verkauftem MP3-Album, 5.49$ pro verkaufter CD ein oder 0.30$ pro verkauftem Download. Der Reverbstore bietet auch die Möglichkeit, Produkte „On-Demand“ zu verkaufen, d.h. man kann ein T-Shirt selbst gestalten und zum Kauf anbieten, wobei aber die Herstellung des Artikels erst dann erfolgt, sobald eine Bestellung getätigt wurde. Laut Reverbnation wird am gleichen Tag der Bestellung die CD oder das T-Shirt hergestellt und an den Kunden verschickt.

Neue Fans gewinnen
Wie kann man nun seine Fanbasis verbreitern? Plattformen wie Topspin Media haben sich ganz auf diese Frage spezialisiert und bieten einige Direct2Fan-Promotion-Tools an, die in einer der nächsten Artikel näher betrachtet werden. Was hat Reverbnation hier anzubieten? Neben der Möglichkeit, unterschiedliche Widgets bzw. Apps zu kreieren, die individuell an das „Corporate Design“ einer Band anpassbar sind, steht jedem Artist das „Tunewidget“ zur Verfügung. Im Unterschied zu den sogenannten „Pro-Widgets“ (Musicplayer, Videoplayer, Show Schedule Player, etc…) wird das „Tunewidget“ gratis angeboten. Sobald man ein Bandprofil erstellt hat, wird dieses Widget automatisch generiert. Je mehr Informationen eine Band bereit stellt, desto umfangreicher wird das Tunewidget von Reverbnation befüllt – d.h. lädt man Songs, Videos und Fotos hoch oder integriert man seinen Blog in sein Reverbnationprofil, wird dies alles automatisch zu einem Widget zusammengefasst. Neben diesen Funktionen beinhaltet das Widget noch zwei wichtige Elemente: zum einen die „Mailinglist“, d.h. angehende Fans können sich für die Mailinglist registrieren. Diese neuen Fans können dann über die Emailmarketing-Plattform „FanReach“, die ebenfalls über Reverbnation nutzbar ist, mit aktuellen Infos versorgt werden. Gleichzeitig haben sie auch die Möglichkeit, sich für das „Street Team“ zu registrieren, um die Band nicht nur im Internet sondern auch im realen Leben zu unterstützen. Zum anderen bietet das Tunewidget eine „Share-Funktion“ an, d.h. Fans können das Tunewidget in ihrem persönlichen Netzwerk (Facebook, etc…) mit wenigen Klicks weiter empfehlen. Ebenso gibt es die Möglichkeit „Cross-Promotion“ zu betreiben, in dem man einfach eine befreundete Band oder seinen Labelpartner mit Hilfe des Widgets weiter empfiehlt. Und zu guter Letzt lässt sich durch ein Trackingtool nachvollziehen, wo das Widget im Internet platziert wurde, welche Songs wie oft gespielt wurden und wieviele Fans neu zur Mailinglist hinzugekommen sind.

Die Fans am Laufenden halten
Hat man nun eine Fanbasis, sollte man diese auch regelmässig mit Neuigkeiten versorgen. Natürlich sollten auch andere Kanäle wie Social-Networking-Seiten oder die eigene Website hierfür genutzt werden, jedoch ist es empfehlenswert, jene Menschen, die sich dazu entschlossen haben, einer Band ihre Emailadresse anzuvertrauen und somit ein wirkliches Interesse an der Arbeit einer Band bekundet haben, zu hegen und zu pflegen. In anderen Worten: exklusive Downloads, Geheimgigs, verbilligte und/oder exklusive Band T-Shirts, usw… – es gibt unzählige Möglichkeiten seiner Fangemeinschaft etwas Besonderes zu bieten – dies könnte man beispielsweise nur jenen Personen anbieten, die sich für die Mailinglist registriert haben. Kommuniziert man das über verschiedene Kanäle wie Facebook oder die Bandwebsite, werden sich auch andere potentielle Fans dafür interessieren und im besten Falle ihre Emailadresse hinterlassen.

Wie schon weiter oben erwähnt, lasst sich über Reverbnation die Email-Marketingplattform „FanReach“ nutzen, wobei hier wieder unterschieden werden muss, zwischen einer „Pro“ und „Light“-Version. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei nicht nur um eine Plattform, über die man Newsletter verschicken kann, sondern „FanReach“ beinhaltet auch einige Marketingaspekte. So lassen sich beispielsweise „SignUp-Formulare“ individuell gestalten, die man bei Social-Networking-Portalen oder in die eigene Website integrieren kann. Desweiteren ist der Look eines Emailings beliebig über HTML-Templates gestaltbar und der gesamte Content, den man im Reverbnation-Profil angelegt hat, lässt sich hier integrieren. Die kostenlose Version von „FanReach“ lässt bei der Auswahl der Templates nicht sehr viel Spielraum zu. Apropos Kosten: bei der Pro-Version bezahlt man je nach Anzahl der sogenannten „FanReach-Kontakte“, d.h. beginnend von 0-999 Kontakten zahlt man 9.95$ pro Monat bis hin zu 249.95$ pro Monat für 250.000 Mailkontakte.

Die eigene Website
Bei all den Möglichkeiten seiner Band im Internet über Musik-Services, Promotionplattformen oder Social-Networking-Portalen ein Gesicht zu geben, sollte man nicht auf die eigene Website vergessen, die eigentlich dazu dient, seine eigene Geschichte in seinem selbst gewählten Outfit und in seiner eigenen Sprache zu erzählen. Hier sollten im Idealfall auch alle Fäden einer Kampagne (welcher Art auch immer) zusammen laufen.

„Sitebuilder“ nennt sich das Tool, mit Hilfe dessen eine Website erstellt werden kann. Entweder verwendet man ein vorgefertigtes Design oder ein HTML-Template. Auch eine „.com“-Adresse kann man über „Sitebuilder“ registrieren lassen und der automatische Update der Website erfolgt dann, wenn Veränderungen im Reverbnationprofil getätigt werden. Die Kosten belaufen sich dabei auf 17.95$ pro Monat, man hat 10 GB zur Verfügung und die Bandbreite (Up- und Download) ist unlimitiert. Wie schon im ersten Absatz erwähnt, empfehle ich die Erstellung einer Website auf eigene Faust, denn Kontrolle über den Inhalt und ein gewisses Maß an Unabhängigkeit sollte an erster Stelle stehen, gerade wenn es darum geht, sich seine eigene kleine Welt zu erschaffen und sich von der Masse abzuheben.

Promote It! – Facebook
Zum einem gibt es die Möglichkeit ein sogenanntes „Bandprofile“ auf einer Facebook-Seite zu integrieren. Dabei werden wiederum alle Informationen, die eine Band über ihr Profil bereit gestellt hat, zusammengefasst – aktiviert man unter „Anwendungen“ bei Facebook das „Bandprofile“, wird automatisch auf der Facebook-Seite ein Tab hinzugefügt, das gebündelt Informationen über die Band, Songs, Konzerttermine oder Presseclippings bereit stellt. Eine weitere Promotionplattform, über die sich ein Bandprofil auf einer Facebook-Seite integrieren lässt, ist beispielsweise „rootmusic“. Die Nutzung dieses Angebots ist teilweise kostenpflichtig, lässt aber mehr Freiheiten zu, als das kostenlose „Bandprofile“ von Reverbnation.

Das neue Service „Promote It“ schlägt da in eine etwas andere Kerbe. Um einen neuen Release, einen neuen Song oder eine anstehende Show promoten, nutzen viele Bands oder Record Labels mittlerweile Facebook-Werbeanzeigen. Genau hier setzt „Promote It“ an: aus den Informationen über die Band werden dutzende von Anzeigen kreiert und eine Landing Page, also eine Zielseite, die dann auftaucht, wenn man auf die Anzeige geklickt hat. Was noch benötigt wird: einen Song oder Track, den man als gratis Download bereit stellen kann, also ein Goodie, das ein neuer Fan bekommt, sobald er sich über die Landing Page beispielsweise für die Mailing-List registriert hat. Sobald die Anzeigen erstellt sind, werden sie mit anderen Kampagnen von Bands, die in etwa die gleiche Zielgruppe ansprechen, verglichen und immer wieder optimiert, um potentielle neue Fans zu erreichen.

http://www.reverbnation.com/