hons – necessities

Es gibt Musik, die schlicht und einfach nicht in gewöhnliche stilistische Kategorien gezwängt werden kann, die so abseits der herkömmlichen Standards angesiedelt ist, dass Worte nur bedingt ausreichen, um sie treffend zu beschreiben „necessities“ (Ostblock Rekords), das neue Album des Wiener Soundkünstlers hons, entspricht haargenau dieser Zuschreibung. Was der Elektroniker in seinen insgesamt 14 Tracks auf den Weg bringt, ist eine ungemein dunkle, psychodelische und atmosphärische Verbindung popularmusikalischer Musikformen mit der reinen experimentellen Klangkunst. Zugegeben, bei „necessities“ handelt es sich nicht unbedingt um leichte Kost, die Nummern erfordern Zeit, sich vollends zu entfalten. Gewährt man ihnen diese aber, erschließt sich einem eine faszinierende, sehr stimmungsvolle und fesselnde Soundwelt, die einfach in Staunen versetzt.

Hinter dem Namen hons verbirgt sich der in Wien lebende elektroakustische Komponist Hannes Köcher. Wer seine bisherigen Arbeiten kennt, der weiß, dass es sich hier um einen Soundtüftler handelt, der sich vor allem im experimentellen Umfeld beheimatet fühlt, der seine ganz eigene musikalische Vision verfolgend, keinerlei Konzessionen eingeht. „necessities“ ist ein Stück Musik geworden, welches genau diesen selbst auferlegten hohen Ansprüchen gerecht wird. Hannes Köcher lässt Songs entstehen, mit denen man sich als HörerIn auseinandersetzen muss. Man muss sie wirken lassen, um sie überhaupt erst fassen zu können. Gleichzeitig aber strahlt sie schon vom ersten Moment an eine seltsame und nicht wirklich greifbare Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann.

GLOOM by HONS – Music Video from onehundredways films on Vimeo.

Mit der Akribie eines Wissenschaftlers entwirft der unter dem Künstlernamen hons werkende Elektronikkünstler, der auf dem Album auch hinter dem Mikrophon eine gute Figur macht, den verschiedenen, dem popmusikalischen Kontext entlehnten Versatzstücken ein vielschichtiges und ungemein nuancenreiches Sounduniversum. So finden sich in den Stücken genauso Anleihen aus dem Trip-Hop, wie auch aus dem Downbeat, Industrial  und anderen elektronischen Spielarten, wobei Hannes Köcher als ein in der Elektroakustik sattelfester Komponist, diesen in seinem Gesamtkonzept einen von jeglichen Genrefragen losgelösten Platz zuweist.


Es ist vor allem das Spiel mit Stimmungen, vor allem solche dunklerer und melancholischer Natur, welche auf „necessities“ von Hannes Köcher zur hohen Kunst erhoben wird. Die eigenwilligen, teils schräg anmutenden und maschinell-technoid pulsierenden Stücke entfalten eine den ganzen Raum ausfüllende spannungsgeladene, fast schon hypnotisierende Atmosphäre. Mit seinem Projekt hons beweist Hannes Köcher, dass in der elektronischen Musik immer noch höchst innovative Wege gegangen werden können, dass in Punkto Kreativität in diesem Genre noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Liebhaber der etwas anderen Sorte elektronischer Musik, sollten „necessities“ auf alle Fälle einer intensiveren Hörprobe unterziehen. Ein wirklich lohnenswertes Hörerlebnis. (mt)

 

http://hons.at/
http://hons.bandcamp.com/album/necessities
http://www.ostblock.at/