Feinster Indierock, der ganz auf die großen pathetischen Gesten verzichtet und sich in keinem Moment irgendwelchen aktuellen Trends oder Strömungen anbiedert, sondern vielmehr seine Eigenständigkeit, Stärke und Qualität aus seiner dezenten Unaufgeregtheit bezieht, genau mit einem solchen wartet der Vierer Gary auf seinem im kommenden März erscheinenden dritten Album „Hey Turtle, Stop Running“ (Siluh Records) auf. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug klassisch instrumentiert bringt die deutsch-österreichische Band rund um Frontmann Robert Stadlober ein Stück Musik auf den Weg, welches, auf großartige technische Effekte verzichtend, so richtig schön unverbraucht und verspielt aus den Boxen schallt. Hierzulande erstmals live zu hören gibt es die neuen Songs am 24. März im Wiener Apparat.
Nein, auf irgendwelche Schnellschüsse oder erzwungene Hits wartet man auf diesem Album erfreulicherweise vergeblich. Robert Stadlober (Gitarre, Gesang), Astrid Noventa (Keyboards, Gesang, Gitarre), Rasmus Engler (Schlagzeug) und Daniel Moheit (Bass) lassen ihren Songs vielmehr genau die Zeit, welche sie benötigen, um sich voll entfalten zu können. Und genau aus diesem Ansatz heraus entspringt auch deren gefühlvolle Lebendigkeit und Abwechslung. Auf große Experimente und Spielereien verzichtend, übt sich der Vierer nicht in der großen instrumentalen Virtuosität oder im Erfüllen irgendwelcher Erwartungshaltungen, sondern versucht vielmehr mit einfachen Mitteln, die den Songs zugrundeliegende Essenz emotional zum Ausdruck zu bringen.
Gary – Love Is Love by Siluh Records
Das bewusst in seiner Produktion nicht allzu glattpolierte Album scheint sich vom ersten Moment an bis zum letzten so richtig schön im Fluss zu befinden. Eine von wunderbaren Melodien getragene, in spannende und durchdachte Arrangements gefasste und um Zitate solcher 90er-Jahre Formationen wie die Lemonheads und Dinosaur Jr. angereicherte Indiepop-Perle folgt der nächsten, so lange bis auch der letzte Ton des abschließenden Stückes erklungen ist. Was Robert Stadlober und seine Mitstreiter tunlichst vermeiden ist, sich in irgendwelchen und bereits tausend Mal gehörten „Schema F“-Formaten zu verlieren. Vielmehr versuchen sie in den insgesamt 11 Nummern im kunstvollen Spagat einen Ausgleich zwischen Anspruch und Unterhaltungswert herzustellen. Was der Truppe auch ganz vortrefflich gelingt.
„Hey Turtle, Stop Running!“ ist höchst eigenständiger, intelligenter und zugleich auch berührender und tiefsinniger Indiepop, einer, der erfreulicherweise genug Ecken und Kanten aufweist, um sie im positiven Sinne von vergleichbaren Entwürfen abzuheben. (mt)
Foto: Matthias Frey