Bernhard Eder und die Nibelungen

Dass es sich bei Bernhard Eder um einen begnadeten Liedermacher handelt, weiß man nicht erst seit seinem im vergangenen Jahr erschienenen bärenstarken Album „To Disappear Doesn’t Mean To Run Away”. Obwohl auch bekannt ist, dass der Singer/Songwriter sich immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen befindet, überrascht das neue Projekt des Wieners dann doch etwas. Die Nibelungen sind es, denen sich Eder nun gewidmet hat. Für eine Inszenierung der Sage (nach Friedrich Hebbel) am Max Reinhardt Seminar schrieb der Liedermacher die Musik und spielte auch gleichzeitig die Rolle des Volkers von Alzey. Das Ergebnis nahm er (mit gesanglicher Unterstützung der Schauspieler) auf, das Werk gibt es nun in limitierter Auflage auf Tonträger.

Nein, irgendwelches Schubladendenken war Bernhard Eder immer schon fremd gewesen. Als ein Künstler, der gewillt ist, auch einmal für ihn unbekannte Pfade zu beschreiten, widmet sich der Liedermacher mit Vorliebe auch Projekten, die ihn aus seinem angestammten Umfeld hinausführen. Und um genau ein solches handelte es sich auch bei der Inszenierung der Nibelungen am Max Reinhardt Seminar. Bernhard Eder wurde gebeten für diese die Musik beizusteuern. Als Volker von Alzey im Stück selbst eine Rolle übernehmend, machte sich der Wiener daran, die Texte in eine entsprechende musikalische Form zu überführen. Herausgekommen sind ruhige, zurückhaltende, abwechslungsreiche und ungemein stimmungsvolle Folksongs, in denen, passend zur thematischen Vorgabe, immer auch etwas seltsam Mittelalterliches  mitschwingt. Wiewohl es Bernhard Eder gelungen ist, die Musik dann doch irgendwie in der Jetztzeit zu platzieren, sie modern zu gestalten.

Was der Liedermacher erschaffen hat, ist ein hochinteressanter musikalischer Brückenschlag von der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Stücke, welche mit der gesanglichen Unterstützung der Schauspielerkollegen entstanden sind, funktionieren auch unabhängig vom Theaterstück vortrefflich, entfalten sie doch aufgrund ihrer melancholischen Grundstimmung eine ungemein dichte Atmosphäre.

Schön, dass sich Bernhard Eder dazu entschlossen hat, seine Songs auch jenen zugänglich zu machen, die das das Theaterstück nicht gesehen haben. Wäre um diese wunderbaren kleinen Schätze wirklich schade. (mt)

 

http://bernhardeder.net/
http://tronrecords.com/