Robert Kainar (c) Franz Heller

„ZUHAUSE, IM BÜRO, IM PROBERAUM, IMMER LAUERT EIN ÜBERFALLSKOMMANDO AN DINGEN.“ ‒ ROBERT KAINAR IM MICA-INTERVIEW

Der Schlagzeuger und Perkussionist ROBERT KAINAR ist inzwischen auf über fünzig Tonträgern verewigt. Der gebürtige Salzburger war Anfang der 1980er Jahre maßgeblich an der Gründung des Jazzclubs Live in Salzburg beteiligt und 1998 Mitbegründer sowie Organisator des jährlich stattfindenden Workshops JIMS für Jazz und improvisierte Musik in Salzburg. Nach anfänglichen Arbeiten mit renommierten klassischen Orchestern wandte er sich zunehmend Projekten im Bereich Jazz und Crossover zu. Daneben komponiert er Bühnenmusik für die freie Theaterszene, ist Initiator für genreübergreifende Festivalprojekte und betreibt das Plattenlabel SOWIESOUND. Aktuell ist ROBERT KAINAR Schlagzeuger des US Saxophon-Quartetts Tiptons sowie von Sharp5, Kammermusiker bei den barock-jazzigen Klängen des WoodAirQuartets, Bandmitglied im Mulo Francel Quartet und Gründer und Initiator des Ensemble 013 der Salzburger Festspiele. 2020 wurde er mit dem GROßEN KUNSTPREIS DES LANDES SALZBURG ausgezeichnet. Michael Franz Woels befragte ROBERT KAINAR zu seinen anfänglichen Erfahrungen in der Blasmusik, zu seinen Anliegen bei Musikvermittlungstätigkeiten und wie sich der Probenmuffel motiviert.

Du hast deine Karriere als Musiker in einer Blasmusikkapelle begonnen, dann in einer Schulband Jazzrock praktiziert. Welche Freiheiten schätzt du an Jazz, wie haben sich deine Zugänge zur Musik durch die Hinwendung zum Jazz verändert?

Robert Kainar: Karrierestart in der Blasmusik klingt jetzt natürlich übertrieben. Aber die Erfahrungen im Zusammenspiel, die Motivation zu üben und das soziale Umfeld möchte ich aus heutiger Sicht nicht missen. Zu meiner Zeit gab es am Land kein Jugendzentrum, keine Bandproberäume oder Popkultur vor Ort. Somit verstand sich der Eintritt ins Blasmusik-Geschehen mit acht Jahren als klarer Schritt in die richtige Richtung. In der Schulband kam dann natürlich das große musikalische Erwachen. Wir haben alles ausprobiert, vieles davon klang nach Jazzrock. Das war zu der Zeit ‒ Anfang der 80er ‒ ein durchaus hipper Stil. Diesen Sound haben wir durch das Experimentieren und Improvisieren kreiert. Man könnte es auch Jazz nennen. Und ganz wichtig: Wir waren kritisch, aufmüpfig, haben die Gesellschaft und die Politik hinterfragt, das Weltgeschehen beobachtet! Schnell war uns klar, dass Jazz zu uns passt und eine Lebenshaltung verkörpert.

Du hast gesagt, du bist ohne hierarchisches Denken aufgewachsen. Wie kann man das verstehen? Wie hat sich das später auf dein Netzwerken als Musiker ausgewirkt?

Robert Kainar: Vieles, was ich mit hierarchischem Denken verbinde, habe ich durch mein musikalisches Schaffen gelernt abzulegen. Ich habe mit allen Musikerinnen und Musikern immer auf Augenhöhe gearbeitet. Mein damaliger Lehrer hat mich dazu angeregt, immer mit den besten Musikerinnen und Musikern, die gerade verfügbar sind, zu spielen. Und es hat funktioniert. Oft waren wir vom künstlerischen und handwerklichen Niveau meilenweit entfernt, und trotzdem habe ich diese Akzeptanz und Leidenschaft, miteinander ein brauchbares Endprodukt zu schaffen, immer verspürt. Später dann bin ich auf Musikerinnen und Musiker sowie auf Institutionen zugegangen, um Kooperationen und Synergien für die heimische Szene zu schaffen. Für mich war immer ganz klar, dass eine nach außen sichtbare Szene nur wahrgenommen wird und sich etablieren kann, wenn wir unsere Ziele gemeinsam verfolgen. Und auch hier konnte ich feststellen, dass ich, in den oft so heilig gepriesenen und fast schon tabuisierten Chefetagen, mit meiner Unbefangenheit oft erst skeptisch, aber dann meist doch freudig gehört wurde.

„[…] DAS ELEXIER, DER ANTRIEB ÜBERHAUPT FÜR MUSIK.“

Würdest du dich als typischen Schlagzeugspieler bezeichnen?

Robert Kainar: Ich denke, im Jahr 2020 gibt es keinen typischen Schlagzeugspieler mehr. Für diese Kategorisierung leben wir in einer zu globalisierten musikalischen Welt. Ich würde sagen, es gibt Schlagzeuger-Typen, die durch ihren persönlichen Stil, die Auswahl und Anwendung ihres Instrumentariums, die Beiziehung von Elektronik und vielem mehr ihre persönliche Sprache sprechen und einen unvergleichbaren Sound kreieren. Ja, ich glaube, ich gehöre da irgendwie dazu.

Welchen Stellenwert hat die Bühne für dich als Musiker, würdest du dich als Live-Musiker bezeichnen?

Robert Kainar: Ein klares „Ja“! Ich bin Live-Musiker, nicht nur weil da sicherlich meine Stärke liegt, sondern weil ich auch das Umfeld liebe: die feinen bis schmuddeligen Backstage-Räume, täglich wechselnde akustische Bedingungen, auf die ich mich einzustellen habe, die Reaktion des Publikums, die Gespräche danach. Und ich bin sehr gern auf Tour ‒ immer noch!

Welchen Stellenwert hat das Publikum für dich?

Robert Kainar: Die derzeitigen Einschränkungen im Konzertbetrieb lassen mich zwei Dinge ganz besonders vermissen: zum einen die Spielpraxis ‒ ich bin seit meinem achten Lebensjahre noch nie so wenig in der Öffentlichkeit aufgetreten wie derzeit ‒ und zum anderen das Publikum. Es ist für mich das Elixier, der Antrieb überhaupt für Musik. Und ich brauche das Feedback. Ich bin ein ziemlicher Probenmuffel. Wenn ich aber weiß, dass ich probe, um meinem Publikum das Bestmögliche auf den Weg mitzugeben, dann lege ich mich auch bei der Probenarbeit richtig ins Zeug. Außerdem lebe ich in der Verantwortung, mit meiner Kunst Emotionen zu wecken, nachdenklich zu machen, etwas zu bewegen, nach vorne zu schauen. Wen soll ich damit erreichen, wenn nicht das Publikum!?

Würdest du dich als Großstädter bezeichnen? Warum hast du dir Salzburg als Epizentrum deines Schaffens ausgesucht?

Robert Kainar: Ich suche meine Inspiration sehr oft in der Ruhe. Diese finde ich meist in der Natur und davon gibt es rund um Salzburg genug. Die Großstadt war nur kurz nach meinem Studium ein Thema. Paris hat mich musikalisch Ende der 1980er-Jahre einmal sehr interessiert. Ich war dann aber immer wieder froh, zurück nach Salzburg zu kommen und das Großstadttempo rausnehmen zu können. Zudem  finde ich die internationale verkehrstechnische Anbindung Salzburgs mehr als ausreichend, und die Nähe zur deutschen Musiklandschaft als sehr entgegenkommend.

Was sind deiner Meinung und Erfahrung nach im internationalen Vergleich die Besonderheiten der Musikstadt Salzburg?

Robert Kainar: Salzburg hat seine Geschichte – und an der wird festgehalten. An Traditionen wird nur ungern gerüttelt. Die jahrhundertelange Kirchenhistorie trägt das Ihre zum zähen Vorwärtskommen bei Neuem bei. Ein bisschen Masochist muss man wohl sein, wenn man in dieser Stadt kulturell etwas bewegen will. Zum Glück haben wir einen sehr coolen, international renommierten Jazzclub, innovative und spannende Kulturhäuser, eine kleine freie Kunstszene, engagierte Musiklehrerinnen und -lehrer an verschiedenen Schulen. Dennoch fehlt nach wie vor eine im österreichweiten Vergleich nennenswerte Popularmusik-Abteilung an der Universität Mozarteum, trotz unermüdlichen Kampfes des kleinen, aber feinen Lehrkörpers auf diesem Gebiet.

Ebenso ist die Live-Musik-Szene außerhalb der Veranstaltungshäuser fast gänzlich zusammengebrochen. Vielleicht wäre ich kein Musiker geworden, wenn wir nicht an allen Ecken und Enden der Stadt hätten jammen können, oder anderen Bands lauschen. Ganz abseits von etablierter Konzertkultur.

Du bist ein passionierter Bahnfahrer, arbeitest oft im „Train Office“. Was sind die Besonderheiten dieser Arbeitsweise für dich?

Robert Kainar: Im Zug habe ich meine Ruhe: völlig konzentriert und fokussiert auf meine Arbeit. Ich habe kein Handy ‒ mich kann also nichts ablenken! Zuhause, im Proberaum, im Büro lauert immer ein Überfallskommando an Dingen, die es sonst noch zu tun gibt.

„DIESE UNGLAUBLICH GEBALLTE ENERGIE“

Jazz-Vermittlung ist dir ein wichtiges Anliegen. Dein Workshop-Projekt Jazz & Impro (JIMS) ist international erfolgreich. Was hat den Erfolg für dich ausgemacht, was sind deine zentralen Anliegen?

Robert Kainar: Das JIMS, Jazz & Improvised Music Salzburg, hat international große Wellen geschlagen. Wir hatten von 1998 bis 2008 die gefragtesten Dozentinnen und Dozenten des aktuellen Musikgeschehens in diesem Bereich für Workshops, Vorträge und Konzerte in Salzburg. Bis heute sind Synergien aus dieser Zeit vorhanden und zahlreiche, inzwischen etablierte junge Musikerinnen und Musiker haben sich bei uns den Kick zum Karrierestart geholt. Wir waren in alle Richtungen offen und sicherlich Vorreiter in der Zusammenführung von Jazz und improvisierter Kammermusik. Das bis heute am stärksten Nachwirkende war diese unglaublich geballte Energie, die sich in der JIMS-Woche aufgebäumt und die Teilnehmenden in ihrem Tun maßgeblich gestärkt hat. Das ist für mich auch das zentrale Anliegen eines Workshops.

Du bist weltweit in der Erwachsenenbildung tätig. Was waren denn für dich bis jetzt so die schönsten Erlebnisse in diesem Kontext?

Robert Kainar: Die schönste Erfahrung bei meinen Workshops in der Erwachsenenbildung ist es, wenn Musik zur gemeinsamen Sprache wird. Kulturelle und soziale Hintergründe ‒ oft im wahrsten Sinne des Wortes ‒ mit einem Schlag auszublenden und plötzlich eine neue Kommunikationsebene zu erleben, führt bei den  Teilnehmenden meist zu einer völlig neuen Wahrnehmung des Gegenübers. Zudem habe ich mit Menschen zu tun, die in ihrem sonstigen Leben oft nur wenige Erfolgserlebnisse zu spüren bekommen. In den Workshops wendet sich diese Erfahrung in kürzester Zeit, und das stärkt die einzelnen Persönlichkeiten.

Das von Jazzit initierte „Jazz is cool“ war erfolgreich, durch eine Umbesetzung und eine Neu-Auflage läuft es nun unter dem Titel „All About That Jazz“. Wie würdest du deine Herangehensweisen an diese Vermittlungsarbeiten charakterisieren?

Robert Kainar: Unser Jazzvermittlungsprojekt macht kurz gesagt einfach riesigen Spaß. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, eine kleine Zeitreise durch den Jazz bis zur Gegenwart in leichter, spielerischer und oft auch komischer Weise zu unternehmen. Kinder und Jugendliche nehmen Musik als etwas Selbstverständliches und allzeit Verfügbares wahr und konsumieren diese über Videoclips eher optisch als akustisch. Wir zeigen, wie lebendig Musikmachen sein kann, geben Anregungen, wie spielerisch Kommunikation im musikalischen Dialog abseits verbaler Kommunikation unter Einbeziehung von Spontanität und Improvisation sein kann; alles Eigenschaften, die zu mehr Empathie und Teamfähigkeit sowie Sensibilisierung in der Persönlichkeitsbildung führen.

Du betreibst auch ein eigenes Label. Was war für dich ausschlaggebend, das Label sowiesound zu gründen? Was unterscheidet dein Label von anderen Labels?

Robert Kainar: Die Initialzündung, mein Label sowiesound zu gründen, war ein wunderbares Album, das ich mit der Münchner Band Cantarela aufgenommen habe. Die Spieldauer der CD war für meine damaligen Ansprechpartner zu kurz – ein Argument, das ich so nicht gelten lassen wollte. So entschloss ich mich, das Album selber zu veröffentlichen. In meinem Umfeld kamen dann rasch Kolleginnen und Kollegen auf mich zu, und so hat es sich ergeben, dass ich bis heute vierzig Produkte auf den Markt gebracht habe. Das besondere an meinem Label ist, dass ich berate, Mithilfe bei der Produktion anbiete und mein Netzwerk nutze, um beim Vertrieb der Tonträger behilflich zu sein, jedoch die Alben immer bei den Künstlerinnen und Künstlern und in deren Eigentum bleiben. Das ist sicher unüblich.

Du bist und warst Teil unzähliger Bandprojekte. Exemplarisch würde ich gerne auf ein paar aktuelle Veröffentlichungen eingehen. Wie ist es zum Beispiel zur Kollaboration mit dem Tiptons Saxophone Quartett aus Seattle (Washington), jetzt unter dem Namen Tiptons Sax Quartet & Drums gekommen? Heuer ist ja deren 14. (!) Album „Wabi Sabi“ auf deinem Label sowiesound erschienen. Welche Bedeutung hat denn der Begriff Wabi-Sabi aus der japanischen Philosophie für dich? Interessant ist ja auch die Geschichte der Namensgeberin Dorothy Lucille Tipton, die als Mann und unter dem Namen Billy Lee Tipton eine Karriere als Jazzpianist und -saxofonist erlebte.

Robert Kainar: Mit dem Tiptons Sax Quartet & Drums arbeite ich seit 2009. Ich habe davor schon  mit Amy Denio, der Bandgründerin, in einem Trio gespielt und ich bin für die Hälfte einer Europatournee eingesprungen. Es hat sofort gefunkt. Die Tiptons musizieren ja stilistisch sehr quer durch die Musikwelt, sind auch vier extrem unterschiedliche Typen und haben trotzdem immer ihren eigenen, unverwechselbaren Sound. Hier kam mir meine Erfahrung in den verschiedensten Musikstilen zugute. Schließich geht es da mal rockig, dann frei, mal swingig und auch punkig zu. Auch die Besetzung ohne Bass war für mich eine Herausforderung, mein Spiel und den Sound passend für das Saxofon-Quartett zu verändern. Der Titel unseres aktuellen Albums „Wabi Sabi“  ‒ im japanischen: die Schönheit des Unperfekten ‒ spiegelt sehr umfassend die Philosophie der Band wieder: Zum einen lebte die Namensgeberin Billy Tipton zeitlebens als Mann in einer zur damaligen Zeit für Frauen unerreichbaren Musikwelt und ist damit kompromisslos ihrer Passion gefolgt. Zum anderen gefällt uns allen der Ansatz, das Unperfekte, das Verletzliche, das Andere in seiner Schönheit wahrzunehmen und sogar hervorzuheben. Gerade in einer Gesellschaft, die dem Individuellen, Rohen, Ungeschliffen und Kantigem immer weniger Platz lässt.

„[…] LANGFRISTIG VIELLEICHT EIN FRIEDENSSTIFTENDER ANSATZ.“

Du bist auch auf der heurigen Veröffentlichung von Mulo Francel „Crossing Life Lines“ (GLM Music) zu hören. Ihr habt Anfang des Jahres ein gestreamtes Konzert gespielt. Anlass für dieses Projekt war auch „75 Jahre Frieden in Mitteleuropa“. Wo siehst oder erlebst du persönlich friedenstiftende Funktionen von Musik?

Robert Kainar: Musik ist eine globale Sprache. Wo immer Menschen zusammentreffen und ein Instrument spielen oder singen, entsteht Gemeinsames; unmittelbar, greifbar ohne Vorbehalte hinsichtlich ethnologischer oder religiöser Herkunft. Würden etwa Flüchtlinge an den sogenannten Außengrenzen ‒ wo immer diese auch sind ‒ von weniger Polizei und Militär empfangen werden, sondern von Musikerinnen und Musikern, die die Betroffenen in ihren musikalischen Traditionen abholen, wäre das ein erster Schritt zu einem gemeinsamen Verstehen-Lernen. Und langfristig vielleicht ein guter friedensstiftender Ansatz.

Du komponierst auch für das Ecce Theater und im Rahmen der Salzburger Festspiele. Was macht den Reiz am Arbeiten im Theater für dich aus?

Robert Kainar: Im Theater geht es um das Ganze. Da gibt es Text, Bühnenbild, Lichtstimmungen, vielleicht Tanz, Akrobatik und dann noch die Musik. Ich mag das Ganzheitliche. Es  hat für mich einen besonderen Reiz, mit Musik und Klang Teil einer Produktion  zu sein und Stimmungen zu unterstützen oder zu erzeugen. Oft lässt das Theater sogar mehr Platz für Experimente, weil die Musik ‒ aus dem theatralen Kontext gerissen ‒ so vielleicht gar nicht bestehen könnte.

Du engagierst dich für faire Honorare in der Kulturarbeit. Wo siehst Du nach wie vor Verbesserungsmöglichkeiten? Was hat sich seit deinem Beginn als Musiker zum Positiven gewendet?

Robert Kainar: Die Honorare in der Kultur scheinen eingefroren bis rückläufig. Die Diskrepanz zwischen Preissteigerung im Arbeitsleben eines Musikers, einer Musikerin ‒ von Bürobedarf über Marketing, Tourneekosten, Raummieten, Catering, Sozialversicherung, Instrumentenbeschaffung … ‒ zu den Gagen wird immer drastischer. Zudem brechen Lizenzabgeltungen der Öffentlich-Rechtlichen mit der Argumentation der Medienlandschaftsveränderung weg, die es irgendwo zu kompensieren gilt. Gleich verhält es sich mit den Tonträgerverkäufen und dem Download- und Streaming-Markt. Es fehlt einfach an einer politischen Ansage. Wie lange wird schon über ein Künstlersozialversicherungskonzept diskutiert; ohne Resultat. Wir Künstlerinnen und Künstler zahlen in Österreich einen enorm hohen Anteil an Sozialversicherung, Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil; ein Vielfaches verglichen mit etwa Frankreich. Zudem haben wir keine Möglichkeit, in die Arbeitslose zu gehen. Ebenso gibt es keine Regelung für Fortzahlungen eines Grundeinkommens für kreative Schaffensperioden. Verbesserung sehe ich am ehesten in der Informationsmöglichkeit für Förderungen, Stipendien, Auslandsaufenthalte, Ausschreibungen. Wir sind diesbezüglich in der Zeit vor dem Internet und entsprechenden Anlaufstellen oft im Dunklen getappt.

Wie sieht denn dein Kalender fürs nächste Jahr aus?

Robert Kainar: Bis Ende März wird ‒ so wie es aussieht – Corona-bedingt live nicht allzu viel  passieren. Danach ist der Kalender gut gefüllt, auch wenn ich noch das bunte Konzertleben über das Jahr verteilt vermisse. Viele Veranstalterinnen und Veranstalter sind immer noch in Abwarteposition. Momentan kann jeden Tag wieder alles anders sein. Aber ich bleibe optimistisch und zuversichtlich!

Herzlichen Dank für das Interview!

Michael Franz Woels

Link:
Robert Kainar
mica-Datenbank