„ZEIT IST FÜR JEDEN GLEICH?“ – INGRID SCHMOLINER IM MICA-INTERVIEW

Die aus Kärnten stammende Pianistin und Sängerin INGRID SCHMOLINER lebt und arbeitet als freischaffende Musikerin, Komponistin, Kuratorin (New Adits Festival) und Pädagogin in Wien. Als Dozentin ist sie in den Bereichen Jodeln, Obertongesang, Improvisation, Instant Composing und Erweiterte Spieltechniken am Klavier im In- und Ausland tätig. Sie spielt unter anderem in den Ensembles GRIFF (mit Emilio Gordoa und Adam Pultz Melbye), WATUSSI (mit Pascal Niggenekemper und Joachim Badenhorst), ELLEGGUA mit Elektro Guzzi oder in Duobesetzung mit Elena Kakaliagou in NABELÓSE und mit dem Drummer Hamid Drake. 2019 spielte sie ihr einstündiges Solostück für präpariertes Klavier und Verstärkung „MNEEM“ im WIENER KONZERTHAUS, ein Auftragswerk für WIEN MODERN. Auch heuer ist sie wieder mit einem Projekt vertreten. Gemeinsam mit dem Kontrabassisten ADAM PULTZ MELBYE kreiert sie mit halbautonomen Instrumenten in „TOWERING SILENCE“ eine sich dynamisch verändernde Klangumgebung. Die Software wird zu einem weiteren Protagonisten dieser Musik in Echtzeit.

ADAM PULTZ MELBYE sieht darin auch eine ethische Dimension: „In der westlichen Musik gab es historisch gesehen sehr klare Grenzen zwischen Komponierenden, Interpretierenden, Instrumenten und Maschinen, die oft kolonialistische, patriarchale und heteronormative Vorstellungen von Kunst und Gesellschaft propagierten.“ Er hält es für sinnvoll, solche Vorstellungen zu hinterfragen, indem er erforscht, „wie die Beschäftigung mit Instrumenten und Software auf weniger hierarchische Weise uns etwas darüber lehren kann, wie wir uns mit der Welt im Allgemeinen beschäftigen könnten oder sollten.“ Das ortsspezifische Werk der beiden Künstler*innen „TOWERING SILENCE“ erkundet durch zyklisch miteinander verbundene Prozesse zwischen Performenden, Instrumenten, Lautsprechern und Echtzeit-Klangverarbeitung „Anwesenheiten und Abwesenheiten“ in mehrdeutigen Klangspektren und -texturen. Michael Franz Woels traf INGRID SCHMOLINER, um im Gespräch über einen Konzertstall für Mensch und Tier, die musikalische Sozialisierung durch Radiohören und die Affinität zu Höhen nachzudenken.

Deine Konzertinstallation mit dem Kontrabassisten Adam Pultz Melbye für Wien Modern in den Kasematten des Palais Coburg nennt sich „Towering Silence“. Was kann man sich unter dem „Auftürmen von Stille“ vorstellen?

Ingrid Schmoliner: In meinen Arbeiten beschäftige ich mich sehr viel mit den „Räumen dahinter“. Mich interessiert das Wesen im Dazwischen. Wie funktioniert Transpersonalität? Wie arbeitet die Musik in den Räumen dahinter? Musik ist sehr stark mit (ur-)instinkthaften Zuständen gekoppelt ‒ sie ist ein starkes Element der Manipulation, in positiver wie auch negativer Hinsicht. An das Fenster der Titelfindungen für dieses Projekt ist der Name „Towers of Silence“ getreten. „Towers of Silence“ sind kreisrunde Aufbahrungsstätten in Persien. Oftmals beschäftigt sich der Mensch mit seinem Dasein in der ganzen Tiefe und dem Ungreifbaren, wenn er mit dem Tod in der direktesten Form konfrontiert wird. Aufbahrungsstätten sind Orte der Transformation, sie zeigen Wege des Vergehens, die Besinnung auf ihre Rituale.

Mit Wien Modern haben wir uns auf Raumsuche begeben und uns unterschiedliche Kirchen angesehen. Auf der Veterinärmedizinischen Universität hätte es einen interessanten Raum gegeben. Ich liebe ja Stallgeruch, im Allgemeinen ist er für mich etwas sehr Heimeliges. Aber nur, wenn es die Tiere dort gut haben und gut gefüttert werden.
Schließlich sind wir aber in den Kasematten des Palais Coburg gelandet. Dort ist uns dann die Idee gekommen, dem Publikum eine besondere Qualität des Zuhörens zu schaffen. Zur Auswahl steht nun das Sitzen um uns herum oder das Liegen auf Futons in etwas größerer Distanz zur Bühne.
Alles, was man an muskulärer Anspannung Energie und Konzentration verbrauchen würde, kann dabei ausgeschaltet werden. So kann man sich besser dem Moment hingeben. Wir haben glücklicherweise Alexander Yannilos für die Klangregie und Markus Wallner als tontechnischen Support, die beide das spezifische Arbeiten mit unterschiedlichen Raumakustiken gut beherrschen.

Kannst du mir bitte nochmal diese Art der Himmelsbestattung auf den „Towers of Silence“ etwas näher erläutern? Woher kommt das Interesse an diesem Thema?

Ingrid Schmoliner: Ich beschäftige mich sehr stark mit Gebirgsregionen. Ich bin in den Bergen aufgewachsen, ich mag diese Weite und habe eine starke Affinität zu diesen Höhen, zu dieser Vogelperspektive. Dort ist es für mich besser möglich, in eine Klarheit und Balance zu kommen. Über die Berge und ihre Rituale habe ich auch schon einmal einen Zyklus geschrieben. Mich hat die Figur der Percht in unterschiedlichen Mythen interessiert. In der Veröffentlichung „Stargazers“ mit dem Ensemble Watussi nehmen wir unter anderem Bezug auf eine zweimonatige Wanderung meines Kollegen Joachim Badenhorst auf der Hochebene Yushu in China. Er hat dort Himmelsbestattungen miterlebt. Bei den Himmelsbestattungen in Tibet liegen die Körper auf der Erde, bei den runden „Towers of Silence“ sind sie mit der Erde nicht mehr in Verbindung. Für das Album „Stargazers“ haben wir auch Field-Recordings von Kinderchören in Klöstern und Natur-Umgebungsaufnahmen von dieser Hochregion einfließen lassen. Einige Titel des Albums tragen auch Namen von Fallwinden, wie etwa „Jauk“ oder „Phonno“. Der Wind hat für mich mit dem Übergang vom Körper in den Äther oder in das Unbegreifbare zu tun.

Mich interessiert das Phänomen der Stille, um auf „Towering Silence“ noch einmal zurückzukommen. Absolute Stille gibt es in dem Sinn gar nicht, wir verstehen darunter eher eine Abwesenheit. Was bedeutet absolute Stille überhaupt? Könnte sie auch etwas sehr Angsteinflößendes sein? Oder könnte sie ‒ ganz von der anderen Seite ‒ durch das Gleichgewicht der Lebensströme „erfahrbar“ werden? Es ist eine Begrifflichkeit für etwas Unbeschreibliches, also die Beschreibung eines Zustandes, den wir als Menschen eigentlich nicht erfahren können.
Im Stück „Towering Silence“ werde ich mit einer Auswahl von Klavier-Samples, die extra dafür aufgenommen wurden, mit Stimme und Gesang, mit Live-Prozessoren und mit Stimm-Samples arbeiten. Die Software dazu wurde von Adam Pultz Melbye geschrieben. Er spielt mit Klang-Prozessoren und seinem FAAB, einem Feedback Actuated Augmented Bass, den er mit dem Isländer Halldór Úlfarsson entwickelt hat.

Ingrid Schmoliner (c) Elvira Faltermeier

Klingt nach einer spannenden Rückkopplungs-Seánce. Was hat es mit deinem Foto-Shooting mit der Fell-Kopfbedeckung auf sich, du wirkst wie eine Schamanin?

Ingrid Schmoliner: Das Foto ist schon zehn Jahre alt. Das ist ein echtes Fell von einem Steinschaf eines befreundeten Bauern, der in Norditalien Steinschafe züchtet. Musik kann etwas sehr Rituelles sein. Ich bin ja addicted to music. Wenn ich keine Musik habe, zum Beispiel in den Bergen ohne Internet, dann habe ich richtige Entzugserscheinungen. Und ich höre Musik querbeet, außer volkstümlichen Schlager, den finde ich krass ungut. Das ist keine narrative Form von einer gewachsenen Gesangskultur. Ich bin mit Radio Kärnten aufgewachsen, ich habe nie Ö1 gehört. Das ist schon sehr interessant, wie Menschen dann Dinge entscheiden und wie sie weitergehen. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, habe dort intensive, körperliche Arbeit leisten müssen und wurde dabei musikalisch von Radio Kärnten sozialisiert. Ich glaube, dass man einem Kind starke innerliche Interessen nicht so leicht abgewöhnen kann. Auch wenn du in deinem unmittelbaren Umfeld keine Möglichkeiten hast ‒ es kann einen Moment geben, wo sich etwas öffnet und dann sehr schnell alle weiteren Türen …

„ICH BESCHÄFTIGE MICH VIEL MIT TRANSPERSONALEN UND VERHALTENSTHERAPEUTISCHEN ASPEKTEN.“

Ich habe als Kind immer die Ö3-Hitparade studiert und die besten Hits auf Kassette aufgenommen. Als Kind und Jugendlicher konnte ich zum Beispiel Jazz immer nur wenige Minuten lang ertragen. Ich musste mir gewisse Hörgewohnheiten auch bewusst erarbeiten, mich dazu zwingen, Ungewohntes zu ertragen. Jetzt kann ich auch Freejazz-Fontänen genießen und konsumieren.

Ingrid Schmoliner: Ich finde unterschiedliche Werdegänge und auch Entscheidungen, die dazwischen gelegen sind, die Verbindungen zwischen Räumen, Körpern und Geschichten dahinter spannend. Sie können der Verortung von Resultaten dienen.

Schon vor zehn Jahren wurde deine Umtriebigkeit mit unterschiedlichsten Projekten deutlich. Wie hat sich das über die Jahre kollaborationstechnisch verändert?

Ingrid Schmoliner: Da fällt mir der Satz ein: Zeit ist für jeden gleich? Jeder hat gleich viel Zeit. Man lebt ja ständig in diesem Wenn-Dann-System. Ich versuche bewusst, in eine gewisse schaffende Achtsamkeit reinzugehen und beschäftige mich viel mit transpersonalen und verhaltenstherapeutischen Aspekten. Der Mensch an sich interessiert mich. Aber es ist viel spezifischer geworden, mit wem ich arbeiten möchte, was ich als Komponistin, als Improvisatorin und inhaltlich möchte.

Ein neues Projekt, auf das ich gerade sehr Lust habe, ist ELLEGUA mit Elektro Guzzi. Nächstes Jahr planen wir eine Veröffentlichung, die wir einspielen werden. Wir haben heuer beim Kultursommer Wien und bei Artacts gespielt. Für mich war das ein Highlight, richtiger „Rock-’n’- Roll“-Spass. NABELÓSE ist ein Duo mit meiner langjährigen Freundin und Kollegin Elena Margarita Kakaliagou. Wir planen 2022/23 zwei weitere Veröffentlichungen auf Vinyl auf Bohemian Drips und humand kind records. GRIFF ist ein Trio mit Adam Pultz Melbye und Emilio Gordoa – da ist unsere LP/CD gerade auf inexhaustible editions erschienen. Bei dem Label Klanggalerie ist soeben die Doppel-CD „awon ona“, mein Duo mit dem Drummer Hamid Drake, erschienen. Und nicht zu vergessen die Orgel und ich: Dahin zieht mich mein Interesse und 2023 wird eventuell eine Doppel-Vinyl mit einem Orgelsolo auf Thin Wrist Recordings erscheinen.

Ingrid Schmoliner (c) Marko Serafimovič

Ich habe versucht, herauszufinden, was dein intensives, repetitives Klavierspiel so charakteristisch macht. Ist es dieses tranceartige, maschinenartige?

Ingrid Schmoliner: Es sind viele Jahre Erfahrung mit der Präparation des Klaviers, mit Multi-Layering, mit diesen verschiedenen zeitlichen Ebenen. Als Improvisator musst du ja meiner Meinung nach noch präziser sein als ein Interpret. In diesen repetitive Klavierarbeiten trainiere ich ganz stark, das Davor und das Danach zu hören, und die komplexe Interaktion der Ebenen zu analysieren. Diese feinen unterschiedlichen Nuancen, das könnte keine Maschine … und ich denke es ist momentan nicht möglich, das zu programmieren. Das Training für das einstündige Solostück „MNEEM“ für Wien Modern 2019 war aufgebaut wie ein Sport-Training: Kompositionsphase erst offen, dann detaillierter; und dann Training, Training, Training. Bei diesem Training gehst du ‒ in diesem transzendenten Zustand des intensiven, konzentrierten Arbeitens ‒ durch verschiedene Erschöpfungszustände, und du musst den gesamten Körper mitnehmen und balancieren. Ein Zuviel an negativen Stressausschüttungen will ich nicht, ich will nicht in Angstmodulen gefangen bleiben. Sondern mich mehr mit dem Jetzt synchronisieren, in die Kreation, ins Erschaffen kommen. Um dadurch für mich neue Energie während dieser Arbeit zu bekommen und danach nicht ausgebrannt zu sein. In der Selbstständigkeit bist du ja in einem ständigen Überlebenskampf, und Körper und Geist kommen oft wirklich schwer zur Ruhe und in die Balance.

Adam Pultz Melbye @Photomusix (c) C. Marx

Das Vertrauen an die Selbstwirksamkeit ist wichtig …

Ingrid Schmoliner: Genau, Energie geht ja nie verloren. Meine positive Affirmation: Ich sehe mich als ein Geschenk, und versuche aus meiner Fülle zu schöpfen. Den Gedanken an die Selbstwirksamkeit musst du erst einmal richtig setzen, und da kann eine ritualartige Repetition durchaus hilfreich sein. Ich gehöre zu der Personengruppe, die intuitiv agiert und agieren möchte, da ich darin meinen inneren Kompass spüre, und deshalb liebe ich auch eine Form der Improvisation in meinem Leben. Bei „Towering Silence“ ist vieles komponiert, wir arbeiten mit einer Software, die Adam programmiert hat. Sein FAAB trifft über Feedback-Signale Entscheidungen, die Programme hören sich quasi selber zu. Ich kann zwischen verschiedenen Modi der Granulation wählen und arbeite mit Samples. Das bedeutet die Entscheidung im Moment und die Improvisation mit den Elementen, die dadurch entstehen, ist für Adam und mich reizvoll, da wir es schätzen, zu improvisieren. Zugleich ist uns aber ein starkes Formbewusstsein sehr wichtig.
Ich freue mich sehr, dass Adam die Fähigkeiten hat, diese Software zu programmieren und sich auch stark um die elektroakustischen Aspekte kümmert. Die letzten sieben Tage waren sehr intensiv, diese massiven Wellen des Arbeitsprozesses. Man hat kaum Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten.

Ich will den Leuten Lust auf das Leben, die Musik, das Atmen, auf den eigenen Rhythmus und das In-die-Fülle-und-Wertschätzung-Gehen, machen. Ich unterrichte auch deshalb so gerne Jodeln, da es mit all diesen Elementen korreliert! Ich wurde mit viel Energie geboren, wenn ich in einen Raum hineingehe, werde ich, auch wenn ich nichts sage, polarisieren. Man darf sich aber nicht verstecken, sondern man muss sich ‒ spätestens dann als Erwachsener ‒ den Platz geben, um das auszuleben. Sonst würde man körperlich und geistig verfallen und krank werden. Einen Konzertstall zu bespielen für Menschen und Tiere, das wäre ein Traum von mir. Als Kind wollte ich Musikerin und Bäuerin werden.

„EINEN KONZERTSTALL FÜR MENSCHEN UND TIERE, DAS WÄRE EIN TRAUM VON MIR.“

Glaubst du eigentlich an so etwas wie eine Seele?

Ingrid Schmoliner: Für mich gibt es so etwas wie eine Seele. In meinem Leben bin ich schon durch viele schwere Erfahrungen durchgegangen. Das gibt mir die menschliche und psychische Reife, um auf der Bühne mit meinem Körper „Musik tragen und transportieren“ zu können. Ich glaube an Transpersonalität. Menschen sind auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden. Wenn ich Musik mache, nehme ich ganz spezielle Segmente von mir und dem Publikum wahr. Dieses Lebbare, dieser Lustmoment kann ‒ in eine gewisse Form gebracht ‒ total entscheidend sein. Wir bestehen aus sehr viel Wasser, und wissenschaftlich nachgewiesen beeinflussen uns Frequenzen. Wie wir durch den Alltag gehen, wie die Welt durch uns durch geht, wo wir uns aufhalten, das wirkt sich auf sensible Menschen stark aus. Respekt und Lebenslust, Transzendenz, Bewegung und auch Ahnenarbeit, das sind die Parameter für die Einstellung zu meiner Arbeit. Für mich gibt es Kontakte zu anderen Ebenen, auch zu Verstorbenen. Das hätte ich vielleicht vor ein paar Jahren noch nicht öffentlich gesagt, aber ich bin mittlerweile der Meinung, dass jeder Mensch Ahnenarbeit machen sollte, um ein besseres Leben führen zu können. Ich bin katholisch erzogen worden. Als Kind haben mich Himmel und Hölle als Vorstellungen ständig begleitet. Zur Ablenkung bin ich dann aber lieber in den Stall gegangen, um die Tiere zu füttern. Am Ende erkennt man: Es gibt keine Sicherheit, Sicherheit ist eine absolute Illusion.

Auch Materie ist eine Illusion, man muss sich nur die Vorträge von Hans-Peter Dürr anhören. Bewusstsein und Verbundenheit erzeugen Wirklichkeiten …

Ingrid Schmoliner: Nur das Bewusstsein wird auch zu einer Evolution beitragen. Ich habe mir schon die Frage nach meiner Daseinsberechtigung gestellt. Diese Frage, was bedeutet Leben in der Essenz, die sollte sich jeder stellen. Jede Schaffenszeit hat in meiner Wahrnehmung Gezeiten.
Hast du Erfahrung mit Telekinese, Mindreading? Zu gewissen Menschen, die über den Erdball verstreut sind, habe ich eine besondere Herzensbindung und Affinität. Basierend auf dieser ist es mir möglich mental in Kontakt zu treten und wirklich ein Gespräch zu führen oder körperlich in Verbindung zu gehen.
Der Gedanke kommt vor der Emotion. Die pure Emotion ist Lebenskraft.

Beim gemeinsamen Improvisieren passieren ja in gewisser Weise telekinetische, psychokinetische Vorgänge, wenn du deine Mitspielenden zum gleichzeitigen Musizieren bewegst.

Ingrid Schmoliner: Wenn du beim gemeinsamen Musizieren den Raum öffnest, überschreitest du immer Grenzen. Ich freue mich auch schon auf das Konzert im November im echoraum mit GRIFF, also Adam Pultz Melbye am Kontrabass und Emilio Gordoa am Vibraphon.
Und was mir auch sehr am Herzen liegt ist NABELÓSE mit Elena Kakaliagou. In Kooperation mit dem Schweizer Label Human Kind Records planen wir in Norwegen Aufnahmen. Elena und ich sind schon seit über zehn Jahren befreundet, und ich würde mir wünschen, dass wir auch als alte Frauen noch zusammenarbeiten.

GRIFF (c) André Symann

Kommen wir noch einmal zurück zu „Towering Silence“. Wird es auch Textelemente zu hören geben?

Ingrid Schmoliner: Andrew Choate ist ein guter Freund, ein Schriftsteller der in LA wohnt. Er organsiert mitunter Veranstaltungen und macht die Radioshow „the unwrinkled ear“.
Ich schätze seine Arbeit und seinen Zugang. In der ersten Probephase von „Towering Silence“ im Sandleitenhof war er dabei, ich hatte ihn spontan eingeladen, da er zu dieser Zeit gerade durch eine Residency im Museumsquartier in Wien war. Für „Towering Silence“ hat er etwas aufgenommen, und ich werde nun Auszüge aus diesen Text-Samples mit seiner Stimme verwenden. Ein glücklicher Zufall, dass er stimmlich und inhaltlich bei „Towering Silence“ mitwirken wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Franz Woels

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Termine:
Wien Modern: „Towering Silence“

1. + 2. November 2021, 20.00 Uhr
Palais Coburg, Kasematten

GRIFF
Freitag, 5. November 2021, 20.00 Uhr
echoraum

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Links:
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Adam Pultz Melbye
Wien Modern