„Wir wollten eigentlich gar keine Band gründen“ – LOVE GOOD FAIL IM MICA-INTERVIEW

Sie beschreiben sich selbst als spät, autodidaktisch und naiv: Das Wiener Duo LOVE GOOD FAIL hat nicht den klassischen Karriereweg hinter sich. Dennoch haben Johanna Prechtl und Johannes Pobitzer nun mittlerweile ihr zweites Album unter dem Namen „Brief Romance“ veröffentlicht – und sind selbst ganz erstaunt darüber, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Katharina Reiffenstuhl hat sich mit den beiden zum Kaffee getroffen und über Arbeitsteilung, Genrefindung und die Reduktion der Band gesprochen.

Als allererstes würde ich gern wissen, was hinter eurem Bandnamen steckt. Wie ist der entstanden?

Johannes Pobitzer: Wir waren ja ursprünglich zu dritt. Wir wollten eigentlich gar keine Band gründen. Wir haben nur einfach nicht gewusst, was wir so machen sollen im Leben. Also dachten wir uns, wir machen ein bisschen Musik. Da waren wir eben sehr naiv, diese Naivität begleitet uns auch bis heute noch. Maria war damals die Einzige, die technisch Musik komponieren und auch nach Noten spielen konnte. Da ist dann mit der Zeit einfach was entstanden. Zu guter Letzt haben wir dann gemerkt, dass wir noch einen Namen brauchen. Wir haben aber absolut keine Ahnung gehabt. Dann haben wir beschlossen, dass jeder ein Wort aussuchen soll, das für ihn gerade so zentral in seinem Leben war. Es war ein bisschen ein Hin-und-Her-Würfeln mit Begriffen. Maria hat sich für Love entschieden, Johanna für Good und ich für Fail. Uns hat das dann auch gut gefallen im Sinne von „Wir lieben die gute Verfehlung”

Johanna Prechtl: Oder auch die einzelnen Begriffe, die nicht nur für unser Musikschaffen, sondern auch im Leben selbst essenziell sind. Man kann es vielseitig interpretieren, je nachdem, wie man es gerade lesen möchte. Wir sind da nicht streng.

Warum seid ihr denn mittlerweile nur noch zu zweit?

Johanna Prechtl: Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass wir nach wie vor beste Freunde sind. Die Lebenswelten haben sich einfach verändert. Maria ist aufs Land gezogen – aber sie bleibt immer unsere Verbündete. Aber natürlich war das dann ein Prozess für uns, weil wir uns gedacht haben „Ok, wir sind jetzt zu zweit, machen wir überhaupt weiter?”. Aus dieser Naivität haben wir dann gesagt, wir probieren es einfach und schauen, was rauskommt. So ist dann das zweite Album entstanden.

Bild Love Good fail
Love Good Fail (c) Florian Beiskammer

„DADURCH, DASS WIR DANN NUR MEHR ZU ZWEIT WAREN, HABEN WIR UNS WORTWÖRTLICH EIN BISSCHEN REDUZIEREN MÜSSEN“

Habt ihr euch wirklich nachts zum ersten Mal getroffen – wie der Name eures ersten Albums „We met at night“ vermuten lässt?

Johannes Pobitzer: Es hatte zumindest einen wesentlichen Hintergrund, deswegen haben wir auch diesen Titel gewählt. Johanna und ich haben uns beim Fortgehen kennengelernt, Maria und ich auch. Johanna hat dann Maria über mich kennengelernt. Ich glaube, das war schon irgendwo programmatisch.

Johanna Prechtl: Was beim Musikmachen dann sehr essenziell war, ist diese Vertrautheit. Wir haben uns einfach super gut gekannt und das war einfach ein Safe Space, den wir da geschaffen haben – vielleicht ist das eben genau durch diese Verbundenheit passiert.

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„Brief Romance“ ist jetzt euer zweites Album. Was ist denn an diesem anders als beim vorigen?

Johanna Prechtl: Ich würde sagen, dadurch, dass wir dann nur mehr zu zweit waren, haben wir uns wortwörtlich ein bisschen reduzieren müssen. Das wollten wir aber auch so. Wir haben uns dann neu orientiert und gesagt, dass wir ein bisschen von diesem Verspielten, Verschnörkselten und sehr Poppigen wegwollen. Dass man das einfach reduziert auf Beat, Stimme und Synths und etwas mehr in diese Club-Richtung geht. So ist das irgendwie entstanden.

Johannes Pobitzer: Es hat sich schon alles verändert eigentlich. Maria war weg und wir mussten einfach das ganze Setting ändern. Das hat uns sicherlich auch gut getan. Das ist für uns für die Ausführung auch zu zweit jetzt viel besser. Auch in der Clubmusik, da tun wir uns irgendwie viel leichter. Das Album ist ja noch nicht wirklich ein Club-Album, man hat immer noch Lieder, die noch einen Hauch von Pop in sich tragen. Aber die Richtung ist vorhanden und das war uns wichtig. Wir wollen mit den nächsten Liedern und Alben ganz in dieses Genre hinein. Es ist aber eben auch ein Weg dorthin. Wir mussten ja kompositorisch vieles neu lernen. Da sind wir irgendwie erwachsen geworden. [lacht] Das erste Album hatte vielleicht mehr stilistische Einflüsse, jetzt schränkt sich alles doch ein bisschen ein.

„DA KOMMEN WIR ANFANGS GENREMÄßIG AUS VERSCHIEDENEN ECKEN UND FÜHREN DAS DANN ZUSAMMEN“

Ihr habt ein sehr spezielles Zusammenspiel aus Vocals und elektronischen Instrumentierungen. Woher kommt das, gibt es da irgendwelche bestimmten Einflüsse?

Johanna Prechtl: Es ist echt cool irgendwie, wenn man solche Fragen gestellt bekommt, beginnt man erst einmal zu reflektieren. [lacht] Es ist bestimmt ein Einfluss da, aber den dann gleich zu greifen, ist schwierig. 

Bild Love Good Fail
Love Good Fail (c) Florian Beiskammer

Johannes Pobitzer: Unser musikalisches Material sind die Stimme und unsere technischen oder kompositorischen Fähigkeiten. Die konzentrieren sich dann auf die elektronische Musikproduktion. Das ist vielleicht in der typischen Clubmusik nicht so der Fall, da wird das ein bisschen anders gemacht. Wir haben dann versucht, aus diesem Material ein Endprodukt zu zaubern. Es gibt Lieder von Daft Punk oder von DJ Koze, die das ganz ähnlich anlegen. Wie sich das dann konkret zeigt, ist immer unterschiedlich. Es lag uns da aber schon diese Idee im Hinterkopf, dass Clubmusik mit Stimme kombiniert wird. Wir haben einige Vorbilder gehabt, aber auch nicht nur aus diesem Genre, glaube ich.

Johanna Prechtl: Ja total. Das ist ja das Interessante, weil ich von der Stimme her zum Beispiel andere Vorbilder habe. Vielleicht Lykke Li oder so, die mehr aus dem Pop kommt. Vielleicht ist es genau das, was sich dann ergibt. Da kommen wir anfangs genremäßig aus verschiedenen Ecken und führen das dann zusammen.

„ES IST MANCHMAL GAR NICHT SO LEICHT, AUS DER EIGENEN ARBEIT HERAUSZULESEN“

Die Kreativität spiegelt sich bei euch ja nicht nur in der Musik wider, sondern auch in den Musikvideos. Wie viel Arbeit steckt ihr da in die Konzipierung?

Johanna Prechtl: Das sind dann immer so Telefonate zwischen uns. [lacht] Der Johannes ist ein sehr kreatives Köpfchen, muss ich sagen. Er ist ja auch nebenbei an der Bildenden.Wir haben natürlich auch ganz liebe Menschen im Hintergrund, die uns da immer unterstützen. Es ist manchmal gar nicht so leicht, aus der eigenen Arbeit herauszulesen. Auch wenn ich Lyrics schreibe, weiß ich manchmal gar nicht, was ich gerade geschrieben habe, sondern muss es dann nochmal lesen und mir überlegen „Warte, was ist da eigentlich die Thematik?”. Dann ist es hilfreich, wenn jemand von außen draufschaut. Die Ideen für die Musikvideos entstehen dann eigentlich immer recht spontan. Wir machen sie auch immer ganz schnell. [lacht] Bei “Weekend” hatten wir auch das Glück, eine ganz tolle Schauspielerin – Safira Robens – an unserer Seite zu haben. Die hat dieses Gefühl von dem „Let’s go out” auch perfekt rübergebracht. Die anderen beiden Videos reduzieren sich eben auf uns, sind aber auch sehr spontan entstanden. 

Johannes Pobitzer: Wir haben schon immer eine Idee.

Johanna Prechtl: Ja, aber die entsteht immer sehr spontan am Telefon. Wir schicken uns da ein paar Konzepte hin und her.

Johannes Pobitzer: Man versucht schon, anhand des Textes sich etwas auszudenken. Aber weil wir halt alles DIY machen, gibt uns das natürlich irgendwo unsere Möglichkeiten vor. Das kann dann keine fette Produktion werden. Dadurch, dass man da eingeschränkt ist, wird es auch irgendwie einfacher, man muss sich da einfach selbst was zusammenzimmern. 

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Ist es als Duo generell schwierig, zu einem guten Endergebnis, mit dem alle zufrieden sind, zu kommen?

Johannes Pobitzer: Nein, eigentlich ist das nicht so schwierig. Johanna hat da einen sehr guten Fokus, ich nicht. [lacht] Sie weiß auch, wann der Punkt erreicht ist, wo das Lied gut ist. Sie hat auch immer eine Idee im Kopf, die sie sehr gut artikulieren kann. Ich hadere da immer ein bisschen. Wenn wir dann diskutieren, dann verlasse ich mich oft auf sie.

Johanna Prechtl: Ja, ich glaube das ist wirklich so. Aber es liegt vielleicht auch daran, dass ich zur Musik mehr Abstand habe. Der Johannes hat ja einen Großteil von dem Album von der Musik her gemacht und ich bin dann nur mit der Stimme gekommen. Dadurch betrachte ich das mehr von außen, vielleicht fällt es mir deshalb einfacher.

Das heißt, sind das Bereiche, die ihr wirklich trennt – einer singt und einer komponiert?

Johannes Pobitzer: Eigentlich schon. Zurzeit machen wir es so, dass ich einmal was bastle und Johanna kommt dann irgendwann und schaut sich das mal an. Wir diskutieren dann drüber. Sie hat dann aber immer noch das alleinige Stimmrecht. [lacht] Nein, ich mache meistens mal was und sie schaut es sich an, sollte es nicht passen, dann mache ich was Neues. Es ist leichter, weil ich sie dafür anfangs quasi nicht brauche und dann ganz flexibel dran arbeiten kann. Da kann ich dann auch problemlos eine ganze Nacht dran sitzen und sie muss nicht daneben sitzen und mir das Händchen halten. Wenn sie dann den Text dazu geschrieben hat, machen wir aber zusammen weiter. Da muss man dann schon noch ein bisschen modellieren, sonst hat man oft das Problem, dass die Stimme gegen die Musik kämpft. Also am Ende stammt das Gesamtergebnis von uns beiden.

Vielen Dank für das nette Interview!

Katharina Reiffenstuhl

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