„Wir sehen unsere Musik immer stark in Orten“ – NIHILS im Mica-Interview

Von einer kleinen Gemeinde in Tirol über Berlin bis in den Weltraum – die NIHILS haben bereits einen langen Weg hinter sich. Am 26.11. erscheint ihre neue EP „AM/PM Pt. 2 – Interplanetary Maze“, die mit einem spektakulären Release-Projekt den Vogel wortwörtlich abschießt: Mit einem Wetterballon haben Ramon Riezouw, Florian Nothegger und Thomas Lackner eine Kamera zusammen mit GPS-Trackern, Lautsprechern und Mikrofonen in die Stratosphäre geschickt – und dort die gesamte EP abgespielt und auf Video aufgezeichnet. Warum sie sich für eine Uraufführung in 36.000 Metern Höhe entschieden haben, erzählen die drei im Gespräch mit Katharina Reiffenstuhl.

Euer EP-Release ist ja doch einer der etwas anderen Art, würde ich jetzt mal behaupten. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen, einen Lautsprecher in die Stratosphäre aufsteigen zu lassen und dort die Musik abzuspielen?

Florian Nothegger: Das fängt eigentlich ganz vorne an, wie wir die Musik geschrieben haben. Es war so, dass wir uns freitags immer getroffen haben und gemeinsam Musik gemacht haben. In diesem Prozess hat sich dann schnell herauskristallisiert, dass es um das Thema Space geht und wir da auch wirklich schon sehr eingetaucht sind und uns dann quasi in diesen Freitag-Sessions mit diesem Thema auch regelmäßig befasst haben. Die Idee zum Launch war dann einfach die Schlussfolgerung nach der Fragestellung für uns, ob wir es irgendwie schaffen können, das auch für andere fühlbar zu machen, dass wir in dieser Welt sind. Das war dann irgendwie die logische Verbindung, die Musik so gut es geht und so weit oben wie möglich zu präsentieren, sodass man auch das Visuelle dabei hat. Uns war es einfach wichtig, dass die Musik dort stattfindet, wo wir sie immer gesehen haben.

Wie aufwendig war denn das Ganze, wie lange habt ihr das vorgeplant?

Florian Nothegger: Ich glaube, wir haben im Februar gestartet mit der Planung, das war dann aber natürlich nicht durchgehend. Es war schon viel Aufwand, aber eben auch ein schönes Projekt.

Hat sich das eurer Meinung nach gelohnt oder würdet ihr aus heutiger Sicht sagen, das hätte man auch einfacher releasen können?

Thomas Lackner: Ich glaube, für uns ist es super geworden. Es ist jetzt noch nicht released, also es kommt ja erst raus, aber allein schon die Bilder zu sehen und dann unsere Musik da zu hören, ist faszinierend. Wir haben ja wirklich Speaker gebaut und die Speaker dann wieder mit einem Mikrofon aufgenommen. Das heißt, wir haben den Originalsound von den 36.000 Metern Höhe und im Hintergrund die Erdkrümmung. Das war für uns, als das Ding gelandet ist, schon selber extrem nice zu sehen, etwas, wo man sagt “Wow”. In unseren Köpfen waren wir oft irgendwo im Space, als wir die Musik geschrieben haben, und das jetzt da noch im Kontext zu sehen ist natürlich noch viel besser. Deswegen war es uns das persönlich auch definitiv wert, das Projekt.

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Wie seid ihr generell auf das Space-Thema gekommen?

Thomas Lackner: Gar nicht. Wir haben eigentlich, wie der Flo vorhin gesagt hat, einfach Musik gemacht, ohne darüber nachzudenken, mit allen Freiheiten. Es hat sich dann eher so dahin entwickelt aufgrund der Pandemie, die damals sehr präsent war, mit den Lockdowns und so weiter. Man hat halt keine Möglichkeiten, weil man ja nicht reisen kann, man kann nicht raus, keine Freunde treffen. Man muss sich also irgendwo visuell hinbeamen. Dann hat das ganze Thema irgendwie gestartet, nach dem Motto “Wie weit kann man raus?”. Im Endeffekt sind wir ja dann ziemlich weit raus eigentlich. Und das hat sich dann immer weiter verstärkt, bis wir irgendwann dort waren, wo wir jetzt sind.

“Wir haben irgendwie nach etwas gesucht, wo das Digitale und die Natur zusammenhängen (…)”

Die EP “AM/PM Pt. 2” ist ja quasi eine Fortsetzung von Part 1, der letztes Jahr im August rausgekommen ist. Hat das bestimmte Gründe, dass ihr diese EP fortführen wolltet? Wie hängen die zwei Parts zusammen?

Ramon Riezouw: Also die Zusammenhänge sind unter anderem natürlich im Titel festgehalten. Wir haben uns ja vor zweieinhalb Jahren dazu entschieden, dass wir eher auf EPs gehen wollen und nicht auf Alben, weil wir einfach zeitbedingt und auch vom Workflow her besser mit EPs klarkamen. Grundsätzlich war die Idee schon, dass wir zwei EPs dann zusammenführen, aber wir können auch ganz ehrlich sagen: Bei der EP 2 haben wir uns eigentlich total treiben lassen. Wir sehen unsere Musik immer stark in Orten und wo die da irgendwie immer visuell stattfindet. Bei der zweiten EP hat uns das irgendwie auch komplett eingefangen, diese Idee, dass wir uns da gar nicht limitieren wollen oder uns jetzt nicht von der ersten EP irgendwelche Grenzen aufzeigen lassen. Das heißt, es war immer klar, dass wir zwei EPs machen, aber wir hatten auch nicht in der Hand, wo die zweite EP uns dann eigentlich hin verschlagen würde. So ist es einfach passiert, dass es dann in dem Fall Space war und wir das total cool fanden, weil wir in diesem Kontext noch nichts geschrieben haben. Das war für uns dann einfach voll spannend und hat sich irgendwie voll frisch angefühlt.

Das heißt, kann man da auch irgendwann mit einem Part 3 rechnen oder wars das jetzt erstmal?

Ramon Riezouw: Wir lassen uns alle überraschen, würde ich sagen. 

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Was bei der EP extrem auffällt, sind die zugehörigen Musikvideos, die alle einen sehr einheitlichen Stil haben. Die bestehen ja aus so pixeligen Leucht-Animationen, die an die Beats angepasst sind. Was war euer Gedanke hinter dieser visuellen Umsetzung?

Thomas Lackner: Wir haben irgendwie nach etwas gesucht, wo das Digitale und die Natur zusammenhängen, weil das die EP auch sehr stark vermittelt. Bei “I won’t be” zum Beispiel mit “man geht in den Wald rein, aber ist trotzdem im Space”. Das war für uns wichtig und ich glaube, das war uns auch so der erste Moment, wo wir gesagt haben “Wow, wir müssen mit diesem Künstler zusammenarbeiten”. Der hat so einen digitalen Garten erschaffen, wo man etwas Natürliches hat, das aber digital dargestellt wird. Er war natürlich auch sehr hooked von der Idee mit unserem Planeten, und dann haben wir gesagt “Okay, lass uns zu jedem Song so einen digitalen Planeten erzeugen”. Jeder Track hat da jetzt einfach sein eigenes System bekommen.

Sehr spannend sind ja auch die Anfänge eurer Musikkarriere, ihr seid ja auch vor längerer Zeit mal bei Der großen Chance aufgetreten. Ziemlich genau 10 Jahre ist das mittlerweile her, wie denkt ihr über diesen Auftritt heute, wenn ihr da zurückschaut?

Ramon Riezouw: Ich muss ganz ehrlich sagen, das ist so lange her, das fühlt sich wirklich schon an wie ein anderes Leben. Ich denke da absolut nie dran und ich glaube, den anderen geht’s genauso. Wir sind mittlerweile auf jeden Fall auf einer ganz anderen Schiene unterwegs, also um die Frage zu beantworten: Wir denken da gar nicht mehr dran zurück.

Auch der Sound der Nihils hat in den letzten Jahren ja ein paar Veränderungen durchlebt. Begonnen hat es eher so mit ganz klassischem Pop, heute geht eure Musik hauptsächlich in Richtung Indie oder auch Electronica. Wie ist diese Entwicklung zustande gekommen, war das bewusst oder eher unbewusst?

EP-Cover “Interplanetary Maze”

Florian Nothegger: Ich glaube, das war eigentlich keine bewusste Veränderung, sondern das bringt es einfach mit sich, wenn man gemeinsam seit sehr jungen Jahren Musik macht. Wir haben ja wirklich schon sehr früh angefangen, gemeinsam Musik zu machen und haben diese ganzen Entwicklungen auch immer gemeinsam gemacht. Das war super für uns, sich auch immer diesen Freiraum zu geben bzw. zu sagen “Es muss nicht klingen wie das zuvor”, damit es auch für einen selber spannend bleibt. Es hat schon sehr klassisch als Band mit einem Indie-Setup angefangen und hat sich dann mehr und mehr entwickelt, weil wir angefangen haben, auch selbst zu produzieren und uns noch mehr mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Man bekommt man auch einfach mehr Freiheiten dadurch. Außerdem wird man natürlich auch älter und denkt vielleicht auch ein bisschen anders übers Musik machen. Deswegen war diese Entwicklung so, wie sie ist, und alle Einflüsse die man hat, wie jetzt auch Berlin und so weiter, das nimmt man natürlich mit auf. 

Wieso habt ihr euch eigentlich dazu entschieden, nach Berlin zu ziehen?

Florian Nothegger: Wir haben damals an unserem Album geschrieben, in unserem kleinen Proberaum in Waidring, und mussten einfach irgendwie raus und haben uns gedacht “Okay, wir fahren für zwei Monate nach Berlin”. Dort oben haben wir dann auch unseren Produzenten für das Album kennengelernt und waren von der Stadt einfach geflasht, von der Kreativität, von den coolen Leuten, generell diesem Freiheitsgefühl. Das hat uns dann dazu bewegt, dass wir dort hingezogen sind.

Habt ihr mit der neuen EP in nächster Zeit irgendetwas in Richtung Tour geplant?

Florian Nothegger: Weltraumtour. [lacht] 

Ramon Riezouw: Nein, eigentlich noch nicht, einfach weil wir im Moment mal die EP releasen wollen und dann ganz entspannt mal gucken, wie es nächsten Sommer aussieht. Jetzt gerade ist ja auch nicht die beste Zeit, um die nächsten Monate vorplanen zu können.

Vielen Dank für das Interview!

Katharina Reiffenstuhl

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