„Wir nehmen uns bei der Kritik nicht selber raus!“: 5/8ERL IN EHR`N im mica-Interview

Das neue Album „Yes We Does“ wird nicht umsonst von den österreichischen Medien gelobt: Die Wiener Truppe 5/8ERL IN EHR‘N hat wieder eine kreative Mischung aus Jazz, Soul und Wienerlied auf eine Platte gebannt, ohne sich jedoch in eine der Kategorie-Schubladen stopfen zu lassen. Vielmehr haben sie ihre eigene Nische gefunden, in der sie wie Pioniere an cleveren Texten und deren Vertonung arbeiten. Max Gaier, einer der  beiden Sänger, sprach mit Anne-Marie Darok über Form, Inhalt und Hipster.

Wie habt Sie sich als Band gefunden?

Max Gaier: Viele Zufälle haben uns zusammengebracht. Über Sessions haben wir einander richtig kennengelernt. Hanibal Scheutz und Bobby Slivovsky waren gemeinsam in der Schule, ich wiederum habe mit Hanibal studiert. Miki Liebermann war die Bandkollegin meines Klavierlehrers. In Wien haben wir über die Musik zusammengefunden, denn Musiker kennen sich untereinander meistens.

Kommen Sie alle aus Wien, weil es in den Medien immer heißt: „Die Wiener-Band…“

Max Gaier: Nein, die Miki ist die einzige Wienerin. Ich bin aus Oberösterreich und die restlichen drei sind aus Niederösterreich.

Wo liegen Ihre Gemeinsamkeiten und wo unterscheidet Sie sich sehr voneinander?

Max Gaier: Ich glaube, dass wir eher menschlich mehr Gemeinsamkeiten haben, denn für mich setzt sich unsere Band aus fünf Menschen zusammen und nicht unbedingt aus ihren Instrumenten und Aufgaben. Wir könnten also auch eine ganz andere Besetzung haben, wenn wir andere Musikinstrumente spielen würden.
Unsere Gemeinsamkeiten liegen vor allem darin, dass wir uns alle gern mit dem Lied als solches und dessen Form und Inhalt beschäftigen. Jeder von uns hat einen Anspruch an sich selbst und an unser Projekt.

Arbeitet Sie alle gleichermaßen an den Texten und der Musik oder herrscht eine strikte Rollenverteilung?

Max Gaier: Bei den Texten ist es schon so, dass Slivo und ich sie meistens schreiben. Aber es gibt immer mehr kleine Arbeitsgruppen, die aus zwei oder drei von uns bestehen. Denen kommt eine Idee, die in dem kleinen Kreis ausgefeilt wird und dann arrangieren wir den Track zu fünft. Bei uns ist das Arrangieren sehr wichtig, da wir eine Instrumentierung haben, die auf einer grundsätzlichen Idee basiert. Das Komponieren passiert also wirklich im kleinen Kreis. Von Lied zu Lied kann es aber variieren, da gibt es DAS Rezept.

„Für mich setzt sich unsere Band aus fünf Menschen zusammen und nicht unbedingt aus ihren Instrumenten.“


Bei den Beatles war es ja grob gesagt so, dass Paul McCartney und John Lennon die meiste Textarbeit geleistet haben, aber auch George hat mal einen Song geschrieben. Ist das bei Ihnen auch so?

Max Gaier: Ja, auf jeden Fall! Gutes Beispiel dafür ist das „Alaba“-Lied. Die Idee war an sich von Clemens Wenger, der natürlich einen großen Text-Input damit gegeben hat. Und auch Hanibal hat schon mal einen Satz beigesteuert. Also es ist nicht so, dass nur ich Text mache und sonst niemand, aber es gibt sogenannte Kompetenz-Zentren. Jeder Text muss durch Slivo und mich durch, weil wir das dann auch singen müssen.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie auf Deutsch beziehungsweise auf Österreichisch singen?

Max Gaier: Ja, das war schon klar. Wir wollten von Anfang an eigene Texte schreiben und da wir nicht so gut Englisch konnten, wollten wir auch nicht in der Sprache schreiben. Das war eine ziemlich pragmatische Entscheidung – weder richtig noch falsch, es geht schlicht nicht anders. Englische Texte würden bei uns sehr peinlich sein.

Was bringt Ihrer Meinung nach andere junge österreichische Bands dazu, auf Englisch zu singen, auch wenn sie vielleicht selber nicht so gut darin sind?

Max Gaier: Ich habe eigentlich das Gefühl, dass gerade einige junge Bands Deutsch singen. Viele trauen sich zu, gleich verstanden zu werden. Ich finde das ganz gut und denke, dass viele die auf Englisch singen sich das gar nicht zutrauen.

„Englische Texte würden bei uns sehr peinlich sein.“

Ganz andere Frage: Im Titel des Albums „Yes We Does“ steckt ein ominöses „Wir“. Wer ist damit gemeint?

Max Gaier: Das „Wir“ im „We“ hat zwei Bedeutungen. Auf der einen Seite sind das wir, 5/8erl in Ehr‘n. „Yes We Does“: Ja, wir machen Musik und eine neue Platte! Und auf der anderen Seite ist das ein Textzitat aus dem Alaba-Text und da meint es uns Österreicher und Österreicherinnen, die genauso wenig Englisch können wie wir, 5/8erl in Ehr‘n. Wir nehmen uns ja bei der Kritik nicht selber raus!

Hat der Fauxpas vom Tiroler Landeshauptmann Günther Platter wirklich den Ausgangspunkt für den Alaba-Song geliefert? Oder haben sich im Laufe der Jahre kleine Ereignisse angesammelt, die sich jetzt zu einem Song verdichtet haben?

Max Gaier: Eigentlich haben wir auf jedem Album ein Fußball-Lied drauf und da haben wir uns gedacht, wir könnten einen Alaba-Song schreiben. Es wäre uns aber zu einfach gewesen, ihn einfach nur in den Himmel zu loben, weil: Dass ihn alle lieben, hat einen fahlen Beigeschmack. Es ist viel Heuchlerei am Weg. Es hat sich dann einfach diese Frage gut angefühlt, wie es dem Alaba eigentlich mit dem geht, dass er von allen geliebt wird in diesem Land. Die weiteren Textzeilen sind dann über Assoziationsketten zusammengetragen worden.

Der „Alaba“-Song sticht mit seinem aktuellen Thema und dem satirischen Video heraus, so dass natürlich einige Aufmerksamkeit darauf gerichtet sein wird. Ist dieser Song ein wichtiger Meilenstein in Ihrer Bandkarriere oder lehnen Sie es im Allgemeinen ab, über Songs definiert zu werden?

Max Gaier: Ich mag ja vor allem den Spruch: „Am Ende macht alles Sinn.“ Das ist für mich als Künstler total wichtig, denn ich identifiziere mich überhaupt nicht über unsere Hits. Wir haben mittlerweile an die 60 Lieder gemeinsam und ich finde schon, dass man uns über unser gesamtes Werk definieren muss. Dass dies in der Rezeption nicht so ganz passiert, liegt an dem ganzen Geschäft. Mit dem darf man sich als Künstler aber auch nicht so beschäftigen. Im Endeffekt ist es schade für die, die uns nur über einen Song rezipieren, aber für mich persönlich nicht.

In Lied „Der Totale Sommerhit“ kommt meiner Meinung nach ein bisschen Hipster-Kritik rüber. In Wien scheint dieses Wort ja schon seit einiger Zeit ein Unwort zu sein. Warum sind denn Hipster so böse?

Max Gaier: Das Schlimme an Hipstern – schlimm unter Anführungszeichen – ist, das es einfach immer fad ist, wenn Style before Content gilt. Mode birgt einfach diese Gefahr in sich, dass die Form, also der Style, wichtiger ist als der Inhalt. Das ist die Hipster-Kritik, die man anwenden könnte. Weil wurscht in welcher Modebewegung du dich bewegst, kann es passieren, dass sich das Ganze verselbstständigt und kein eigenständiges Denken mehr dahinter ist.
Es ist aber interessant, dass da eine Hipster-Kritik rausgehört wird. Es kommt zwar schon die Zeile „Ich bin ein echter Hipster“ vor, aber das haben wir nicht direkt als Kritik gemeint. Eigentlich wollten wir einen Sommerhit aus der Ich-Perspektive sprechen lassen. Wir haben uns überlegt, wie es dem Sommerhit gehen könnte, wenn er auf die Welt kommt. Wir glauben, dass er recht burnout-gefährdet ist und wenn er eine Seele hätte, würde es ihm sicher nicht so gut gehen. Der Sommerhit bekommt sogar von der Form oder Figur her immer nur die vierte oder fünfte Stufe, was auf die Dauer sehr fad sein kann. Aber Hipster-Kritik gefällt mir eigentlich eh auch gut!

„Ich mag ja vor allem den Spruch: Am Ende macht alles Sinn.“

Sie haben jetzt öfter Form und Inhalt erwähnt, könnten Sie diese Begriffe ein bisschen näher beschreiben?

Max Gaier: Zum Beispiel beim Sommerhit kommen im Refrain eigentlich immer dieselben Akkorde vor und auch der Refrain an sich wird oft wiederholt. Am Schluss haben wir sogar eine Modulation eingebaut, was wahrscheinlich eines der peinlichsten Dinge ist, die in der Pop-Geschichte passieren. Wenn einem nichts einfällt kann man halt noch immer modulieren. Da geht’s also eher um die musikalische Form und nicht um die textliche. Es ist schön, wenn man nicht nur textlich einfangen kann, was für uns ein Sommerhit ist, sondern dies auch musikalisch unterstützen kann.

Ich finde, dass das Album ein klassischer Grower ist, will heißen, bei jedem Mal Hören gefällt es einem besser, weil man auch mehr vom Inhaltlichen versteht. Haben Sie sich bei der Reihenfolge der Songs etwas überlegt?

Max Gaier: Ja und deswegen würde ich den Leuten, die Lust haben, sich das anzuhören auch empfehlen, sich die Zeit zu nehmen und das Album von vorne bis hinten durchzuhören. Wir möchten die Zuhörer auf eine musikalische, aber auch inhaltliche Reise schicken.
Für uns ist es auch immer ein rechter Spaß, die Reihenfolge der Songs zu bestimmen. Im Endeffekt ist das wie bei einem Konzert, das ich auch als eine Art Zeremonie empfinde. Ein Konzert sollte einen Bogen haben und deswegen hat unser Album auch einen.

Anne-Marie Darok

Fotos 5/8erl in Ehr`n: Klaus Pichler

http://www.5achterl.at/