Cafe Olga Sanchez (c) Michael Kofler

„Wir können alles spielen, worauf wir Lust haben“ – DAVID WEDENIG und JEROME GOGER (CAFÉ OLGA SÁNCHEZ) im mica-Interview

Von ihrer Sommer-Tour 2018 hat die Band CAFÉ OLGA SÁNCHEZ ein neues Video mitgebracht. Heuer feiert die Band ihr zehnjähriges Jubiläum und am 30. November gibt der Schlagzeuger sein Abschiedskonzert im Rahmen der LANGEN NACHT DER WELTMUSIK in der Wiener SARGFABRIK – es besteht also Gesprächsbedarf. Jürgen Plank sprach mit DAVID WEDENIG und JEROME GOGER.

Wie kam Ihre Mischung aus verschiedenen Musikstilen wie Samba und Klezmer zustande?

David Wedenig: Das hat sicher mit den Bandmitgliedern zu tun, die teilweise einen Lateinamerikabezug haben. Uns gefällt aber auch osteuropäische Folklore. Die war damals in Wien sehr präsent.

Als Sie die Band vor zehn Jahren gegründet haben?

David Wedenig: Genau. Ich habe Klezmer und Gypsy-Sachen eingebracht und Jerome und andere haben viel vom lateinamerikanischen Background mitgebracht, weil sie dort waren. Es klingt manchmal schon heterogen, aber als Band sind wir in der Musik schon immer zu erkennen, da gibt es einen Kern.

Jerome Goger: Grundsätzlich war es so, dass es relativ wenig Tabus gab. Wir können alles spielen, worauf wir Lust haben. Wenn wir gerade Lust auf Reggaeton haben, dann spielen wir das. Wenn wir Lust auf Metal haben, dann bauen wir einen Metal-Teil in einen Song ein.

Cumbia und Forró sind wohl mit die tanzbarsten Musikrichtungen, die man spielen kann. Wie sind diese Richtungen in die Band gekommen?

Jerome Goger: Ich war zweimal jeweils für ein halbes Jahr in Brasilien und bin eigentlich nach Wien gekommen, um Dolmetsch für Portugiesisch zu studieren. Davor war ich auch schon in Kuba und in Argentinien unterwegs und ich spreche auch Spanisch. Auch Sprachen habe ich viel über Liedtexte gelernt, denn Musik ist einfach prägnant und ausdrucksstark, wenn man ein Land kennenlernen will.

„Zu einem Konzert von CAFÉ OLGA SÁNCHEZ zu gehen, ist eine sehr ökologische Art, Flugkosten einzusparen.“

Kommt auch die Latino-Community in Österreich zu Ihren Konzerten?

Cafe Olga Sanchez (c) Michael Kofler

David Wedenig: Nur teilweise, da sind wir fast schon zu schräg. Da wir zu wenig berechenbar sind, ist es schwierig, die Band in ein Genre zu stecken. Das verringert auch ein wenig den Hörerkreis und öffnet ihn gleichzeitig. Unser Publikum ist sehr gemischt, es hat sich aus Studentenkreisen in alle möglichen Richtungen entwickelt. Es sind Leute, die gerne tanzen und sich austauschen wollen, die irgendwie eine Freiheitsliebe haben. Und es sind auch Leute, die Interesse an exotischen Musikstilen haben. Zum Teil spielen wir schon in Latino-Locations wie dem Fania, diese Locations sind uns schon sehr nah.

Jerome Goger: Es sind auch Leute bei unseren Konzerten, die vielleicht schon in Lateinamerika waren und dadurch eine gewisse Sehnsucht haben, die bei einem Konzert ein wenig gestillt wird.

David Wedenig: Die Weltreise in eineinhalb Stunden. Zu einem Konzert von Café Olga Sánchez zu gehen, ist eine sehr ökologische Art, Flugkosten einzusparen.

Haben Sie schon in Lateinamerika gespielt?

Jerome Goger: Wir haben tatsächlich einen Ausflug nach Brasilien gemacht und haben dort gespielt. Da war nicht die ganze Band vor Ort, wir waren zu fünft und ein Freund von mir hat an der Universität in São Paulo ein Konzert für uns organisiert.

Wie war das?

Jerome Goger: Es war schon etwas Besonderes, dort zu spielen, wo viel von unserer Inspiration herkommt.

Sie singen auch mal eine Cumbia in deutscher Sprache. Wieso?

Jerome Goger: Die Texte schreibe ich so, wie es gerade passt. Ich versuche aber schon mehr als früher, auch deutsche Texte zu schreiben, weil ich auch ein Publikum erreichen will, das nicht Spanisch oder Portugiesisch kann.

„Ich werfe in einem Text oft verschiedene Eindrücke zusammen.“

Die „Cumbia de la verdad“ auf Ihrer aktuellen CD kam mir wie ein Märchen vor.

Jerome Goger: Ich werfe in einem Text oft verschiedene Eindrücke zusammen. So wie wir auch verschiedene Musikstile zusammenwerfen.

Wohin hat Sie die Tour geführt?

David Wedenig: Die Tour hat uns nach Norditalien und in die südfranzösischen Alpen geführt. Von der Tour haben wir ein Video zu „Cumbia de la verdad“ mitgebracht, das wir in einem friulanischen Bergdorf gedreht haben.

Was tut sich aktuell bei Ihnen?

Jerome Goger: Unser Schlagzeuger wird die Band verlassen. Wir werden noch einen gemeinsam Gig am 30. November spielen, und zwar bei der Langen Nacht der Weltmusik.

David Wedenig: The last chance!

Jerome Goger: Ja, genau, lasst euch das nicht entgehen! Das letzte Konzert mit David Samuel Strobl. Wir werden also ein neues Bandmitglied suchen, weil es uns schon wichtig ist, dass wir Schlagzeug und Percussion dabeihaben. Dann wird man weitersehen. Wir haben ein neues Video und wir haben auch viele neue Songs. Wir haben genügend Lieder für ein neues Album und würden auch gerne wieder ins Studio gehen.

David Wedenig: Wir machen seit zehn Jahren alles selbst und das merkt man sicher auch. Wir stehen als Band immer wieder vor dem Schritt, mehr zu spielen und auch im Ausland gebucht zu werden, sodass das professionell läuft. Dort stehen wir jetzt wieder. Es ist also sehr spannend, wo wir mit der Band hingehen werden. Denn irgendwann stellt sich die Frage, ob man davon leben kann. Wie viel Geld kriegt man heraus und wie viel Zeit gibt man hinein? Nicht weil man jetzt unbedingt reich werden will, sondern weil man es sich sonst einfach nicht leisten kann, so viel Zeit zu investieren. Booker, please, be welcome! 

Jerome Goger: Alles selbst zu managen ist viel Arbeit.

David Wedenig: Wir müssen uns die Frage stellen, wo wir hinwollen. Es ist ja nicht gesagt, dass man eine international spielende Profi-Band sein muss. Dafür muss ohnehin eine Welle kommen, die einen trägt.

Was würden Sie statt der Musik machen?

David Wedenig: Ich würde sicher weiterhin Musik machen. Die meisten von uns haben ja auch noch andere Projekte, ich habe noch ein weiteres Projekt. Ich unterrichte an einer Schule und habe dort ein Soundlab. Jeder von uns wird seine kreative Energie weiterhin für die Musik verwenden, das geht gar nicht anders. Olga ist jetzt an einem guten Punkt. Es ist eigenartig, jetzt eine Krise zu haben, denn eigentlich waren gerade die Weichen gestellt, um auf das nächste Level zu gehen.

Jerome Goger: Was es auf jeden Fall im Frühjahr 2019 geben wird, ist eine Café-Olga-Sánchez-11-Jahres-Party mit möglichst vielen der aktuellen und ehemaligen 21 Bandmitgliedern.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

 

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