Bild Paul Jets
Paul Jets (c) Freyya Tuppy

„Wir haben nicht prinzipiell was gegen Kommerz in der Popmusik, aber wir sehen uns nicht dort“ – PAUL BUSCHNEGG (PAULS JETS) im mica-Interview

Alternative Hits für eine unsichere Zukunft; fabriziert im Kinderzimmer eines jungen Wieners. PAUL ist eine Sphinx, seine Band, die JETS, ein loser Haufen junger Querdenker. XAVIER, ROMY und PAUL möchten „Musik machen für den Funken zweier Menschen oder für drei oder für hundert … für die Liebe zum Anderssein, fürs Nicht-mehr-Mitmachen, fürs Tschüss-Sagen und fürs Gehen. Ob auf einer politischen Veranstaltung oder in der U-Bahn auf Handyboxen! Auch wenn das jetzt kitschig klingt, es ist schon genug recht fad und öde und furchtbar, die Musik muss verrückter sein in dieser Stadt und wir möchten crazy sein und uns weinend in die Arme fallen.“ Mit Julia Philomena sprach Frontmann PAUL BUSCHNEGG über den Mond, den Weltraum und ein lachendes Publikum.

Paul Buschnegg: Ich wollte verrückte Musik machen, die mich berührt und gleichzeitig rausreißt, in die man versinken kann und wo im nächsten Moment aus den Wolken  rücklings in den Weltraum fällt. Xavier und ich kommen aus einem klassischen Bandkontext, den ich verlassen musste, um mich vom konventionellen Sound zu lösen. So habe ich lange mit dem Computer experimentiert. Aber auch das ist bald fad geworden. Schließlich habe ich wieder in eine Bandarbeit zurückgefunden. Mit Xavier habe ich ein Jahr lang Computersongs, auf E-Gitarre und Drums reduziert, in den Gürtellokalen gespielt und obwohl ich Punkmusik nie richtig mochte, war es ein bisschen so. Aber auch das hatte sich bald zu Ende erzählt. Jetzt spielen wir zu viert. Romy, Xavier, der Computer und ich. Wir nennen uns die Jets.

Pauls Jets heißen Pauls Jets, weil? 

Paul Buschnegg Weil ich mal ein Stirnband hatte auf dem „jet on“ stand. Das war eine gute Zeit. Aber es gibt auch einen Song von Blur, der „Jets“ heißt, ich glaube, das ist der Grund, warum ich den Songs so gut fand.

Wenn Sie ein Motto haben müssten, welches wäre das? 

Paul Buschnegg Keines. Oder das Motto, jedes Motto zu verwerfen. Mottos sind gut, aber wir sind Freunde der Inkonsequenz.

Gibt es einen wichtigen Einfluss? 

Paul Buschnegg Es gibt schon viele Einflüsse, ich bin sehr leicht zu beeinflussen. Ich wuchs auf mit Sachen wie Beck, Andre3000, Blur, aber auch Norah Jones und Wir sind Helden. Auch wenn ich das nicht mehr oft höre, denke ich, dass das so etwas wie „klassische“ Musik ist. Xavier und Romy sind riesige Beatles-Fans. Ich finde die Beatles ganz okay, aber habe emotional nicht so eine Verbindung.

Inwiefern spielt Wien eine Rolle für die Musik? Beziehungsweise inwiefern würden Sie sich – abgesehen vom Singen in deutscher Sprache – als österreichische Band beschreiben?

Paul Buschnegg Klar, alles bezieht sich auf alles, ohne einen Money Boy, einen Nino oder eine Mavi Phoenix würden wir es anders machen. Wir sind auf der einen Seite in einer Tradition, in einem ständigen Netz aus Akteurinnen und Akteuren und Handlungen, FM4, Wien, Österreich, dem deutschsprachigen Raum und der ganzen Welt, auf der anderen in der Vergangenheit, in den 1960ern und 2000ern. Das sind alles Kosmen und jeder Kosmos färbt in gewisser Weise auf uns ab. Wir sind in Wien und es ist 2018, gleichzeitig kennen wir Musik aus Köln oder Detroit. Wahrscheinlich würden wir in Aachen oder in Eisenstadt oder in Hamburg etwas anders klingen. Also ja, obwohl es sich blöd anhört, ein bisschen sind wir tatsächlich von hier, also nichts wie weg [lacht].

Welchen Zugang haben Sie zur Musik? Ist Ihnen Perfektion in Hinblick auf die Instrumente wichtig? Sind Sie eine DIY-Band? Stehen die Texte im Vordergrund? 

Paul Buschnegg Wir sind eine DIY-Band. Ich bin von Technik, unterschiedlichen Kabeln usw. begeistert. Oft könnten wir sie aber auf den Mond schicken.

Welchen Stellenwert hat die Politik? Inwiefern würden Sie sich musikalisch und parteipolitisch engagieren? Wo ist die Grenze? 

Paul Buschnegg Klar ist unsere Musik politisch. Es geht ja um die Revolte zu zweit. Wir machen nicht Musik für uns, nicht als Therapie oder um uns zu spüren, wir möchten Musik machen für den Funken zweier Menschen oder für drei oder für hundert … für die Liebe zum Anderssein, fürs Nicht-mehr-Mitmachen, fürs Tschüss-Sagen und fürs Gehen. Ob auf einer politischen Veranstaltung oder in der U-Bahn auf Handyboxen! Auch wenn das jetzt kitschig klingt, es ist schon genug recht fad und öde und furchtbar, die Musik muss verrückter sein in dieser Stadt und wir möchten crazy sein und uns weinend in die Arme fallen. Auch Hate gehört dazu und wir „haten“ die Langweiligen, die Starken, Selbstbewussten und natürlich die Leute, die sagen, dass es früher besser war.

Ist der kommerzielle Erfolg Ihr Ziel oder Ihre größte Angst?

Paul Buschnegg Wir haben nicht prinzipiell was gegen Kommerz in der Popmusik, aber wir sehen uns dort nicht. Wir reagieren genauso auf einen neuen Justin-Bieber-Song wie auf ein neues Sterne-Album.

Paul Jets
Paul Jets (c) Freyya Tuppy

„Schön ist es, wenn die Leute lachen.“

Was wollen Sie erreichen beziehungsweise welche Reaktionen wollen Sie gerne im Publikum sehen? Verlangen Sie eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit oder Ironie? Oder stören Sie betrunkene, tratschende, den Hedonismus feiernde Partygäste nicht? 

Paul Buschnegg Gute Frage. Eigentlich ist es uns recht egal. Ich mags nicht so gern, Leute zu motivieren. Wenn jemand das Konzert sehen will, ist es toll, wenn jemand tanzen will, ist es auch toll. Wirklich schön ist es, wenn es Reaktionen gibt. Schön ist es, wenn die Leute lachen.

„Üben üben üben“ ist quasi der Sommerhit 2018 auf FM4. Warum, denken Sie, funktioniert die Nummer so gut?

Paul Buschnegg Im Leben geht es oft um Ziele, Ertrag, Gewinn, Verlust, Risiko, Anfang, Ende. Üben ist eigentlich das Gegenteil. Üben ist der Safe Space, der Turnsaal, das Schultheater, der Leichtsinn und der Wachtraum. Ich weiß nicht, ob wir viele erreicht haben. Auf jeden Fall vielleicht ein paar! Das ist cool. Es ist aber auch so, dass viele das Lied nicht mögen. Aber das ist auch cool.

Generell zu den Texten: Kann man sie bisschen als subtil bzw. als philosophisches Tagebuch verstehen?

Paul Buschnegg Oft schnappe ich Sätze auf und dann entsteht ein Song daraus. „Üben üben üben“ zum Beispiel habe ich auf einem Zettel gelesen und dann lief ich sofort zum Keyboard und nahm es am Handy auf. Ein anderer Song heißt „Ich komm in den Park“ und das ist auch ein Song von Money Boy und ein anderes Lied wiederum „Alles Gute zum Geburtstag“, da weiß ich nicht mehr, wie es dazu kam.

Gibt es ein Lied, das besonders wichtig für Sie ist? 

Paul Buschnegg Oft ist das letzte Lied am wichtigsten und am schönsten.

Es kommt ja bald ein Album. Wie wird es dann weitergehen? Was wünschen Sie sich?  

Paul Buschnegg Bald kommt das erste und neueste Album. Es wird ganz okay, vorgestern haben wir dem Album mit Fuzzman [Herwig Zamernik; Anm.], der mitproduziert hat, den letzten Schliff verpasst und ich bin beim Anhören ein paar Mal fast eingeschlafen – aber es war auch schon sehr spät.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Julia Philomena

 

mica – music austria verlost für das DJ-Set der Pauls Jets am 03.11.2018 im The Loft 2×2 Freikarten!

 

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