„Wir haben bei diesem Album schon sehr viel ausprobiert.“ – KARDINATOR im mica-Interview

Mit dem Rapper KARDINAL KAOS und dem Beatproduzenten ALLIGATORMAN haben sich unter dem Namen KARDINATOR zwei der umtriebigsten Exponenten der heimischen Hip-Hop-Szene zusammengetan, um gemeinsam ihre eigene Vorstellung von einem Hip-Hop-Sound zu verwirklichen. Mit „Rasenmäher“ (Honigdachs) ist vor Kurzem nun das Debüt erschienen. Und was man von den beiden erwarten durfte, liefern sie auch. Bärenstarke Nummern mit leichter Old-School-Schlagseite, ordentlichem Flow, lässigen funky Beats und einem wirklich hohen Grad an musikalischer Abwechslung. Im Interview mit Michael Ternai erzählen die beiden, wie es zu ihrer Zusammenarbeit gekommen ist, dass man viel ausprobiert hat und warum es beim Mostviertler Dialekt geblieben ist.

Was mir an eurem Album „Rasenmäher“ besonders gefällt, ist, dass es im Sound doch auch etwas oldschool daherkommt. Hattet ihr das im Sinn? 

Kardinal Kaos: Ich glaube, das hat sich einfach so ergeben. Unser Background ist eben dieser Stil. Wir sind mit dem Hip-Hop und Rap früherer Tage aufgewachsen, so gesehen, überrascht es mich jetzt nicht wirklich, dass unser Album in gewisser Weise so geworden ist.

Alligatorman: So arbeiten wir halt. Und ich produziere so. Es sind schon einige Tracks dabei, die meiner Meinung nach, schon auch mit diesem Oldschool-Ding brechen und eine modernere Idee verfolgen. Aber ja, im Sound kann man das Album schon als oldschool interpretieren. Aber es ist jetzt nicht so weit gegangen, dass wir auf einem 4-Track- Recorder aufgenommen haben.

Ihr seid ja schon länger in der Hip-Hop-Szene unterwegs, wo liegen denn eure Wurzeln eigentlich? Du, Kardinal, lebst ja in Linz, also quasi in der Hip-Hop-Hauptstadt Österreichs. 

Kardinal Kaos: Ja, ich bin vor ungefähr sieben, acht Jahren hierhergezogen, habe aber auch schon vorher viel Zeit in Linz verbracht. Ich war regelmäßig in der Kapu bei Konzerten und habe so schon viel mitgekommen und auch die Szene kennengelernt. Mein erstes richtiges Projekt, Mostheadz, ist aber nicht dort entstanden, sondern im Mostviertel. Wobei wir natürlich schon auch in Linz bzw. in Oberösterreich, wie etwa beim Böllerbauer Open Air, aufgetreten sind. Irgendwann ist dann das erste Mostheadz-Album erschienen und etwas später dann schon das Album „Golden Beash“. Und dann sind wir schon da, wo wir jetzt sind.

Alligatorman: Ich bin in Linz aufgewachsen und auch schon sehr früh mit dem ganzen Kapu-Umfeld in Berührung gekommen. Über meinen damaligen Homie Selbstlaut und Huckey von Texta bin ich dann auch an Tonträger gelangt. Mit ihm habe ich dann auch ein Album und eine EP veröffentlicht. Und dann ist es schon zu „Honigdachs nach Wien gegangen, wo ich jetzt eben lebe. Kardinal habe ich aber schon zu Kapu-Zeiten bei Jams kennengelernt.

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Ihr kennt euch also schön länger. Aber war es für euch auch klar, dass ihr mal gemeinsam ein Projekt an den Start bringen wollt? Was hat den besonderen Reiz dieser Zusammenarbeit ausgemacht? 

Alligatorman: Dass der Bernie mich angerufen hat [lacht]. Im Grunde genommen war es für mich jetzt nicht besonders überraschend, dass wir uns dazu entschlossen haben, zusammenzuarbeiten. Ich habe Kardinal immer schon für das, was er gemacht hat, respektiert, und so hat sich das dann – für mich zumindest – irgendwie so zusammengefügt.

Kardinal Kaos: Es hat ja schon vorher Kollabs gegeben. Zum Beispiel auf den Alben von DRK und FOZ. Irgendwann im Zuge der Beash-Releases haben wir dann zu ersten Mal darüber geredet. Konkret war das in irgendeinem Backstagebereich nach einem Konzert. Wir fanden die Idee beide sehr cool. Von da an hatte ich das Projekt dann eigentlich immer im Hinterkopf. Es hat dann halt ein bisschen gedauert, weil wir mit anderen Sachen beschäftigt waren. Aber vor etwa einem Jahr sind wir es dann angegangen. Ich habe ihn angerufen, er hat mir einen Beat geschickt, und dann ist die ganze Geschichte ins Laufen gekommen.

Alligatorman: Es ist schon so, dass man nach einer Show oder bei anderen Gelegenheiten oft schon mal so daherredet. Aber bei dem Ding habe ich mir schon immer gedacht, dass aus dem etwas werden muss.

„Wir haben also schon viel Zeit in die Überlegungen einfließen lassen, wie eine Nummer dann wirklich daherkommen soll.“

Was an eurem Album auffällt, ist, dass es auch musikalisch sehr abwechslungsreich ist. Der Sound reicht von partytauglich bis dunkel. Hattet ihr so eine Breite im Sinn, als ihr die Nummern begonnen habt zu produzieren?

Albumcover "Rasenmäher"
Albumcover “Rasenmäher”

Alligatorman: Wir haben bei diesem Album schon sehr viel ausprobiert. Vor allem, was die Stimmung der Nummern angeht. Wir haben wirklich geschaut, was wirklich draufpasst, und immer wieder Dinge geändert. Es ist witzig. Ich habe erst gestern das Album wieder einmal angehört. Und die Nummer „Gun“ zum Beispiel hatten wir davor einmal schon in einer ganz düsteren Stimmung ausprobiert und aufgenommen, haben sie dann aber doch noch mal überarbeitet und Funk reingebracht, damit sie einen anderen Twist bekommt. So ist es bei vielen Stücken gewesen. Wir haben also schon viel Zeit in die Überlegungen einfließen lassen, wie eine Nummer dann wirklich daherkommen soll.

„Die Puzzleteile waren schon da. Nur haben wir sie dann etwas anders zusammengesetzt.“

Hatten die Corona-Situation und die leere Zeit, welche diese mit sich gebracht hat, irgendeinen Effekt auf das Ergebnis des Albums? Ich nehme einmal an, dass ihr euch die Stücke so lange hin- und hergeschickt habt, bis sie fertig waren, oder? 

Kardinal Kaos: Ja, so in etwa ist das passiert. Wir haben es eigentlich so gemacht, dass wir uns zu Sessions getroffen und immer so zwei, drei Nummern aufgenommen haben. Dann bin ich nach Hause und Alliga hat am Mix weitergearbeitet, die er mir dann geschickt hat. So hat es immer wieder Updates gegeben. Generell kann man also nicht wirklich sagen, dass uns Corona allzu sehr ausgebremst hat. Aber klar, wir hätten uns schon gerne zu mehr Sessions getroffen, aber das ist halt nicht gegangen. Ich würde sagen, dass es sogar relativ schnell gegangen ist, weil ich doch schon viel fertig war. Ich hatte schon viel geschrieben und bin mit verschiedenen Themen zu Alliga ins Studio. Und da war es interessant, für die Parts die passenden Sachen zu finden und damit herumzuspielen. Wie etwa bei der Nummer „The World Is Oasch“, die inhaltlich eigentlich schon ins Depressive geht. Gerade für die habe ich mir dann das fröhlichste Instrumental und den partytauglichsten Beat ausgesucht. Dass schon viel fertig war, hat uns die Möglichkeit gegeben, zu experimentieren.

Alligatorman: Die Puzzleteile waren schon da. Nur haben wir sie dann etwas anders zusammengesetzt.

„Es war spannend, mostviertlerische Reime und Redewendungen zu suchen, die man in die Nummern einbauen konnte.“

Was sich bei dir Kardinal trotz dieses neuen Projekts nicht verändert hat, ist, dass du weiterhin in Mostviertler Dialekt rappst. 

Kardinal Kaos: Es muss so sein. Ich habe bei meinen ersten Raps schon auch versucht, nach der Schrift zu rappen. Auch weil ich damals neben Sachen aus den USA mehr deutschen Rap gehört habe und weniger österreichischen. Irgendwann war es für mich aber klar und eigentlich logisch, dass so ich rappen will, wie ich rede. Mittlerweile sind Hip-Hop und Rap in Österreich ja schon groß und etabliert. Und es rappt auch jede und jeder auch schon in der Mundart oder in ihrem bzw. seinem Slang. Damals war es aber noch etwas Neues. Es war spannend, mostviertlerische Reime und Redewendungen zu suchen, die man in die Nummern einbauen konnte. Man konnte damals noch vieles finden.

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Und wirst du auch überall verstanden? 

Kardinal Kaos: Wir waren einmal in der Schweiz, und die haben alles verstanden. Die haben überhaupt kein Problem damit. In Österreich kommt es schon vielleicht einmal vor [lacht].

Alligatorman: Ich glaube, dass es da wildere Beispiele als Kardinal gibt. Ich will ja dir ja deinen Dialekt nicht absprechen, aber … [lacht]

Wie seht ihr euer Projekt eigentlich? Als eine einmalige Geschichte? Oder habt ihr schon auch vor, gemeinsam weiterzumachen? 

Kardinal Kaos: Ich würde schon sagen, dass wir Letzteres machen wollen. Wir können zwar noch nichts ankündigen, aber die Bereitschaft ist auf jeden Fall da.

Alligatorman: Da passiert schon noch etwas. Wie gesagt, wir kündigen jetzt noch nichts an, aber es herrscht zwischen uns eine echt geschmeidige Harmonie und auch produktionsmäßig läufts super. Wenn die Leute unsere Sachen weiterhorchen und Kardinator so weiterläuft, dann steht dem nicht wirklich etwas im Weg.

Am Ende vielleicht nochmal zurück zum Thema Corona. Wie sehr trifft es euch, das Album nicht live präsentieren zu können?

Alligatorman: Es ist halt komisch, wenn das einzige Feedback, das man bekommt, fast ausschließlich von sozialen Medien kommt. Das ist schon ganz anders als vor der Krise. Es ist schade, dass man ein Album nicht bei einer Release-Show vorstellen kann und sieht, wie die Leute drauf reagieren. Das ist, glaube ich, das, was mir am meisten abgeht.

Kardinal Kaos: Ja, das würde ich auch sagen. Wobei mir jetzt nicht nur die eigenen Gigs abgehen, sondern auch die Konzerte anderer, zu denen ich auch immer gern gehe, um einfach mit befreundeten Leuten abzuhängen. Das schmerzt schon sehr, das nicht tun zu können.

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Michael Ternai

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