Winter im Herbst 2009 im Echoraum

“Heute geschlossen! oder Ordnung muss sein!” war das Motto der nunmehr dritten Folge (Vorläuferinnen waren 2007 und 2008) von [Manon-Liu] “Winter im Herbst im Echoraum in der Sechshauserstrasse im Fünfhaus (26.-28.11. 2009). Auf dem Programm: Ein Esperanto-Projekt mit vier Pianistinnen an zwei Klavieren, dazwischen die Präsentation aller Video-Werbespots des IGNM-Wettbewerbs “Wind um Neue Musik” und zum Schluss Manon Liu Winter und Katharina Klement an zwei Klavieren mit einer Komposition von Christoph Herndler (“ptasi mlecko”). 
Auch diesmal blieb die dem Herbst im feinen Echoraum einen Namen gebende Winter gemeinsam mit Werner Korn ihrem Anspruch treu, den sie sich schon bei Ausgabe 1, damals auch mitfinanziert vom Institut 5haus (Burkhard Stangl), gestellt hatte: “das angebot des Instituts 5haus an mich, konzerte nicht nur zu spielen sondern auch zu programmieren und so gestalterisch meiner lust und erfahrung üppig folgen zu können, gibt mir den raum echte wünsche zu erfüllen und gleichzeitig auch meine hochachtung vor anderen musikerInnen und komponistInnen zu zeigen”, schrieb sie in der damaligen Programmnotiz des Echoraums.

Der erste Abend der heurigen Serie war einem Portrait des Komponisten Hannes Löschel gewidmet. In der Komponistendatenbank des mica ist dieser erfasst als: Bandmanager, Produzent, Musiker, Komponist der Genre Jazz und Neue Musik, man könnte noch dazusagen: auch Pianist, Elektronik, Labelbetreiber. Hannes Löschel spielte im Duo mit Manon- Liu Winter eingangs Musik von Morton Feldman (“Projection III”), sodann erklang (zu Projektionen von Gustav Deutsch, zu dessen “Film ist. Musik” Löschel eine “music” beigetragen hatte), die “telenovela largo”.

“SANG”, das nächste Stück forscht vor allem die Resonanzräume eines Klavieres, diesmal nicht so sehr durch Innenraumklavier-Bespielung, sondern durch klopfende und hämmernde Untersuchung des Holzes der Klavierböden – die beiden Solisten mussten dafür (samt mittels Schreibtischlampen beleuchteten Partituren bzw. Spielanweisungen) unter diesen Klavieren liegen (!). Es folgten noch “Konferenz der Armseeligkeit” für Klavier solo, toys & Tonband – ein Auftragswerk eines Festivals in Linz, das dann aber nicht stattfinden konnte, wie Löschel kurz erläuterte. Manon Lou Winter hatte bei der Ausführung dieses Werks nicht nur das Klavier, sondern auch ein Spielzeugklavier und Melodika zu spielen.

Den zweiten Teil des Portrait-Abends bildete eine von “Winter im Herbst” beauftragte Uraufführung, dem Echoraum (Titel: “echoraum”) zugeeignet, wo auch Hannes Löschel im Lauf der Jahre immer wieder aufgetreten ist (die CDs loewenhertz, diesfalls  EREB AFRIK 010/011 mit seinen Partnern Burkhard Stangl und Josef Novotny sind im Vertrieb der Extraplatte erhältlich). Weitere jahrelange Partner Löschels sind etwa David Tronzo – Slide Guitar, Achim Tang – Bass gewesen, oder Michael Bruckner – Gitarren, Walther Soyka -Harmonika, Karl Stirner – Zither, Thomas Berghammer – Trompete, Flügelhorn, Bernd Satzinger – Bass, Mathias Koch – Schlagzeug, David Müller – Gesang; oder Joanna Lewis -Violine und Peter Paul Skrepek – Drums, Vocals, das Koehne Quartett, Peter Herbert und Martin Zrost  – Saxophon und Bass, auch Helge Hinteregger war z. B. im Lokal “Blue Tomato” bei ihm mit von der Partie   . 2007 war Löschel Gast im Austrian Cultural Forum in New York.

 

IGNM-Wettbewerb Wind um Neue Musik

Nicht immer glücklich wurde man mit den am Freitag präsentierten Radio-Werbespots des Wettbewerbs der IGNM, vielleicht lag das auch an den Ausschreibungsbedingungen, wie Manon Liu Winter bei der Vorstellung und Nennung der mit Preis ausgezeichneten Spots einräumen musste. Wir dürfen sie, wie sie auf der Website der IGNM nachzulesen sind, hier anführen:

“Ziel des Wettbewerbs ist eine inspirierende  Image-Werbung für die Neue Ernste Musik. Auf die mit ungewöhnlichen Mitteln aufmerksam gemacht werden soll. Die Komplexität von Klang als Symbol für Lebensstandard, Entwicklung und Lebensqualität, sowie Wert und Kultur unserer international geprägten Musiklandschaft soll durch den Wettbewerb stärker ins Blickfeld unserer Gesellschaft gerückt werden.  Der zum Wettbewerb eingereichten Werbespots soll einen neuen, unterhaltsamen und zeitgemäßen Blick auf die Vielfalt und Innovationskraft von zeitgenössischer Kompositionskunst werfen.
 
Die Kombination aus der meist kommerziellen Themenkreise gewidmeten Form des Werbespots einerseits, und andererseits der so spezialisierten Ausdrucksform der nicht kommerziellen Neuen Musik, machen den Spannungsreichtum und die Faszination dieses Themas aus.  Komplexität kreativ und originell auf den Punkt zu bringen, ist die Herausforderung für die TeilnehmerInnen. Der Spot darf gerne ein “Augenzwinkern” besitzen und sollte vor allem  Lust machen auf neue Musikerfahrungen.  Den Veranstaltern ist es ein Anliegen, mit dem Film auch Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen, wie auch traditionsbewusstes Konzertpublikum – jedenfalls Menschen, die bisher wenig Erfahrung mit der experimentellen Seite von Musik haben. Die Werbespots sollen also insgesamt neue Publikumsschichten ansprechen.
 
Gesucht sind Werbespots für die Ausstrahlung in Radio oder Fernsehen, deren Konzept, Inhalt und Gestaltung die Ziele des Wettbewerbs optimal unterstützen. Die Länge der Spots soll maximal 30 Sekunden betragen.Die Beiträge müssen in einer der beiden folgenden Kategorien eingereicht werden: Kategorie 1: audiovisuelle Werbespots für die Ausstrahlung in Fernsehen, Kino und Internet. Kategorie 2: akustische Werbespots für die Ausstrahlung im Radio und Internet

Die Ausschreibung des Wettbewerbs “Wind um Neue Musik” richtet sich an Studierende und AbsolventInnen von Universitäten und Hochschulen, an KomponistInnen, Film- und VideoproduzentInnen, Werbefachleute aber auch ganz allgemein an Personen mit Interesse an Neuer Musik und Neuen Medien. Die TeilnehmerInnen müssen über einen Wohnsitz in Österreich verfügen.
Es gibt kein Alterslimit für eine Teilnahme. Alle TeilnehmerInnen können auch mehr als einen Beitrag zum Wettbewerb einreichen. Sämtliche Kosten, die bei der Produktion der Wettbewerbsbeiträge anfallen, müssen zur Gänze von den TeilnehmerInnen übernommen werden.”


 
Der “Response” – das konnte man schon bei der Vorstellung der Audio-Beiträge (Radiospots) am Freitag hören, war sowohl von Profis als auch von Studierenden und umfasste alle Altersgruppen. Allerdings musste man sich fragen – auch wenn manche Beiträge aufwändig auf 16-Kanal-Spur unter Studiobedingungen aufgenommen wurden – welchen Hund das hinter dem Ofen hervorlocken soll, wenn suggestive Stimmen eindringlich den “Wind um Neue Musik” beschwören, oder fröhlich bekennen dass sie auf Neue Musik “stehen” oder ihnen der ewige Haydn, Mozart und Beethoven (schön swingend dargebracht) reicht (so reichten die mir auch bald, tun sie aber nicht .)

Unwillkürlich musste ich mich an einen von der 2-Mann-Agentur “concept-creativ” vor 30 Jahren (1981) erstellten Werbespot für ein Autoradio erinnern (das concept war Ronald Pohoryles, ich war angeblich für creativ zuständig). Er wurde im höchsten Stockwerk eines Hochhauses im 10. Bezirk von dem Konzern tatsächlich angenommen und drei-vier Wochen lang im Radio ausgestrahlt – uns damaligen Studenten brachte er schönes Geld ein. Aufgenommen haben wir den Demo-Spot  auf Cassettenrecorder (die Studio-Einspielung und die Hintergrundmusik besorgte der Konzern) , und zwar nachdem “concept” Pohoryles das Konzept dafür nach strengen professionellen Kriterien erstellt und schön getippt hatte ([“1. Markt und Produkt”] – überdurchschnittlich gute Qualität im mittleren Preissegment, daher besteht die [“2. Zielgruppe”] aus erfahrenen, nicht unbedingt jugendlichen Autofahrern, die Wert auf Komfort und gute Qualität legen, beim Autofahren Autoradio und TB-Cassetten hören wollen, ein Preis-Leistungsbewusstsein haben .). Für die Demo-Aufnahme verwendeten auch wir einen Cassettenrecorder (und kein 16-Kanal-Gerät): Ich lag mit dem Mikrophon (billig) auf dem Teppichboden 5 m von den HIFI-Boxen einer Stereoanlage entfernt, über die das “Konzept” Ronny auf einen ausgewählten Ausschnitt einer Musikplatte vorsichtig die Nadel auflegte, das Aufnahmeband einschaltete, die Lautstärke hatte er vorher schon entsprechend aufgedreht, ich wartete 3-5 Sekunden und sprach dann den vorbereiteten Text mit eindringlicher, sonorer Stimme und Pausen, er lautete in etwa: Der Kassetta Marc 104 von .. Kristallklarer Klang .. Auf Knopfdruck . Der Verkehrsfunk-Decoder lässt ihre Augen auf der Straße . Der Kassetta. (Wiederholung der Einleitung verkehrt; Kristallklarer Klang . von [Philips hieß die Firma].” Beim teuren Essen zu 2. (mit dem Honorar) fiel mir damals ein Satz von Adorno ein: “Wer noch weiß was ein Gedicht ist wird nie ein erfolgreicher Werbetexter werden.”      
Heinz Rögl

Auf der IGNM-Seite kann man die die eingelangten Werbespots auf MP3-Files selber jederzeit anhören:
Benjamin Dietze: wer nicht hören will…
Chun-Yu Gruza Lin: 1: Ob das Geräusch ist oder Musik, 2: mehr und mehr
Klaus Karlbauer: 1: Guitar hero, 2: Vinyl Mahler, 3: Balkantechnopunk
Florian Kmet: Neue Musik. Nur eine Frage der Zeit
Jürgen Kohlhauser: Spot 1, Spot 2, Spot 3, Spot 4, Spot 5, Spot 6, Spot 7
Uwe Neugebauer: Nur Pfeifen pfeifenn
Christian Mühlbacher: 1: alternate, 2:closed, 3: open
Max Wittmann: haydn Bang!R2mix
Klaus Zalud: 1:Light Groove, 2: busy
Bernadette Zeilinger: Die neue Generation
Patrick Zündel: Neue Musik braucht frischen Wind

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