
Was Wienerglühn – das sind neben dem bereits erwähnten Rudolf Gratzl Heidelinde Gratzl (Akkordeon, Gesang, Querflöte) und Jovan Torbica (Kontrabass, Percussion) – unternehmen, ist der Versuch einer kunstvollen Erneuerung dessen, was unter dem Begriff des Wienerlieds zusammengefasst ist. In respektvoller Verbeugung vor diesem schlägt die dreiköpfige Truppe durch ihr Tun eine Brücke hin zur Moderne, indem sie, scheuklappenlos zu Werke gehend, auch stilfremde Elemente in ihren Sound einfließen lässt. Ihre Interpretation der Wiener Musik ist eine, in welcher Spuren des Jazz, genauso wiederzufinden sind, wie solche anderer weltmusikalischer Formen und des Pop.
Mit einer ordentlichen Portion Spielwitz und ihrem ganz eigenen Charme lassen Wienerglühn dieser Art Stücke entstehen, die unverkennbar einer Wiener Note, die Grenzen der Tradition regelrecht sprengen. Es handelt sich immer noch um eine Art des Wienerlieds, nur eben um eine unverstaubte und von allen Klischees befreite. Textlich das gesamte Spektrum der Wiener Seele zum Thema machend, entwirft das eigenwillige Trio über diesen Weg quasi seinen eigenen Soundtrack für die Stadt, einen, der zugleich in höchstem Maße zu unterhalten weiß, wie auch herausfordert und berührt.
All jene also, die die moderne Wiener Musik zu schätzen wissen, sollten sich den Auftritt von Wienerglühn daher auf keinen Fall nicht entgehen lassen. (mt)
Foto Wienerglühn: Mischa Nawrata