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Wien stellt “kleine” Musikförderung auf neue Beine

Wien (APA) – Wien stellt die Förderung für “kleine” Musikprojekte auf neue Beine. Anstatt die Entscheidung wie bisher allein der Kulturabteilung MA 7 zu überlassen, befindet nun ein eigens geschaffener Beirat darüber, welche neuen Projekte Geld bekommen sollen. Das Gremium soll zudem bestehende Förderungen unter die Lupe nehmen, um eventuell Kürzungen zu empfehlen, wenn die Qualität zu wünschen übrig lässt.

Konkret geht es um Förderungen von bis zu 50.000 Euro je Antragsteller, über die der fünfköpfige Musikbeirat befinden kann. “Die denkbar beste Entscheidungsfindung geht nur mit Menschen, die sich auf diesem Gebiet wirklich auskennen”, meinte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). Dem Expertengremium gehören Sabine Reiter, geschäftsführende Direktorin von mica (Music Information Center Austria), “Standard”-Musikkritiker Christian Schachinger, Kulturmanager Thomas Schäfer, Musikwissenschaftlerin Miriam Schreinzer und die Sängerin Mira Lu Kovacs (“Schmieds Puls”) an. Bedacht werden sollen möglichst alle Musikgenres.

Erste Entscheidungen hat der im Herbst gegründete Beirat bereits getroffen. So wurden 100.000 Euro an 22 neue Projekte nach einem definierten Kriterienkatalog vergeben – vom Queer Festival über Konzertaktionen in leer stehenden Geschäftslokalen bis zu Musikvermittlungsprojekten in der Vorstadt. Der Finanzierungsbedarf betrug zwischen 2.000 und 10.000 Euro pro Musikprojekt, wobei darauf geachtet wird, dass die Empfänger darüber hinaus Drittmittel aufstellen. Die nächste Sitzung findet im Dezember statt, 115 Anträge seien bereits eingegangen, hieß es.

Die 100.000 Euro, über die der Beirat verfügt, wurden den bisherigen Gesamtfördermitteln aufgeschlagen, freute sich der grüne Kultursprecher Martin Margulies somit über eine Gesamterhöhung der für diesen Bereich zur Verfügung stehenden Mittel. Das heißt: Statt 750.000 Euro im Vorjahr gibt es heuer insgesamt 850.000 Euro.

2019 soll das Expertenquintett bereits 250.000 Euro an frischem Geld vergeben können. Zum Sockelbetrag von 750.000 Euro dazu gerechnet, kommt man so bereits auf 1 Mio. Gesamtsumme in Musikförderbereich. Der Anteil der Gelder in Beiratkompetenz soll in den kommenden Jahren übrigens steigen, so Margulies. Damit soll die “Fluktuation” der Fördernehmer und damit die Diversität ansteigen, hofft Kulturstadträtin Kaup-Hasler.

Allerdings hat Rot-Grün dem Beirat auch das Pouvoir gegeben, abseits der neuen Förderungen, die er vergibt, auch bestehende, gewissermaßen historisch gewachsene Unterstützungen zu durchleuchten. “Dinge, die seit vielen Jahren in der Förderschiene drin sind, stagnieren zuweilen”, meinte Kaup-Hasler. Sprich: Der Beirat soll sich Initiativen daraufhin anschauen, ob sie innovativ bleiben, regelmäßig neues Publikum lukrieren oder die Qualität halten können. Ist dem nicht so, kann das Gremium eine Reduktion der Gelder empfehlen – mit der Möglichkeit einer erneuten Anhebung, sollten Nachbesserungen erfolgt sein. Andernfalls können die Mittel auch völlig gestrichen werden.

Einen verstärkten Fokus will die Stadt auch auf die Clubkultur legen. Hier ist ein neuer Topf von 100.000 Euro angedacht. Vergabekriterien müssen noch ausgearbeitet werden, ein eigener Club-Beirat wird angedacht. Deutlich angehoben werden zudem die Unterstützungen für den Bereich Komposition. Statt 15.000 gibt es künftig 150.000 Euro pro Jahr. Denn die bisherige Summe sei “beschämend” gewesen für eine Stadt wie Wien, räumte die Ressortchefin ein. Die Ausschüttungsmodalitäten sind hier ebenfalls noch nicht gänzlich geklärt.

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