Wien Modern: Skrepek + Platzer: "Die Maschine" (c) Markus Sepperer

Wien Modern: Start mit besonderer Stimmung

Eröffnungskonzert mit dem RSO Wien und der Solistin und Ernst-von-Siemens-Musikpreisträgerin Tabea Zimmermann unter der Leitung von Leo Hussain, Aufbruch in die “Realms of the Unreal” mit dem Arditti Quartet mit drei Erstaufführungen von Pauline Oliveros, Betsy Jolas und Ashley Fure, 11 unterschiedlich gestimmte Klaviere im Großen Saal des Konzerthauses bei Edu Haubensak, die begehbare Installation “Die Maschine” von Skrepek + Platzer im Wiener Konzerthaus u.v.a.

Ausblick Woche 1

Für das aktuelle Festivalthema Stimmung haben zahlreiche Künstler*innen teilweise seit Jahren neue Arbeiten entwickelt. Den Auftakt zum Festival Wien Modern gibt am Vorabend des Eröffnungskonzerts das Klangforum Wien: In Korrespondenz zum Festivalthema Stimmung spürt das Ensemble in seinem Abozyklus diesmal der Aura nach – und verlegt das erste Konzert ebenso passend vom Mozart-Saal in den Stephansdom. Sylvain Cambreling hat mit Messiaens ungeheurem Weltkriegsrequiem orchestrale Klangmassen zu formen, Iveta Apkalna steht an der neuen Riesenorgel ein nicht minder beeindruckendes Klangvolumen zur Verfügung. (Klangforum Wien: Erwartung, Donnerstag 29.10.).

Paul Skrepek und sein Maschinist Andreas Platzer lassen seit Jahren ausgewählten Materialien aus Müllcontainern und von Schrottplätzen ein radikal klangorientiertes Upcycling angedeihen. Zu sehen ist Die Maschine von Freitag 30.10. – Sonntag 08.11. im Halbstock der Feststiege des Wiener Konzerthauses.

Zur Festivaleröffnung Tuning of Mind and Body. Eröffnungskonzert Wien Modern (Freitag 30.10.) mit neuen Orchesterwerken von Hugues Dufourt und Germán Toro Pérez sowie Werken von Pauline Oliveros und Enno Poppe ist die aktuelle Ernst-von-Siemens-Musikpreisträgerin Tabea Zimmermann Solistin des RSO Wien. Sie musste für dieses Konzert «das Bratschespielen neu lernen»: Abenteuerlichen Solo-Glissandokurven wie bei der chinesischen Erhu legt Enno Poppe das Streichorchester als eine Art «Fußbodenheizung» unter, mit der «Wärme, die aus der Tiefe kommt». Germán Toro Pérez erschließt mit jeweils zwei Harfen und Klavieren im Vierteltonabstand für das RSO Wien einen subtilen Klangraum voller Zwischentöne. Claude Monets immersives Surround-Gemälde Seerosen: Die zwei Weiden spiegelt Hugues Dufourt mit erweiterter Klangfarbenpalette in seinem neuen großformatigen Orchesterwerk. Und die sanfte Klangrevolutionärin Pauline Oliveros sorgt mit ihrer Tuning Meditation (die nebenbei zum heilsamen Zoom-Trostspender der Lockdown-Wochen wurde) dafür, dass nicht nur die Instrumente gestimmt werden, sondern gleich auch Körper und Geist.

Das junge Grazer Schallfeld Ensemble war bei Wien Modern 2017 im Künstlerhaus und 2019 im Mozart-Saal zu hören. Diesmal sind nicht nur die räumlichen Bedingungen eine Spur kleiner, sondern auch die Besetzung sowie der Abstand zwischen den Tönen: Im Duo und im Klaviertrio bewegt sich das Ensemble diesmal von leeren Saiten über das Rauschen (Francesco Filidei) hin zu mikrotonalen Klangutopien. Eine feinsinnige Erkundung kammermusikalischer Mikro-Welten in der Alten Schmiede. (Schallfeld Ensemble: Klangutopien, Samstag 31.10.)

Zwei weitere Festival-Highlights stehen am Eröffnungswochenende im Wiener Konzerthaus auf dem Programm: Der höchst erstaunliche Schweizer Komponist Edu Haubensak entwickelt seit Jahrzehnten praktisch für jedes neue Klavierstück eine eigene Stimmung. Dabei entstehen feinst gearbeitete, irisierende Klangwunder mit poetischen Titeln wie Campi Colorati oder Veränderte Luft. Wien Modern präsentiert die Gesamturaufführung dieser beeindruckenden Kollektion von Solowerken an insgesamt elf unterschiedlich gestimmten Konzertflügeln, mit einem neu beauftragten Tutti als Finale. (Edu Haubensak: Große Stimmung, Samstag 31.10.)

Am Sonntagabend lädt das Arditti Quartet zum Heimspiel nicht nur in den Mozart-Saal, sondern auch ins „Reich des Irrealen“ – denn wenn es den sicheren Boden der zwölf Halbtöne zu verlassen gilt, haben Streichquartette ein paar Jahrhunderte Wissensvorsprung. Olga Neuwirth (ihr jüngstes Quartett gibt dem Abend den Titel), Karlheinz Essl und James Clarke sind den Wiener Fans des Quartetts vermutlich geläufig, der mexikanische Mikrotonpionier Julián Carrillo hingegen dürfte laut Konzerthausdatenbank Premiere feiern.
Ohrenöffnende Neuentdeckungen versprechen die drei Erstaufführungen von Pauline Oliveros, Betsy Jolas und Ashley Fure. (Arditti Quartet: In the Realms of the Unreal, Sonntag 01.11.).

Wien Modern 33

Insgesamt präsentiert Wien Modern dieses Jahr 32 Tage lang 104 Veranstaltungen mit 85 Ur- und Erstaufführungen an 33 Spielstätten in 9 Wiener Gemeindebezirken. Mit dem Personal Pass (€ 99 / € 79 / € 29), der Vorteilskarte (30% Rabatt ab vier Veranstaltungen) sowie kostenlosen Angeboten ist das 1988 gegründete Festival eine günstige Gelegenheit zur Begegnung mit der aktuellen Vielfalt der Musik. Ermöglicht wird Wien Modern von der Stadt Wien Kultur und dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS), den Festivalsponsoren Kapsch und Erste Bank, der Art Mentor Foundation Lucerne, den SKE der austro mechana, AKM, Pro Helvetia und zahlreichen Koproduktions- und Kooperationspartnern.

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