Wien Modern 36: 29.871 Besucher:innen, 60% der Vorstellungen ausverkauft

Die 36. Ausgabe des Festivals Wien Modern präsentierte an 36 Spielstätten in 14 Bezirken 65 Ur- und Erstaufführungen und erreichte 29.871 Besucher:innen – ein Plus von 34% gegenüber dem Vorjahr. Die Nachfrage nach Festivalpässen stieg gegenüber 2022 um 29%. 41 der 68 Veranstaltungen mit Kartenverkauf waren ausverkauft, insgesamt konnte das Festival eine Rekordauslastung von 88,6% verzeichnen.

Das Festivalthema «GO – Bewegung im Raum» stand nach drei Jahrgängen im Zeichen der Pandemie für Aufbruch und Neustart. Passend dazu herrschte bei den Veranstaltungen der 36. Festivalausgabe Andrang wie kaum je zuvor. Sogar der Große Saal des Wiener Konzerthauses war erstmals bei Wien Modern zu klein, um dem Publikumsinteresse an den 11.000 Saiten von Georg Friedrich Haas entsprechen zu können. Vor einzelnen Veranstaltungen wie beispielsweise der Österreich-Premiere des britischen Vokalensembles Exaudi in der Servitenkirche stand das Festivalpublikum Schlange wie bei der Staatsopernpremiere.

11.000 Saiten von Georg Friedrich Haas bei Wien Modern 2023
11.000 Saiten von Georg Friedrich Haas bei Wien Modern 2023 (c) Markus Sepperer

Erstmals seit 2019 konnte Wien Modern 2023 wieder eine komplett geplante und durchgeführte Festivalausgabe über die Bühne bringen; mit einer Ausnahme waren keine verschobenen Projekte aus den Vorjahren zu übernehmen, alle Veranstaltungen gingen wie geplant live mit Publikum vor Ort über die Bühne. (2022 konnten trotz zahlreicher Erkrankungen zumindest 98% der angekündigten 46 Produktionen wie geplant vor Ort mit Publikum stattfinden; 2021 wurden 70% der Produktionen live mit Publikum vor Ort realisiert, weitere 5% via Stream; 2020 wurden 14% der Produktionen live mit Publikum vor Ort realisiert, weitere 44% via Stream.) Die 36. Festivalausgabe 2023 umfasste in Summe 111 Veranstaltungen an 36 Spielstätten in 14 Bezirken mit 43 Uraufführungen und 22 österreichischen Erstaufführungen.

Insgesamt verbuchte die am 02. Dezember 2023 offiziell zu Ende gegangene 36. Ausgabe des Festivals 29.871 Besucher:innen vor Ort (2022: 22.241, 2021: 13.316 vor Ort + 2.107 über Stream, 2020: 5.199 vor Ort + 35.000 über Stream, 2019: 20.216), davon 18.649 bei Veranstaltungen mit Kaufkarten (2022: 17.723 2021: 10.726, 2020: 1.858, 2019: 15.337) und 11.222 bei Veranstaltungen mit freiem Eintritt (2922: 4.518, 2021: 2.590, 2020: 3.341, 2019: 4.879). Bei einer gegenüber 2022 um 22% erhöhten Kapazität von insgesamt 33.727 Plätzen (2022: 27.758, 2020/2021 k.A., 2019: 23.418) lag die Gesamtauslastung 2023 bei 88,6% (2022, 80,1%, 2020/2021 k.A., 2019: 86,3%). 41 Veranstaltungen waren ausverkauft (2022: 30, 2021: 17, 2020: 2, 2019: 30). Besonderen Zuwachs verzeichnete heuer die Nachfrage nach den Festivalpässen (2023: 750, 2022: 581, 2021: 304, 2020: 198, 2019: 417).

Nach drei Jahren im Ausnahmezustand war ein Neubeginn mit Blick nach vorne wirklich notwendig. Der ist uns 2023 gelungen, resümiert der Künstlerische Leiter Bernhard Günther. Von 50 Klavieren am Anfang bis zu 20 Dudelsäcken am Schluss ging es uns nicht um Rekordzahlen, sondern darum, dass die große Freiheit der neuen Musik, sich immer wieder neu zu erfinden, fühlbar wird – und das gern auch hier und da mit einem gewissen Spaßfaktor. Wien Modern bietet seit der Gründung vor 35 Jahren einen groß angelegten Rundumblick auf neue Musik. Die heute erreichte Vielfalt an Orten, Formaten, Generationen und Backgrounds steht nicht im Widerspruch zum Tunnelblick früher Avantgarden, sie zeigt, dass Musik als Gegenwartskunst quicklebendig ist. Gerade in der Öffnung hin zu anderen Blickwinkeln – beispielsweise 2023 in der Zusammenarbeit mit Peter Zumthor – entstehen überraschende, inspirierende Momente, die Wien Modern 36 für mich zu einem denkwürdigen Festivaljahrgang machen.

Mit dem spürbar gestiegenen Interesse Schritt zu halten war für uns heuer an manchen Spielstätten keine kleine Aufgabe. Auch wenn zu viel Publikumsandrang bei zeitgenössischer Musik ein Luxusproblem ist, um das uns andere Festivals beneiden – wir werden Saalkapazitäten, Karten und Pässe für die kommenden Ausgaben mit großer Sorgfalt planen. Denn auch wenn sich die heurige Rekordauslastung nach einer guten Nachricht anhört – wir wollen keine Zuhörer:innen enttäuschen, die für unsere Konzerte keine Plätze mehr bekommen. Dann freue ich mich beim nächsten Mal auf weniger Auslastung und mehr Publikum …

Das Festival präsentierte vom 31. Oktober bis zum 02. Dezember insgesamt 57 Produktionenmit den Wiener Lichtblicken, Schapka, der Militärmusik Burgenland, Gardemusik Wien, Mürztaler Trachtenkapelle Mitterdorf-St. Barbara, RSO Wien, den Wiener Symphonikern, PHACE, Klangforum Wien, Polwechsel, Wiener Singakademie, Wiener Chormädchen, SWR Experimentalstudio, MAM.manufaktur für aktuelle musik, Black Page Orchestra, Konnektom, NAMES – New Art and Music Ensemble Salzburg, Małe Instrumenty, Vocalforum Graz, Cie. Willi Dorner, Kandinsky Quartet, Mivos Quartet, between feathers, Trio Tempestoso, Studio Dan, Ensemble Musikfabrik, Cuarteto Casals, Exaudi, Wiener Kammerchor, Original Hoch- und Deutschmeister, Ictus, Arditti Quartet, Cantando Admont, sirene Operntheater, Serapions Theater, Webern Ensemble, chorforum.gleisdorf, the klingt.collective, Offshore sowie zahlreichen weiteren Ensembles und Künstler:innen. Zu den zahlreichen Spielstätten und Produktionspartnern gehörten neben Wiener Konzerthaus und Musikverein Wien erstmals auch Volkskundemuseum Wien, Brunnenpassage, A z W – Architekturzentrum Wien, SKICA – Slovenian Culture and Information Centre Vienna, brut Wien, Stift Klosterneuburg, Kulturverein kunstl:cht, Münchener Biennale, free music forum, Inexhaustible Editions, darüber hinaus Tanzquartier Wien, Polnisches Institut Wien, AIL – angewandte interdisciplinary lab, MAK – Museum für angewandte Kunst Wien, mumok, Reaktor, Alte Schmiede, echoraum, Dschungel Wien, Neue Musik in St. Ruprecht, IGNM, SFIEMA u.v.a. sowie sieben Universitäten in Wien, Linz und Graz. 

Im Rahmen von Wien Modern fanden 43 Uraufführungen statt von Peter Ablinger, Dror Binder, Martin Brandlmayr, Sebastian Brugner-Luiz, Dirk D’Ase, Werner Dafeldecker, Milica Djordjević, Elisabeth flunger, Clemens Gadenstätter / Lisa Spalt, Maria Gstättner, Philipp Manuel Gutmann, Nava Hemyari, Peter Jakober, Michael Jarrell, Florian Kindlinger / Christina Kubisch / Peter Kutin, the klingt collective (Martin Brandlmayr / Angélica Castelló / Klaus Filip / Susanna Gartmayr / Arnold Haberl a.k.a. noid / Billy Roisz / Martin Siewert / Oliver Stotz), Georgia Koumará, Dmytro Kyryliv, Bernhard Lang, Patrik Lechner, Robert Mathy, Michael Moser, Isabel Mundry, Nimikry (Alessandro Baticci / Rafał Zalech), Wladimir Pantchev, Vili Polajnar, Julia Purgina, Gerald Resch, Christof Ressi, Uroš Rojko, Paweł Romanczuk / Małe Instrumenty / Sarah Scherer, Christian Schröder, Schüler:innen der Musikschulen der Stadt Wien / Konrad Rennert, Kurt Schwertsik / Kristine Tornquist, Hannes Seidl, Golnaz Shariatzadeh, Tomas Skweres, Bruno Strobl, Judith Unterpertinger, Bertram Wee, Jeeyoung Yoo, Milana Zarić / Elisabeth Harnik /Richard Barrett und Alex Franz Zehetbauer. Dazu kamen 22 österreichische Erstaufführungen von Mark Andre, Joanna Bailie, Chaya Czernowin, Georg Friedrich Haas, Emre Sihan Kaleli, Belenish Moreno-Gil / Óscar Escudero, Sarah Nemtsov, Robert HP Platz, Christof Ressi, Katharina Roth, Rebecca Saunders, Nina Šenk, Bekah Simms, Zsigmond Szathmáry, Vida Vatovec, Tadeja Žele und Peter Conradin Zumthor.

Das 1988 von Claudio Abbado initiierte Festival Wien Modern ist die größte Plattform Österreichs zur inspirierenden Begegnung von Künstler:innen und Hörer:innen neuer Musik aller Spielarten. Ermöglicht wird Wien Modern von der Stadt Wien Kultur und dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS), den Festivalsponsoren Kapsch und Erste Bank, der Ernst von Siemens Musikstiftung, den SKE der austro mechana, Pro Helvetia, LSG, AKM und zahlreichen Koproduktions- und Kooperationspartnern.

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