Hikee Bikini (c) Stefan Mayrhofer

„Wenn, dann richtig!“ – HIKEE BIKINI im mica-Interview

HIKEE BIKINI gründeten sich in Sri Lanka und erschienen Ende des Sommers 2019 überraschend mit ihrer Debüt-Single „Bubble“ und dazugehörigem Video auf der musikalischen Bildfläche Wiens. Nach eigener Beschreibung machen die Fünf „irgendwas zwischen Frank Zappa und Britney Spears“. Wer sind HIKEE BIKINI? mica-Redakteurin Anna Lischka traf Sängerin RICKY [RICARDA MARIA; Anm.] und sprach mit ihr über die Anfänge der Band, Pop-Avantgarde, Eliten, subtil verpackte politische Messages und die EP „Stutti Bonboni“, die Anfang 2020 auf dem Label töchtersöhne erscheinen wird.

Was bedeutet Hikee Bikini eigentlich?

Ricky: Der Name ist bei unserem ersten Konzert in Sri Lanka entstanden. Damals waren wir noch nicht Hikee Bikini. Ich habe mich einem Inder vorgestellt und um es einfach zu halten, den Namen „Ricky“ anstelle von Ricarda genannt. Er hat „Hikee“ verstanden. Daraus ist dann Hikee Bikini entstanden. Bikini einfach deswegen, weil es ein lustiges Wort ist.

Welche Geschichte steckt hinter eurer Gründung in Sri Lanka?

Ricky: Unser Pianist Iron Rist hat ca. ein halbes Jahr in Sri Lanka gelebt. Er hat dort einen Gig beim Colombo Jazz Festival für seine damalige Fusion-Band ausgemacht und mich als Gesangsfeature eingeladen. In dieser Besetzung haben wir uns dann sehr gut verstanden und nach diesem einen Konzert in Sri Lanka eine Band gegründet.

Wie ist es danach weitergegangen? Habt ihr dann gemeinsam länger Zeit in Sri Lanka verbracht?

Ricky: Wir waren leider nur fünf Tage dort, sind aber in kürzester Zeit zusammengewachsen. Obwohl wir alle an der selben Uni waren, kannte ich die Bandmitglieder flüchtig. Jede_r von uns war nur mit dem Pianisten enger bekannt. Bereits beim Vorbereiten auf das Konzert haben wir festgestellt, dass das, was wir gemeinsam machen, überraschend gut funktioniert. Für diesen einen Gig haben wir tatsächlich neue Songs geschrieben und nicht nur die alten Nummern der ursprünglichen Band ausgearbeitet. So haben wir gemerkt, dass wir auch zu fünft Songs schreiben können, was für mich fast an ein Wunder grenzt.

Der Release eurer ersten Single Bubble geschah auf sehr professionelle Art und Weise. Auf Facebook und Instagram habt ihr Spannung aufgebaut, regelmäßige Teaser gebracht und von Anfang an mit hochwertigem Foto- und Videomaterial gearbeitet – fast wie bei einem Produktlaunch. Wie viel Konzept steckt hinter Hikee Bikini?

Ricky: Wir haben uns dazu viel überlegt und auch von Freund_innen, die in der Branche tätig sind, Tipps geholt, wie man einen Release gut vorbereitet. Wir haben lange an unserer EP gearbeitet, haben viel Zeit im Proberaum verbracht und waren uns einig: Wenn wir damit rausgehen, dann richtig! Und dann soll es nicht mit einem Proberaumfoto starten, auf das drei Wochen Stille folgt – sondern erst, wenn wir mit allem fertig sind und coole Fotos haben. Es macht großen Spaß, das mit dieser Band auszuleben.

„Wir empfinden uns nicht als Bandprojekt […]”

Manchmal entstehen Bands ja eher ungeplant und zu einem Release kommt es erst viel später. Ihr seid durch euer plötzliches Auftauchen aufgefallen und hattet gleich eine sehr klare, strukturierte Art, auf Social Media präsent zu sein.

Ricky: Das war uns auch ein großes Anliegen. Wir waren alle in unterschiedlichen Bands und haben eben genau diese anderen Entstehungswege erlebt. Es war uns wichtig, gleich zu zeigen: Wir meinen das ernst! Wir empfinden uns nicht als Bandprojekt, sondern das ist eine Band, in die wir gerade alle sehr viel Energie reinstecken. Das macht sich auch in anderen Bereichen bemerkbar wie etwa unseren Merch-Produkten: Wir haben Second Hand Merch, lauter Einzelteile, auf die unser Logo raufgestickt wurde. Da ist sehr viel Liebe drin. Wir versuchen, diese Liebe in alle Bereiche reinzubringen.

Was ist „Bubble” für dich? Eine Traumwelt?

Ricky: „Bubble” ist eigentlich ein politischer Song – anscheinend auf sehr subtile Art und Weise. Er thematisiert Eliten, und das kann man auf unterschiedlichen Ebenen sehen: Einerseits beschreibt Bubble unsere Welt, in der wir als Österreicherinnen und Österreicher leben. Wir leben in einer Bubble im Vergleich zur restlichen Welt. Wenn wir ein Bad nehmen, nehmen wir halt ein Schaumbad. Dieses Bild soll unseren Wohlstand symbolisieren. Das ist die große Ebene, auf der man den Song interpretieren kann. Man kann das aber auch noch im kleinen Stil sehen, etwa an Personen wie unserem Herrn Bundeskanzler. In der letzten Strophe des Songs singe ich ja „If I lit a light – it would shine so fuckin’ bright! If I sang a song – all of you bitches would sing along!” Das beschreibt einerseits die Personen, die den Ton angeben und andererseits die, die einen Anführer brauchen, der ihnen das Licht leuchtet. Der Song ist unter anderem als dadaistisch bezeichnet worden. Das fand ich witzig, weil ich als die Person, die den Text geschrieben hat, weiß, dass er das definitiv nicht ist.  Wir wollten keinen „In die Fresse“-politischen Song machen, aber es ist anscheinend zu subtil.

Die Tennisoptik im Video soll also auch Wohlstand, Elite, Snobismus symbolisieren?

Ricky: Genau, wobei ich natürlich niemanden shamen möchte, der Tennis spielt. Es war abgesehen davon einfach auch lustig, sich ein Konzept zu überlegen, das nicht offensichtlich mit dem Song zusammenhängt.

Zu eurer zweiten Single „Ave Maria” – ein religiöser Songtitel mit einem sehr sexuell aufgeladenen Video. Sind euch Gegensätze, Zweideutigkeit wichtig?

Ricky: „Ave Maria” ist logischerweise auch ein politischer Song bzw. beinhaltet Kritik an Konzepten wie der unbefleckten Empfängnis und etwa daran, dass man als Singlefrau noch immer schief angesehen wird, wenn man sich auslebt. Das sind Kontroversen, die wir nach wie vor in unserer Welt haben. „Ave Maria” ist aber natürlich trotzdem auch keine knallharte Kritik, sondern eher eine Aufforderung, Spaß zu haben und sein Leben zu genießen. Wir sind nicht grundsätzlich politisch, versuchen aber, unsere Botschaften mit einem Augenzwinkern zu versehen. Wir wollen nicht missionieren, aber zum Denken anregen.

„Wir sagen Dinge direkt”

Wie würde eine politische Band agieren? Mit konkreteren Aufforderungen?

Ricky: Ja, also wir werden als Hikee Bikini keine Wahlempfehlungen abgeben, wir sind nicht parteipolitisch. Aber wir haben sehr wohl etwas zu sagen. Generell – was man auch bei späteren Songs mitbekommen wird: Wir sind unverblümt. Wir sagen Dinge direkt. Politische Messages versuchen wir trotzdem subtil rüberzubringen. Obwohl ich sagen muss, „Ave Maria” ist nicht direkt subtil, hier sind wir schon eher im Stil „Hau drauf“ unterwegs, aber eben mit einem Augenzwinkern.

Ein gewisses Maß an Selbstironie ist ja auch spürbar, etwa mit eurem Video-Tutorial zu einem fünfsekündigen Gitarrenpart in Bubble”.

Ricky: Ja genau, das Wort Selbstironie trifft es ganz gut. In diesem Hipster-Game, in dem alle zu cool für die Welt sind, fühlen wir uns nicht wohl. Stattdessen machen wir uns lieber eine schöne Zeit und haben Spaß.

Das Video zu Ave Maria” ist recht prominent besetzt, etwa mit Rapperin Yasmo, die ganz kurz zu sehen ist.

Ricky: Ja, wir haben ein paar Leute aus dem Umfeld gefragt, ob sie mitmachen, wollten diese Personen aber nicht so dezidiert präsentieren, sondern man fragt sich eher: „War das gerade die Yasmo?“

Offenbar seid ihr also recht gut vernetzt?

Ricky: Man kennt sich, ja.

Welche Musiker_innen und Bands haben euch geprägt? Welche unterschiedlichen Einflüsse bringt ihr fünf mit?

Singlecover “Bubble”

Ricky: Bei mir kommen unendlich viele unterschiedliche Einflussfaktoren zusammen. Einerseits Jazz durch mein Jazzgesang-Studium, dann natürlich Popsängerinnen wie Beyoncé oder Macy Gray. Was aber bei Hikee Bikini sehr durchgedrungen ist oder was sich in unserer Musik sehr widerspiegelt ist, dass ich eine große Liebe für Frank Zappa entwickelt habe. Vor allem auch die unverblümte Sprache, sehr direkt sein, musikalisch überraschen oder sich auch mal was trauen. Wir haben zum Beispiel auch auf Formen, Formate oder Radiotauglichkeit nicht so sehr geachtet, sondern eher das gemacht, was uns gerade gepasst hat. Oder auch Teile in Songs aneinandergereiht, die nicht vorhersehbar sind. Das ist schon auch viel Frank-Zappa-Einfluss. Aber es kommen von uns allen unterschiedliche Dinge zusammen. Wenn man uns live hört, wird man nicht klar sagen können, welche Stilistik das nun ist. Wir haben letztens diskutiert und uns auf den groben Namen „Pop-Avantgarde“ geeinigt. „Bubble” ist noch unser poppigster Song. Bei „Ave Maria” merkt man schon bei den kurzen Ausflügen wie „Halleluja“ oder bei der Bridge, die eigentlich ein ganz anderer Part ist, dass das für Pop eher ungewöhnlich ist. Das sind Vorboten dafür, wie die restlichen Songs sein werden.

Popavantgarde?

Ricky: Ja, als Überbegriff. Wobei jede_r unter Avantgarde etwas anderes versteht, und der Begriff ist vielleicht auch etwas hochgestochen. Wir machen mehr Spaß, als 08/15-Musikhörer_innen vielleicht erwarten würden, wenn sie den Begriff „Avantgarde“ hören.

Was sind eure weiteren Pläne? Was folgt auf Bubble” und Ave Maria”?

Ricky: Eine EP mit fünf Songs, die wir Anfang 2020 rausbringen werden. Eine dritte Single wird da noch dabei sein, aber in gemeinsamer Veröffentlichung. Außerdem ist eine Tour ist in Planung. Abgesehen davon arbeiten wir jetzt schon an den Songs für das Album und sind sehr motiviert!

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Anna Lischka

 

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