Waves Conference 2018 (c) Anna Breit

WAVES VIENNA MUSIC CONFERENCE 2018 – Tag 2

Im September 2018 fand bereits zum achten Mal die von WAVES VIENNA und AUSTRIAN MUSIC EXPORT organisierte WAVES VIENNA MUSIC CONFERENCE statt, die MusikexpertInnen, Organisatoren, Labeltreibende, Booker und MusikerInnen zum Networking ins Wiener WUK einlud. Ada Karlbauer und Stefan Niederwieser waren vor Ort, um vom Ausgang der Konferenz zu berichten.

Auf der Waves Vienna Music Conference trafen sich auch dieses Jahr hunderte nationale und internationale Musikexperten – Veranstalter, Labelbetreiber, Booker, Musiker – zum Austausch und Netzwerken im Wiener WUK. Gemeinsam widmete man sich aktuellen Fragen der Musikindustrie.

Musikszene in der Slowakei

Unter dem Titel „The Music Scene in Slovakia“ wurde passend zum diesjährigen Leitthema „East meets West“ ein Talk zu den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des slowakischen Musikmarktes veranstaltet.

Wave Conference 2018 (c) Anna Breit

„The Music Scene in Slovakia“ öffnete das thematische Feld mit einer Liste an KünstlerInnen, die erst am Vortag bei Waves Vienna gespielt hatten, ein exemplarisches Sinnbild für die fehlende Aufmerksamkeit auf das Nachbarland. Kaum einer kannte die Namen, die auf der Diashow aufschienen. Die Musikszenen in der Slowakei sind sehr klein und überschaubar, alle helfen einander und arbeiten miteinander, der große internationale Erfolg blieb bei den KünstlerInnen jedoch bis jetzt aus.

Welche Strategien gebe es für österreichische Artists, um in der Slowakei zu spielen? Ein wesentlicher Faktor sei hier die Vernetzung selbst. Eine Möglichkeit sei es, geplante Gigs mit lokalen KünstlerInnen zu fusionieren, die sich vor allem musikästhetisch auf einer ähnlichen Ebene fassen lassen. Durch solche Verbindungen gestalte sich der Einstieg in die slowakischen Musikszenen einfacher. Trotzdem gebe es keine herrschenden Schablonen für eine erfolgreiche Musikkarriere. Schnell wurde auch klar: Festivals sind das große Thema in der Slowakei, die Orte, an denen der Großteil des musikalischen Imports und Exports stattfindet. Die Festivalpräsenz von Künstlerinnen und Künstlern gestalte sich als ein wesentlicher Faktor, um die künstlerische Reichweite zu steigern. Ein Tipp sei, deshalb erst mal unterschiedliche Festival-Line-ups zu forcieren, auch wenn man noch unbekannt sei. Die Suche nach dem richtigen Promoter sei dabei ebenso zentral.

Monika Satkova erläuterte, dass es oftmals vielmehr um persönlicher Präferenzen der BookerInnen selbst geht als um ein konkretes „Rezept“, das befolgt werden sollte. Um es beispielsweise auf das Line-up des Pohoda Festival zu schaffen, reiche es deshalb, in das subjektive Geschmacksprofil der BookerInnen selbst zu fallen. Die Auswahl der Artists passiere inzwischen überwiegend bei Showcase-Festivals. E-Mails würden schon lange keine mehr geöffnet werden. Die eigentliche Booking-Arbeit passiere überwiegend am Computer, ohne menschliche Interaktionen. Gerade aus diesem Grund gestalte sich das Netzwerken im Zuge der Showcase-Festivals als der beste Part, so lautete der Konsens. Es gehe auch um persönliche Empfehlungen, da würden sogar manchmal die E-Mails geöffnet. Deshalb ein Ratschlag: Wenn man mehr Zeit brauche, dann sollte man besser nicht spielen, sondern auf den richtigen Moment warten, denn man habe meist nur eine Chance, bei einem etablierten Showcase zu spielen. Satkova unterstrich in diesem Zusammenhang die positiven Aspekte der ständigen Festivalpräsenz von Künstlerinnen und Künstlern. Diese Auftritte seien wesentliche Referenzen, die es schließlich meist ermöglichen würden, die Grenzen der Slowakei zu überschreiten.

Eine wesentliche Problematik eröffne sich auch in der fehlenden Infrastruktur. Viele der Bands hätten keine TourmanagerInnen, keinen Support, was schließlich zu mehr harter Arbeit führe. Daraus resultiere vor allem künstlerische Frustration, die meist nur auf einen fehlenden Mittelsmann zurückzuführen sei, was sich wiederum auf die Grundstimmung der slowakischen Musikszenen selbst auswirke. Der Slovakian Music Export Service sei vor inzwischen drei Jahren gegründet worden und habe sich auch aus diesen Gründen zu einer wesentlichen Anlaufstelle für Musikschaffende entwickelt. Vieles sei in Bewegung, aber es brauche Zeit. Die allgemeine Bestandsaufnahme lautete schließlich: Slowakische Bands hätten zwar viel Potential, aber es fehle vor allem das Selbstbewusstsein, um sich innerhalb des globalen Musikmarktes positionieren zu können. Es gehe dabei nicht nur um eine ausgeprägte Bühnenkompetenz, sondern vielmehr darum, rauszugehen und über die Grenzen hinaus zu denken. Insgesamt würden alle noch auf die große Erfolgsgeschichte warten, denn den einen großen Namen gebe es noch nicht. Gerade so eine Erfolgsgeschichte könne auch positive Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung der Acts haben, diese inspirieren und vorantreiben, selbst einen Schritt zu wagen. Das bedeute aber auch die ständige Konfrontation mit dem Wettbewerb, man müsse stark sein und es wirklich wollen, denn: „It’s a mission!“ (ak)

perspektiven des blogGENs

Waves Conference 2018 (c) Anna Breit

Was ist ein Blog? Erst einmal war Stille, es wollte wohl niemand vorpreschen. Anfangs wurde diskutiert, ob Blogs heute noch wichtig sind und wie man sie am besten kontaktiert. Auch auf dem Flur wurde das Thema kontrovers gesehen. Monetär würden Blogs nicht viel bringen, aber man könne sie nicht ignorieren, meinte ein heimischer Musikmanager. Das Panel nach der ersten Musiknacht hatte es so früh nicht ganz leicht, viele Augen waren müde und die Mägen noch flau. Einige Tipps waren dennoch handfest: „Sendet keine Reminder, nervt nicht“, war ein Credo, das sich wiederholte. Wenn man als Artist diverse Blogs anschreibt, muss man ein gutes Foto haben, ein paar Infos und einige soziale Links, die Musik sollte auf den üblichen Streaming-Plattformen zu finden sein, denn dort werden die Playlists gemacht.

Alle, die auf dem Panel saßen, meinten, dass sie Bloggern – und Influencern – generell nichts zahlen. Auf Blog-Marketing-Agenturen wurde dabei thematisch nicht eingegangen. Blogs, so Mariusz Herma vom polnischen Beehype, würden zwar vielleicht nicht unmittelbar viele Plays auslösen, aber sie wären die Brutkästen, viele Journalisten sind unter ihren Lesern, die dort Neues entdecken wollen. Und deshalb wäre das Echo von Blogs oft viel größer als man annimmt.

Musikszene in Portugal

Waves Conference 2018 (c) Anna Breit

Das Panel war gut vorbereitet und sehr motiviert, es gab zuhauf Zahlen, aber auch schöne Geschichten. Wie etwa jene von Madredeus, eine portugiesische Band, die zuerst bei einem belgischen Festival auftrat, dort später Nummer Eins wurde und anschließend von Wim Wenders für seinen Film „Lisbon Story“ ausgewählt wurde und in Märkten wie Italien und Mexiko reüssierte. Oder von Rock in Rio, einem Festival, das kurz nach dem Ende der portugiesischen Diktatur gegründet wurde und heute das größte Festival des Landes ist.

272 Festivals gibt es mittlerweile in Portugal, die von 2,5 Millionen Menschen besucht werden. Tonträger im Wert von 35 Millionen Euro werden produziert, Streaming macht dabei über die Hälfte aus, wobei Youtube skandalös niedrige Preise zahlen würden (pro User etwa ein Achtzehntel der anderen Anbieter) und Ältere kaum streamen, obwohl diese zu drei Vierteln Internetzugänge haben. Kleine, unabhängige Vertriebe gibt es in Portugal keine, Tonträger werden von den Majors vertrieben, der französische Retailer Fnac würde den Tonträgermarkt immer noch beherrschen.

Es wird wieder mehr auf Portugiesisch gesungen werden, war man sich einig. Öffentlich finanzierte Kulturvereine würden abseits der großen Städte Lissabon und Porto vor allem lokale Kultur veranstalten, deshalb gäbe es keinen klassischen Rundkurs für Touren und man ist gut beraten, sich portugiesische Partner zu suchen. Auf der anderen Seite hat Musik von Menschen aus den ehemaligen Kolonien das Zentrum des Landes erobert, es würde gerade sehr viel einzigartige Musik entstehen – nicht zuletzt beim ersten Hyperreality war diese junge Szene in Wien ja groß zu Gast. Man wünscht sich mehr solche Panels.

das Radio Panel

Waves Conference 2018 (c) Anna Breit

Bosnien, Litauen, Slowenien, Polen und Portugal waren da. Radio funktioniert in all diesen Ländern recht unterschiedlich, die Zahl öffentlich-rechtlicher Kanäle variiert stark, die Regulative ebenfalls. Dazu gehört die Quote für Musik in der Landessprache (nationale Quoten verstoßen gegen EU-Recht, deshalb ist diese Quote in Österreich nur über ein freiwilliges Abkommen umsetzbar). In Polen liegt diese Quote derzeit bei 33%, viele fordern sogar 50%, in Slowenien liegt sie bei 40%, wobei ein Viertel der Musik jünger sein muss als zwei Jahre sein. Ähnlich ist das in Portugal geregelt, nur mit jeweils 60% und 35% Musik, die jünger ist als ein Jahr. In Litauen und Bosnien gibt es wiederum keine Quote.

Viele berichteten von Erfolgen, die man erzielen konnte, indem man Musik spielen würde, die es im kommerziellen Radio schwer haben. Auf die Herausforderungen der Zukunft wurde kaum eingegangen – non-lineares Hören, Verfügbarkeit des Archivs, Podcast-Angebote –, die Konkurrenten nationaler Radios wären jedenfalls nicht andere nationale Radios, sondern globale Player.

sind karriere und familie vereinbar?

Waves Conference 2018 (c) Anna Breit

Frauen werden an einem bestimmten Punkt aufhören Musik zu machen und das ist beschissen [At a certain point women are gonna quit and this sucks!”]. Für diese Ansage bekam Theresa Rotschopf (Bunny Lake, O) spontan heftigen Applaus; und man konnte es nur zu gut verstehen. Viele Musikerinnen und manche Musiker sind als Elternteil in einer Situation, auf die der Staat kaum Antworten bietet – unregelmäßige Arbeitszeiten, oft spät in der Nacht, lange Touren, stark schwankendes Einkommen.

In vielen anderen Industrien ist es üblich, dass Kinderbetreuung angeboten werde, teils am Arbeitsplatz, teils auf Konferenzen, das wäre in der Musikindustrie aber noch völlig unüblich. Buyouts für Babysitter müssten normal sein. Und die Branche müsse sich insgesamt überlegen, wie man gemeinschaftliche Strukturen anbietet, die Musikerinnen und Musiker unterstützen und diese Herausforderung nicht nur Einzelnen zu überlassen. Eine australische Parlamentarierin hatte sich letztes Jahr ans Parlament gewandt, während sie ihre Tochter stillte. Von so etwas wäre man in der Musikindustrie noch weit weg, Kinder am Arbeitsplatz sind nicht selbstverständlich. (sn)

 

Links:
Waves Vienna Festival (Website)