Voodoo Jürgens (c) Wolfgang Bohusch

VOODOO JÜRGENS & DER NINO AUS WIEN – “Hansi da Boxer”

Hier haben sich zwei zusammengetan, die in das Herz von Wien und so auch ein bisschen in jenes von Österreich geschaut haben. VOODOO JÜRGENS und DER NINO AUS WIEN besingen auf ihrer gemeinsamen Single “Hansi da Boxer” die Leiden des kleinen Mannes.

Und wer beide Musiker noch nicht wirklich zuordnen kann, der lebt entweder nicht in Österreich, oder vielleicht doch ein bisschen hinter dem Mond. Denn wenn Der Nino aus Wien schon seit 2008 ein Fixpunkt am Nouveau-Mundart-Himmel ist, dann ist Voodoo Jürgens ein absoluter Shooting Star auf eben jenem. Letzterer hat mit seiner Platte “Ansa Woar” die österreichischen Musikcharts von 2016 gerockt und das mit wahnsinnig ehrlichen Texten und einer eingängigen Stimme.

Moritat aus 2016

“Hansi da Boxer” erscheint dementsprechend als Weihnachtszuckerl auf einer 7” Vinyl Single, gemeinsam mit “Gitti”, oder besser gesagt dem Radio Edit jenes Liedes. Beide Songs leben wie immer von den Lyrics, die wirklich die österreichische Mentalität – und vor allem die Wienerische – auf den Punkt bringen. Und das ohne besonders philosophisch oder welterklärend zu sein. Die Lieder sind eigentlich wie Moritate, also Schauerballaden, die eine Form der mündlichen Nachrichtenübertragung im frühen 20. Jahrhundert waren.

Der Nino aus Wien (c) Problembär Records

Dabei wurde zu der zu erzählenden Geschichte auf einer Drehorgel, einer Violine und, oder einer Gitarre gespielt, während der Sänger sein Publikum mit seinem ausgeklügelten Text in den Bann zog. Es waren kleine Geschichten von Gräueltaten und es wurde auch tief in die Gerüchteküche gegriffen. Wenn man also “Hansi da Boxer” mit dieser Art des Liedes vergleicht, wird man draufkommen, dass beide Musiker in alten Zeiten eine astreine Moritaten-Karriere hätten hinlegen können.

Hansi, der gescheiterte Mann

Schon allein die Instrumentierung weist mit der Drehorgel und der orientalisch und gleichzeitig sehr altmodisch anmutenden Melodie große Ähnlichkeit mit der Beschreibung des Moritats auf. Und dann natürlich der Text: Die Geschichte von Hansi, dem Boxer ist eine zeitlose und allgegenwärtige. Fast jeder und jede hat schon von einem Menschen gehört, der ein großes Talent hatte und dann aber an den äußeren Umständen, wie Drogen, Alkohol und Gewalt zugrunde ging. Voodoo Jürgens und Der Nino aus Wien legen all die Dramatik und Neugier in ihre Stimme, die man bei Kaffeekränzchen und Wirtshaus Stammtischen vermuten würde. Es ist das sich Suhlen in dem Leid des Anderen, ohne dafür Verantwortung zu übernehmen, was den Kern des Liedes ausmacht.

Natürlich ist ein Song wie dieser ein absoluter Grower, schließlich wird man bei jedem Mal Hören neue Details entdecken. Man kann sich nur wünschen, dass ein neues Voodoo Jürgens Album in Arbeit ist. Bis zum Erscheinen eines solchen heißt es einfach, “Ansa Woar” und “Hansi da Boxer” immer und immer wieder durchhören.

Anne-Marie Darok

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