Das ensemble hiatus spielt Peter Jakober
ensemble]h[iatus © Alain Julien

Von unten neu betrachtet – ENSEMBLE]H[IATUS trifft auf PETER JAKOBER

Den österreichischen Komponisten PETER JAKOBER und das von der Cellistin MARTINE ALTENBURGER und dem Perkussionisten LÊ QUAN NINH gegründete ENSEMBLE]H[IATUS verbindet eine mehrjährige Zusammenarbeit. Bei dem französische Label Césaré veröffentlichten sie im Februar 2017 ihre erste CD. Sie besticht durch eine ungewöhnliche Einheit von Werkinterpretation und Improvisation.

„Ensemble]h[iatus – Peter Jakober“ – so schlicht und treffend der Titel der Compact Disc – beinhaltet sechs Stücke. Drei Werke des Südsteirers Peter Jakober, unter seinen zahlreichen Auszeichnungen rezent der Erste Bank Kompositionspreis 2015, werden durch das ensemble]h[iatus erst interpretiert und – man könnte auch an eine Frage-Antwort-Situation denken – anschließend improvisiert.

Peter Jakobers komplexe Systeme von Synchronisation und Desynchronisation, facettenreiche Schattierungen in der rhythmischen Gestaltung wie auch mikrotonale Verläufe, erzeugen spannungsgeladene, poetisch-dynamische Klang-Klüfte. Rhythmische Überlagerungen, Verschiebungen und repetierende Töne, die sich fast unmerklich in ihrer Tonhöhe ändern, und Glissandi mit kontinuierlicher Tonhöhenveränderung zählen zu den Stilmitteln von Peter Jakober.

weit beisammen

Eröffnet wird das aktuelle Album mit Peter Jakobers „beneden“, das 2010 vom ensemble]h[iatus uraufgeführt wurde und 2016 Eingang ins Programm von Wien Modern fand. „Beneden“ ist Niederländisch und bedeutet so viel wie „nach unten“. Gleich zu Beginn nimmt Jakober die Hörerschaft gewissermaßen mit auf eine Reise „nach unten“. Jakober besiedle das Klangmaterial aus dem Inneren, heißt es im Klappentext. Das Cover, auf dem gleichberechtigt der Name des Komponisten und der Name des Ensembles steht, zeigt den Blick aus einem Lichtschacht hinaus in die Weite des Firmaments. Ob der Schacht ein Turm, der in die Höhe ragt, oder ein Tunnel in die Tiefe ist, ist Interpretationssache.

Peter Jakober (c) Franz Reiterer

Bei seinen zwei weiteren Stücken – „mehr, ein wenig“ aus dem Jahr 2008 und „weit beisammen“ aus dem Jahr 2010 – mischt der Komponist selbst an der Live-Elektronik mit und wird so gewissermaßen auch selbst Teil des Ensembles.

Das Spezielle am ensemble]h[iatus – bestehend aus Martine Altenburger, Tiziana Bertoncini, Fabrice Charles, Isabelle Duthoit, Carl Ludwig Hübsch, Géraldine Keller, Lê Quan Ninh, Thomas Lehn, Angelika Sheridan – ist, dass alle Mitglieder des Ensembles als Interpretinnen und Interpreten sowie auch als Improvisateurinnen und Improvisateure aktiv sind. Altenburger und Ninh gründeten vor über zehn Jahren das ensemble]h[iatus, sie selbst spielen seit mehr als 25 Jahren zusammen. Improvisation, so Ninh über das Ensemble, bedeute stets, infrage zu stellen, angefangen bei dem ursprünglichen Einsatz des Instrumentes, seiner gewohnten Spielweise und Klangästhetik.

Besonders schön und deutlich ist dies beim theatralen letzten Stück der CD zu erleben.

Ruth Ranacher, Michael Franz Woels
Die CD bestellen kann man unter www.metamkine.com

 

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ENSEMBLE]H[IATUS
Peter Jakober 

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