VIENNA ROOMSERVICE #3

Es ist ein Festival der etwas anderen Art, welches vom 6. bis zum 9. September im Wiener Porgy & Bess über die Bühne gehen wird. Eines, das sich das Überwinden von musikalischen Grenzen zum Hauptziel gesetzt hat und quasi als klangliches Exerzierfeld aller möglichen Spielarten und –formen konzipiert ist. „Vienna Roomservice“, so der Titel der von der Jazzwerkstatt Wien organisierten viertägigen Veranstaltung, bietet den Beteiligten die seltene Gelegenheit, sich wirklich einmal nur alleine dem scheuklappenbefreiten Musizieren zu widmen. Was von den Bands und MusikerInnen praktiziert werden soll, ist das Experiment im Spannungsfeld zwischen Jazz und Improvisation, Elektronik, Computermusik, Rock und Avantgarde. Unter anderem in diesem Jahr auf dem Programm stehen spannende musikalische Darbietungen von Max Nagl, Karl Ritter, den 5/8erl in Ehr’n, Kompost3 und vielen mehr.

Man will in diesem Jahr besonders der Frage nachgehen, wie Jazz und improvisierte Musik heutzutage klingen kann. Als Vertreter der jungen Jazzgeneration, die mit den traditionellen Grenzziehungen zwischen den einzelnen Spielformen ohnehin nur mehr sehr wenig am Hut haben, treten die Jazzwerkstatt Wien Begründer Daniel Riegler, Clemens Wenger, Peter Rom, Bernd Satzinger und Clemens Salesny mit dem Anspruch an, einen Raum für den freien persönlichen Ausdruck zu schaffen. Selten genug erhalten MusikerInnen in einem Festivalkontext heutzutage noch die Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten und sich im Experiment zu üben. Bei „Vienna Roomservice“ sind die Beteiligten dazu angehalten, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich  in den musikalischen Grenzbereichen zu bewegen. Zur programmatischen Ausrichtung des Festivals passt auch das in den vergangenen zwei Jahren entwickelte und auch diesmal weitergeführte Beschallungskonzept der „Soundarena“, welches die Bühne in die Mitte des Raums verlegt , von wo aus das rundum positionierte Publikum mit spatialisierten Klängen beschallt wird.

Das stilistische Spektrum jedenfalls offenbart sich einmal mehr als ein immens weites und reicht vom experimentellen Jazz über zeitgenössische Computermusik und bis zu aberwitzigsten Improvisationen. Unter anderem für spannende und innovative Hörerlebnisse sorgen werden der russische Gesangskünstler Sainkho Namtchylak, Daniel Rieglers Großformation Studio Dan, welche auch den französischen Saxophonisten Michel Doneda treffen wird, die Pariser Formation Fantazio, das Dreiergespann Max Nagl/Josef Novotny/Clemens Wenger, die österreichische ElektroJazzRockImproGroove-Combo Kompost3, der Gitarrenvirtuose Karl Ritter, der sein aktuelles Album „Soundritual“ zu Aufführung bringen wird, die Wiener Band 5/8erl in Ehr`n, die erstmals „Plugged“ auf der Bühne stehen wird, das Trio Gradischnigg/Schwinn/Pirker sowie Kelomatrix, die mit der Präsentation ihrer neuen CD das Festival beschließen werden.

Viel Spannung und packende Aha-Erlebnisse versprechen auch die unter dem Titel „Solos“ laufenden Uraufführungen der sechs an Julia Purgina, Ed Neumeister, Belma Beslic-Gal, Gerd-Hermann Ortler, Christian Schiller und Daniel Riegler vergebenen Auftragswerke, welche Clemens Salesny, Manu Mayr und Raphael Meinhart zum Erklingen gebracht werden. Quasi als „Ohrenöffner“ gibt es zudem vor jedem Konzertbeginn ein elektroakustisches Werk zu hören. Diesmal mit er Erschaffung eines solchen betraut sind Daniel Mayer, Tamara Friebel und Werner Angerer. Geboten wird also einiges. Alles in allem darf man wirklich von einem Festival sprechen, das wohl alle Erwartungen und Ansprüche erfüllen dürfte. (mt)

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