Platypus Ensemble

Datum/Zeit
01.11.20 - 19:30

Veranstaltungsort
Reaktor
Geblergasse 40, 1170 Wien

Kategorien
Neue Musik


Details

Raphaël Cendo und Ben Isaacs: Kontraststimmung, Verweigerung und Komplexität

19:30

Seit jeher steht die Dynamikbezeichnung „fortepiano“ für etwas rebellisches und überraschendes, verweigerte sie sich doch schon in der Wiener Klassik einem allzu vorhersehbaren und erwartbaren Schönklang, insbesondere in der Musik Beethovens. In diesem Programm wird diese Dynamik bis in die Extremen auf ca. 70 min ausgedehnt, wobei die beiden dargebotenen Werke zwar, oberflächlich betrachtet, allein durch ihre Grunddynamik sehr unterschiedlich sind, jedoch in ihrer Haltung zur Verweigerung nach Cendo viele Gemeinsamkeiten aufweisen: „…on doit pouvoir se mettre à l’écoute du monde, […] c’est le rôle de l’artiste. Et résister contre le système qu’on nous impose, qu’on en est conscientes ou qu’on n’en est pas conscientes […]” (…man muss damit anfangen können, auf die Welt zu hören, […] das ist die Rolle des/r Künster*in. Und sich gegen das System wehren, welches man uns aufzwingt, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht…). Cendos farbenvolles Rokh I-III wirkt wie ein Schrei, surrealistisch, rebellisch und mit unermüdlicher Kraft, und verweigert dabei durch seinen innovativen und extremen Umgang mit „Saturation“ jeglichem gewohnten Höreindruck klarer Strukturen wie Tonhöhen, Rhythmus usw., wobei die Texturen dennoch bis ins letzte Detail ausdifferenziert sind. Zudem brechen seine oftmals sehr blockhaften Formstrukturen mit der, durch die Gruppe der Spektralisten stark geprägten, Form der kontinuierlichen Entwicklung, welche in der französischen Tradition sehr dominant auftritt. Eben diese blockhaften Strukturen prägen auch die Musik von Ben Isaacs, welche sich durch den extremen Einsatz von Loops und Wiederholungen jeglichem traditionellem Formverständnis entziehen. Hinzu kommen subtile, sehr detailliert ausgearbeitete, komplexe Klanggebilde, die in ihrer extrem leisen Dynamik, fast bis zur Unhörbarkeit, das Publikum bis an die Grenzen fordern. Die Blockhaftigkeit spiegelt sich auch in der Programmgestaltung wider: Nach einem intensiven, lauten ersten Teil, wird attacca, durch einen Lichtwechsel, der zweite, kontrastierende Teil eingeläutet. Dadurch fügen sich die beiden Werke zu einer virtuosen, in sich geschlossenen Gesamtheit. (Text: Platypus)

Platypus Ensemble
Leitung: Jaime Wolfson
Tontechnik: Aron Ludwig

Programm

RAPHAËL CENDO (FR)

Rokh I-III (2011-12) für Flöte, Klavier, Violine und Cello (ca. 33’) (attacca)

BEN ISAACS (ENG)

Neues Werk (Auftrag vom Platypus Ensemble) Besetzung noch offen (ca. 30’)