„Geometrie der Seele”. Ein Abend für Gert Jonke (1946-2009)

Datum/Zeit
10.12.18 - 20:00

Veranstaltungsort
Musikverein
Musikvereinsplatz 1
1010, Wien

Kategorien
Neue Musik


Details

Hören Sie im Wiener Musikverein bisher Ungehörtes aus Anlass des nahenden 10. Todestages von Schriftsteller Gert Jonke: Der musikalisch-literarische Abend kreist um teils unveröffentlichtes Textmaterial des Dichters.

Susanna Ridler: Vertonung, Stimme, Elektronik
Markus Hering: Rezitation
Peter Herbert: Kontrabass
Wolfgang Puschnig: Altaxophon und Flöte

Musikverein, Gläserner Saal
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Komponistin/Vokalistin Susanna Ridler und Darsteller Markus Hering geben erstmals einen gemeinsamen Jonke-Abend, als Hommage an den großen österreichischen Sprachkomponisten.

Für beide Interpreten ist die Auseinandersetzung mit Texten von Gert Jonke ein elementarer Bestandteil ihres künstlerischen Schaffens. Hering spielte am Burgtheater in drei mit dem Nestroy-Preis ausgezeichneten Stücken Jonkes („Chorphantasie“ 2003 – „Versunkene Kathedrale“ 2006 – „Freier Fall“ 2008) und erhielt dafür selbst ebenfalls zwei „Nestroys“ als bester Schauspieler. Er gibt Jonke – Leseabende und hat 2017 im Eigenverlag „Hering & Hering Hörbücher“ die CD “Jonke zu hören“ veröffentlicht, auf welcher er ausgewählte Texte des Dichters liest.

Ridler befasst sich seit 2013 im Rahmen verschiedener Kompositionsaufträge intensiv mit dem Werk des Dichters und erhielt 2016 von der Gert-Jonke-Gesellschaft die außergewöhnliche Möglichkeit, im Künstlerzimmer von Gert Jonke nach unveröffentlichten Texten zu suchen und diese für neue Kompositionen heranzuziehen. Aus diesen Textfragmenten entstanden Werke für Solo-Stimme, Kammerensemble ( UA, 2016, ensemble xx. jahrhundert ) und für Jazz-Trio, die unter dem Projekttitel “Geometrie der Seele“ mit Kontrabassist Peter Herbert & Saxophonist Wolfgang Puschnig 2017 beim Literaturfest Salzburg und bei der Eröffnung des Bachmannpreises uraufgeführt wurden und die nun das musikalische und inhaltliche Fundament des Abends bilden.

Stimme, Saxophon, Kontrabass – eine nicht gerade alltägliche Trio-Besetzung. Mit Herbert und Puschnig – Magiern des zu gestaltenden musikalischen Augenblicks – werden die Stücke zu Musikräumen, in denen das Geplante und das Spontane miteinander ausdrucksvoll kommunizieren. Komponierte Zuspielungen wie auch live elektronisch „Gesampeltes“ erweitern das experimentell-kammermusikalische „Trio“ um ein klangliches Element. Ridler nutzt stimmlich die improvisatorische Freiheit einer Vokalperformerin, versucht stilistische Grenzen und den konventionellen Einsatz der Stimme zu überschreiten, spricht, singt und seziert Worte bis sie zu reinem Klang werden.

Die Stimme von Markus Hering erweitert das Trio zum Quartett, seine Rezitation als Teil der Musik und als alleinstehendes „Instrument“. Zu erwarten ist – kein Leseabend mit Musik und kein Konzert mit Lesung –, sondern eine Verschmelzung aus Beidem, getragen von Gert Jonkes phantasievoller, bildgewaltiger Sprache mit surrealen Reflexionen über Musik und die menschliche Existenz. Gert Jonke beleuchtet in seinen Texten immer wieder auf grotesk-absurde und raffinierte Weise die Einverleibung von Mensch und Natur durch die Gesellschaft und verarbeitet das Thema Musik, seine große Leidenschaft, zu einem immer wiederkehrenden inhaltlichen Thema in Theaterstücken, Prosa-Texten und Essays.

Jonke war Sprachkomponist, er komponierte mit Worten, wandte in seinem Schreiben und seinen Satz-Konstruktionen musikalische Variationstechniken an und schrieb, „er möchte mit der Sprache nicht nur erzählen, sondern auch Musik machen …“ und „ (…) dass es möglich ist, Musik selbst so zu beschreiben, dass sie fast oder auch wirklich zum Klingen kommt.” Ein Tonträger zum Projekt „Geometrie der Seele“ erscheint anlässlich des Gert Jonke- Gedenkjahres 2019.

Susanna Ridler zum Projekt: „Was mich an Jonke – neben der Musikalität seiner Sprache und seiner an musikalische Variationstechniken angelehnte Art und Weise der Satzenentwicklung – fasziniert, ist diese phantasievolle Meisterschaft, Existenzielles in surreale Form zu bringen und grotesk-heiter zu erhellen. Nach fünfjähriger „Jonke-Forschungsarbeit“ entdecke ich immer noch Neues, das mich musikalisch inspiriert. Wobei das Vertonen Jonke’scher Sprache herausfordernd ist. Die Frage ist immer: Gelingt es, mit dem notierten Musikmaterial Jonkes Sprache und Gedanken im freien musikalischen Trialog mit den Kollegen so zu interpretieren, dass eine höhere Sinnebene aufleuchtet? Oder, wie Jonke es sagte, ob „die Musik mit ihrem Anklingen bis zum Verklingen etwas erzeugen dürfte, was über ihr bloßes Erklingen hinausgeht.“ Eine weitere bereichernde Herausforderung beim Vertonen dieser Sprache ist für mich der vokale Aspekt: Wie lässt sich Jonke singend interpretieren, ohne seine kunstvoll-experimentelle Sprache zu banalisieren? Hier experimentierte ich im Laufe der Jahre mit verschiedensten vokalen Techniken und auch mit elektronischen Geräten, die schon seit meiner Arbeit an [koe:r] Teil meines musikalischen Ausdrucks sind und mir hier ermöglichen, stimmliche Grenzen zu überschreiten.“