Uraufführung von Bernd Richard Deutschs multimedialem Martyrium oder Die Dinge sind: 8. Februar 2009 in Stuttgart

Als “neurotisches Oratorium” (Untertitel) bezeichnet der 1977 geborene Komponist Bernd Richard Deutsch sein Werk Martyrium oder Die Dinge sind, das als sein bisher umfangreichstes Opus gilt. Im Auftrag des SWR 2001 begonnen, bereits mehrfach umgestaltet, wird es alsbald bei einem renommierten Festival (eclat in Stuttgart) im Februar 2009 uraufgeführt. Bestandteil sind auch Szenen in einem Film unter der Regie von Ulrich Kaufmann, dessen Dreharbeiten dieser Tage im Barocksalon im Musikverlag Doblinger zu Ende gehen.

Helmut Berger (zuletzt in Nikolaus Leytners TV-Film Der Besuch der alten Dame) und Astrit Alihajdaraj (Nordrand) sind die Stars in jenem Film, dessen Dreharbeiten auch im Musikverlag Doblinger stattfinden: Unter der Regie von Ulrich Kaufmann entstanden jene Szenen, die der Komponist als integralen Bestandteil des Oratoriums geplant hat. Dabei begegnet man einem Künstler, genauer: einem Schriftsteller in psychischer Krise zwischen Depression und Kreativität, Alkohol und Tabletten, der bereits mehrmals in stationärer psychiatrischer Behandlung war, an einer problematischen Beziehung zu einer Frau leidet und zum Teil von einer mephistophelischen Figur verfolgt, ja von deren Einflüsterungen getrieben scheint.

Das umfangreiche Notenlager in den Kellergewölben des Musikverlags Doblinger in der Wiener Dorotheergasse sowie der von zahlreichen Veranstaltungen bekannte Barocksalon des Hauses (zuletzt Buch- und CD-Präsentationen mit Peter Simonischek, Angelika Kirchschlager, Simon Keenlyside u. a.) fungieren dabei als eindrucksvolle Filmlocations.

Im Auftrag des SWR Stuttgart und zum größten Teil bereits 2001 entstanden, aber in vierjähriger Arbeit mehrfach umgestaltet, bis die endgültige Fassung feststand, gibt das bisher umfangreichste Opus des vielfach ausgezeichneten Komponisten ausführlich-detaillierten Einblick in die Geistesverfassung eines manisch-depressiven Menschen – mittels des Riesenapparats von drei Gesangssoli (Sopran, Tenor und Bariton), zwei Sprecherparts, großem Chor, Orchester (u. a. mit vierfach besetzten Bläsern und reichhaltigem Schlagzeug) und Orgel nebst Filmzuspielungen. Die Uraufführung findet am 8. Februar 2009 im Theaterhaus Stuttgart statt: Unter der Leitung von Rupert Huber ist dabei als Sprecher unter anderem eine der markantesten Stimmen des deutschen Sprachraums zu hören: jene von Christian Brückner, bestens bekannt als Synchronsprecher von Robert de Niro, Robert Redford oder Harvey Keitel.

Das Künstlerdasein – ein Martyrium?

Den Text seines Werks hat Deutsch selbst aus ganz verschiedenen Quellen so zusammengestellt, dass die einzelnen Stellen zum Teil dialogisierend abwechseln. So treffen einander Dante Alighieri, Andreas Gryphius, Vincent van Gogh, Hugo Wolf, Cesare Pavese, Konrad Bayer, Werner Schwab, Ingeborg Bachmann sowie Peter Sloterdijk. Der Titel des Oratoriums ist eine inhaltliche Gegenüberstellung zweier Pole, drückt alternative Weltsichten aus: “Das Wort ,Liebe zur Kunst’ ist nicht richtig; man müsste Glauben sagen, Glauben bis zum Martyrium” heißt es in einem Brief van Goghs, während Konrad Bayer lakonisch feststellt: “DIE DINGE SIND IN ORDNUNG / DIE DINGE SIND IN DER ORDNUNG / DIE DINGE SIND”. – Ob man also überzeugt ist, ein Martyrium zu durchleiden, oder ob man einfach akzeptiert, wie “die Dinge sind”, bleibt dem einzelnen überlassen.

Die mit prominenter Besetzung ausgestattete Uraufführung findet am 8. Februar im Theaterhaus Stuttgart im Rahmen des Neue-Musik-Festivals “eclat” statt: Unter der Leitung von Rupert Huber singen und spielen das SWR Vokalensemble und das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart; die Solisten führt Otto Katzameier an, an seiner Seite Isabelle Müller-Cant (Sopran), Corby Welch (Tenor) sowie als Sprecher Markus Thill und Christian Brückner. Ein Termin für die österreichische Erstaufführung steht noch aus. (Text: Musikverlag Doblinger/hr).

Sonntag, 8. Februar 19 Uhr
Theaterhaus T1

SWR ATTACA in ECLAT

Bernd Richard Deutsch
Martyrium oder Die Dinge sind
Neurotisches Oratorium für Soli, Sprecher,
Chor und Orchester mit Videozuspielungen
Uraufführung

Isabelle Müller-Cant, Sopran
Vorby Welch, Tenor
Otto Katzameier, Bariton
Christian Brückner und Marcus Thill, Sprecher

SWR Vokalensemble Stuttgart
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung Rupert Huber

Ulrich Kaufmann, Video

Bernd Richard Deutsch: © Renate Publig, Doblinger

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