Bild (c) Sister Jones

„Unsere Entwicklung ist hin zum einfachen Popsong gegangen“ – SISTER JONES im mica-Interview

In Kürze präsentiert die Linzer Band SISTER JONES ihr drittes Album „Breathe“. HANNES EILMSTEINER und JAKOB KÖTTL sprachen mit Jürgen Plank über eine Tour durch Skandinavien und darüber, wie eine Nonne zur Namensgeberin für die Band wurde.

Sie waren vor Kurzem auf Tour in Norwegen, wie sind die Konzerte zustande gekommen?

Hannes Eilmsteiner: Ich habe bei einem Urlaub auf den Lofoten einen Veranstalter kennengelernt. Ich habe ihm ein Video von uns vorgespielt, das hat ihm gefallen und dann war es eines Tages so weit und wir sind nach Norwegen gefahren.

Jakob Köttl: Wir haben in unterschiedlichen Ortschaften auf den Lofoten drei Konzerte gespielt.

Gibt es ein Erlebnis, das Sie mit dieser Tour verbinden?

Jakob Köttl: Wir sind ziemlich viel in der Natur unterwegs gewesen. Das hat uns als Gruppe zusammengeschweißt. Hannes, unser Schlagzeuger, hat dort auch einige Texte geschrieben.

Hannes Eilmsteiner: Beeindruckend war ein Moment, in dem wir zusammengestanden sind und über uns ein Nordlicht war und sich gedreht hat. Das war ein bewegendes Erlebnis.

Jakob Köttl: Bevor wir das Nordlicht gesehen haben, haben wir in einem Proberaum gejammt und neue Lieder entwickelt.

„Wir zitieren gerne die Beatles […]“

Ihr neues Album heißt „Breathe“, inwiefern verweist das Album auf The Beatles?

Jakob Köttl: Es gibt ja die berühmte Geschichte des Kennenlernens von John Lennon und Yoko Ono. Er war nicht wirklich kunstinteressiert und hat diese Avantgarde eher belächelt. Paul McCartney hat Lennon zu einer Ausstellung mitgenommen und Yoko Ono war von ihm gar nicht so beeindruckt. Sie hat ihm einen kleinen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem ist „Breathe“ gestanden. Darauf spielen wir an.

Hannes Eilmsteiner: Wir zitieren gerne die Beatles, textlich wie musikalisch.

Wieso sind The Beatles wichtig für Sie?

Hannes Eilmsteiner: Weil sie die größte Popband der Welt sind. Weil sie die schönsten Melodien geschrieben haben und weil sie sich konsequent weiterentwickelt haben. Sie haben in vielen Bereichen Neuland betreten und mit einer 8-Spur-Maschine etwas gemacht, was viele nicht mit 24 Spuren zusammenbringen.

Jakob Köttl: Die Beatles waren das erste verbindende Element zwischen Hannes und mir, so haben wir einander kennen- und schätzen gelernt.

„Die Musik ist auf jeden Fall feingliedriger und offener für eine größere Hörerschaft geworden.“

Sister Jones (c) Bandarchiv

Wie sieht Ihre Weiterentwicklung seit Ihrem ersten Album aus?

Jakob Köttl: Die Musik ist auf jeden Fall feingliedriger und offener für eine größere Hörerschaft geworden. Unser erstes Album haben wir live im Studio eingespielt – ohne Overdubs, denn wir wollten einen sehr rauen Sound. Aber unser Zugang zum Songwriting hat sich geändert, wir sind sicher nicht mehr so komplex, wie wir damals geglaubt haben, sein zu müssen. Unsere Entwicklung ist hin zum einfachen Popsong gegangen.

Wenn man an die Musikszene in Linz denkt, dann denkt man an Punk und an Hip-Hop. Welchen Platz haben Sie für sich gefunden?

Jakob Köttl: Wir haben die Szene eigentlich von Anfang an ganz gut aufgemischt, weil wir das Problem hatten, dass wir von KAPU und Stadtwerkstatt ziemlich ignoriert worden sind. Wir haben begonnen, selbst zu veranstalten, und haben dabei auch jungen Bands die Möglichkeit gegeben, im Rahmen von „Der Mob“ zu spielen. Diese Reihe hat es einige Jahre lang gegeben. Seitdem lieben uns die Locations heiß. Die Szene in Linz ist nicht mehr so, dass man sagen kann, sie wäre berühmt für Hip-Hop oder Punk, wie es in den 1980er- und 1990er-Jahren war. Es gibt eine schöne Vielfalt.

Hannes Eilmsteiner: Wir haben uns in Linz auf jeden Fall ein Publikum erspielt, das regelmäßig zu unseren Konzerten kommt. Deswegen glaube ich sagen zu können, dass wir einen ganz guten Platz in der Linzer Szene haben.

Mit einem neuen Album bricht man immer auch zu neuen Ufern auf. Was hoffen Sie mit „Breathe“ zu erreichen?

Jakob Köttl: Natürlich wollen wir, dass sich unsere Musik möglichst gut verbreitet. Wir haben erstmals Partner für Vertrieb und Promotion an unserer Seite. Wir sind bewusst keinen Labelvertrag eingegangen, weil wir keine Rechte an der Musik abgeben wollten. Wir haben auch erstmals einen Booker, der uns für 2019 eine großartige Tour zusammengestellt hat.

Werden Sie wieder in Norwegen spielen?

Hannes Eilmsteiner: Im Herbst werden wir in Schweden sein. Wir werden in Locations spielen, in denen wir noch nie waren. Die Tour wird uns in Österreich auch nach Vorarlberg und nach Feldbach in der Steiermark führen. Der Tourauftakt ist im Chelsea in Wien. In Vöcklabruck, wo ich ursprünglich herkomme, haben wir sowieso einen fixen Platz.

„Bei ‚Whalebone’ hat man einfach die Weite des Landes und die harten Felsen spüren müssen.“

Bitte wählen Sie ein Lied aus und erzählen Sie uns etwas darüber.

Hannes Eilmsteiner: Ich greife „Whalebone“ heraus. Das Lied habe ich bei meinem ersten Norwegen-Besuch geschrieben. Im Lied geht es darum, wie mich die Landschaft dort berührt hat. Die Natur dort kann sehr gewalttätig sein, gerade im Winter. Das Lied hat auch einen mythischen Hintergrund, es kommen auch Gott Odin und ein Schlüssel, der aus einem Walknochen geschnitzt wurde, vor. Das geht in Richtung Sagen und das sind die Dinge, die ich in Norwegen vor Ort gespürt und von dort mitgenommen habe.

Jakob Köttl: Ich bin ja für das Songwriting zuständig, Hannes schreibt ja die Texte, übergibt diese dann an mich und ich komponiere die Melodien dazu. Bei „Whalebone“ hat man einfach die Weite des Landes und die harten Felsen spüren müssen: Da haben wir mit Pauken gearbeitet. Das Lied soll wie eine kleine Reise sein.

Und welches Lied wählen Sie, Jakob Köttl, aus?

Jakob Köttl: Ich nehme das letzte Lied des Albums heraus: „Between the trees“. Das ist eine einfache Ballade ohne Refrain, die für mich, was die Melodieführung betrifft, die interessanteste und gelungenste Nummer auf dem Album ist. Ich habe die Posaune einfach sehr flächige Sachen einspielen lassen, ohne dass der Posaunist etwas von dem Lied gehört hat. Er hat also keine Kopfhörer aufgehabt und hat gleichsam in die Leere hinein Overdubs gespielt. Da ist etwas sehr Wildes herausgekommen, das aber zu dieser ruhigen Ballade gut gepasst hat.

Gibt es ein übergeordnetes Thema auf diesem Album?

Jakob Köttl: Durch das ganze Album zieht sich das Naturthema: Da geht es auch darum, zu sagen, dass es wahrscheinlich nicht mehr allzu lange dauert, bis auf der Welt nicht mehr alles angenehm ist. Ich habe bei einem Lied eine alte Aufnahme von einem der letzten noch lebenden Indianer verwendet, der etwa 1910 indianische Weisen in ein Mikrofon gesungen hat. Und das zieht sich durch das ganze Lied, den hört man im Hintergrund.

Irgendwo habe ich gelesen, es habe innerhalb der Band eine Sinnkrise gegeben.

Hannes Eilmsteiner: Das kennen wahrscheinlich die meisten Bands in Österreich: Man tut und produziert und kommt nicht vom Fleck. Weil es einfach schwierig ist, dass man regelmäßig Konzerte hat, dass man Airplay bekommt, dass sich die Medien für einen interessieren. Solche Phasen sind natürlich auch schwer zu überstehen.

Wie ist der Bandname entstanden?

Hannes Eilmsteiner: Das ist eine wahre Geschichte: Ich bin durch die Landstraße in Linz gegangen und die Sonne hat mich geblendet. Plötzlich ist an mir eine beeindruckend schöne Nonne vorbeigegangen, sie hatte ein ebenmäßiges Gesicht wie eine griechische Statue und blonde Haare – und sie hat ein Namensschild getragen, auf dem stand: Sister Jones.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

Release-Tour:
30. Jänner 2019: Chelsea, Wien
15. März 2019: Glam, Feldbach
29. März 2019: Roeda, Steyr
6. April 2019: Jazzkeller, Krems
12. April 2019: OKH, Vöcklabruck
13. April 2019: Rockhouse, Salzburg
26. April 2019: Kramladen, Wien
16. Mai 2019: Stadtwerkstatt, Linz
17. Mai 2019: TamTam, Graz

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