Osterfestival Tirol
Osterfestival Tirol

Über das Leben: 30. Osterfestival Tirol

Von Alter bis Neuer Musik, von Performance/Tanz bis außereuropäisch, von Film bis Aktionen, von jung – am Beginn stehend – bis weltbekannt: alles vereint sich beim Osterfestival Tirol.

Die 30. Edition des international anerkannten Mehrsparten-Festivals steht 2018 unter dem Motto „über.leben“ und lädt vom 16. März bis 1. April mit österreichischen Erstaufführungen und einzigartigen Veranstaltungen nach Innsbruck und Hall in Tirol.

Bereits die Eröffnung der Jubiläumsausgabe (17. März) ist ein Abend voller Spannungen und Gegensätze. René Jacobs und das belgische B’Rock Orchester erforschen die Klangwelt der Schubert-Symphonien, der erste und einzige Abend in Österreich dieses Zyklus. Die existentielle Kraft der Musik von Dmitri Schostakowitsch, der einen Großteil seines Lebens in Angst verbrachte, lässt der russische Pianist Alexander Melnikov (28. März) erahnen. Einer der Bachspezialisten und Pioniere der Alten Musik, Philippe Herreweghe, macht mit seinem Collegium Vocale Gent die „Johannes-Passion“ von Johann Sebastian Bach erfahrbar.

Neben den Größen der Musik ziehen auch Erstaufführungen in den Bann: Helena Waldmann stellt in „Gute Pässe Schlechte Pässe“ (26. März) Kulturen, Menschen und (Tanz)Sprachen gegenüber, spielt mit ihnen und vermischt sie. Auf Identitätssuche geht das italienische Kollektiv Motus mit seinem Stück „MDLSX“ (31. März). Die italienische Performance-Ikone Silvia Calderoni sprengt die Grenzen von u.a. Nationalität und Körper mit einer Hymne an die Freiheit. Den glanzvollen, lebensfrohen und bewegten Endpunkt des Festivals bilden 12 Tänzer von Anne Teresa De Keersmaeker mit „Rain“ (1. April).

In der Neuen Musik entführt das ensemble recherche (21. März) in die Welt des Tiroler Komponisten Johannes Maria Staud sowie seiner Kolleginnen Younghi Pagh-Paan, Milica Djordjević und Lisa Streich. Ein besonderes Universum eröffnet sich mit Wolfgang Rihms „Et Lux“ (23.03.). Sein modernes Requiem schwebt zwischen der Musik des Mittelalters und jener der Gegenwert. Das für Alte Musik international renommierte Huelgas Ensemble (8 Stimmen) und das Minguet Quartett bringen die Schönheit dieser Musik zum Klingen.

Bereits im Vorfeld des Osterfestival Tirol gibt es eine Aussicht auf das, was kommt. Durch die Fastenzeit führen mit Musik und Text die „40 Orte“ (14. Februar bis 31. März). Junge Tiroler Musiker spielen Werke unterschiedlicher Epochen – eine Form von Inseln der Stille, des Innehaltens, in der sonst so getriebenen Zeit. Eine halbe Stunde freudiger Sinnlichkeit schenkt die Königin der Instrumente: OrgelSPIELE (samstags, ab 24. Februar bis 24. März). Fünf junge, in Tirol lebende Organisten versetzen mit Musik vom 17. Jahrhundert bis in unsere Zeit den Boden der Haller Pfarrkirche in Bewegung.

Abgerundet wird das Programm mit Filmen und Gesprächen, die das Thema „über.leben“ näher betrachten.

40 Orte

An 40 Orten finden täglich (außer an Sonntagen) um 15 Uhr 20 bis 30 Minuten des Innehaltens statt. Die Aktion ist unserer Gesellschaft gewidmet, die noch immer in Krieg, Unrecht, Elend und Leid versinkt. Text und Musik lassen kurz aufhorchen, provozieren Widerstand und das Aufleben der Utopie der Harmonie über die Kunst. Jeden Tag spielen und performen vor allem Tiroler Musiker, auch Kinder, sowie Künstler im und mit dem öffentlichen Raum. In diesem Jahr besuchen wir auch soziale Einrichtungen. Ab der 30. Edition werden wieder vermehrt kurze Werke Neuer Musik von Tiroler, österreichischen und internationalen Komponistinnen und Komponisten gespielt. 

Termine mit Neuer Musik:

Sa. 17. März 2018, 20.15 Uhr
Innsbruck, Congress (Saal Tirol)
Schubert
Symphonien Nr. I & VI
Ligeti Ramifications (1968/69)

B’Rock Orchestra
Ltg: René Jacobs

Das Jubiläum eröffnet René Jacobs mit seinem Wissen um Alte Musik. Sein Tiroldebüt gab er 1974 als Sänger im Duo mit Jordi Savall bei uns in Hall. 2018 beginnt er gemeinsam mit dem belgischen B‘Rock Orchestra Schuberts Symphonien zu erforschen: ein Komponist, der Jacobs schon sehr früh in seinen Bann gezogen hat. Ich liebe Schubert sehr, und durch ihn bin ich erst zur Musik gekommen. Als Knabe habe ich schon sehr viel Schubert gesungen.

Am Vorabend (Salon) führt uns Jacobs in seine Schubert-Welt: bis zur schwebenden Wirklichkeit von Ligetis Ramifications.

Mi. 21. März 2018, 20.15 Uhr
Hall, Salzlager

Staud, Pagh-Paan, Djordjević (ÖEA), Streich (ÖEA)

ensemble recherche

Eines der wichtigsten Ensembles für Neue Musik, das auch innerhalb des Osterfestival Tirol seine ersten Aufführungen hatte, stellt im Rahmen der
30. Edition Musik aus Korea, Serbien, Schweden und Österreich vor. Auf verschiedenste Weise wird das Thema über.leben ausgelotet: Im Dies- und Jenseits, im Leben und Tod und der Erlösung (Lisa Streich Fleisch), durch die Phänomene Zeit, Prozess, Veränderung und Körperlichkeit (Milica Djordjević Rdja/Rost), in Form zerbrechlichen Innehaltens und ekstatischen Ausbruchs (Johannes Maria Staud Wasserzeichen u.a.) und der demütigen menschlichen Existenz (Younghi Pagh-Paan Wundgeträumt). Ein einzigartiges Klangerlebnis.

Fr. 23. März 2018, 20.15 Uhr
Hall, Salzlager

Wolfgang Rihm Et Lux (2009)

Huelgas Ensemble
Minguet Quartett
Ltg: Paul Van Nevel

Mit Et Lux hat der deutsche Komponist ein modernes Requiem – eine musikalische Suche nach Ewigkeit – erschaffen. Im Zentrum steht für Rihm „et lux perpetua luceat …/ und das ewige Licht leuchte …“. In kreisendem Reflektieren werden die sowohl tröstlichen als auch tief beunruhigenden Schichten dieser Worte spürbar. Er verbindet die Musik des Mittelalters mit unserer Gegenwart – von Vokalpolyphonie der Renaissance bis hin zu den Streichquartetten von der Klassik bis heute – und lässt eine Stunde Wunder an Schönklang erstehen.

Mi. 28. März 2018, 20.15 Uhr
Hall, Salzlager

Schostakowitsch 24 Präludien und Fugen, op. 87 (1950/51)

Alexander Melnikov – Klavier

Angst und Widerstand stehen im Zentrum dieses Abends. Das Warten auf die Exekution hat mich mein Leben lang gemartert. Viele Seiten meiner Musik sprechen davon. Obgleich Schostakowitsch national wie auch international zu den wichtigsten Komponisten der Sowjetunion gehörte, hatte Lady Macbeth von Mzensk den Zorn Stalins entfacht. Bis zu dessen Tode musste er immer wieder mit vernichtender Kritik und in Angst leben. Seine 24 Präludien und Fugen, op.87 fallen in diese Zeit, sie sind Ausweg und gleichzeitig Zeuge seines Seelenzustandes. Nur selten sind sie in ihrer Gesamtheit und so authentisch im Ausdruck zu erleben.

Ostersonntag, 1. April 2018, 20.15 Uhr
Innsbruck, Congress (Dogana)

Rain (2001/2016, ÖEA)

Choreographie: Anne Teresa De Keersmaeker
Rosas
Mit Laura Bachman, Léa Dubois, Anika Edström Kawaji, Zoi Efstathiou, Yuika Hashimoto, Laura Maria Poletti, Soa Ratsifandrihana, Frank Gizycki, Robin Haghi, Luka Švajda, Lav Crnčević

Musik: Steve Reich

Rain ist das elektrisierendste Stück der belgischen Starchoreographin. Auf der Bühne entwickelt sich eine Form von Ekstase in der Bewegung, von Flut oder Feuer, die von einem Körper auf den anderen übergeht ohne jemals anzuhalten. Angetrieben werden die elf Tänzer von den unwiderstehlichen rhythmischen Wellen der Music for 18 Musicians. Sie werden Teil einer unbändigen Energie, die sie miteinander verbindet. Es entsteht ein einzigartiges Miteinander, ein brodelndes Netzwerk, in dem sich Atem und Geschwindigkeit vereinen. Ein Abend purer Lebensfreude.

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