Tanja Brüggemann-Stepien im Porträt

„Eine Komposition ruft nach Expression ihrerselbst.“ Unter dieser Prämisse arbeitend nimmt sich Tanja Brüggemann-Stepien selbst zurück und begibt sich immer wieder aufs Neue auf die Suche nach den Weiterführungen einer klanglichen Vorstellung aus ihrer inneren Notwendigkeit heraus. Derart unterschiedlich gestalten sich daher auch ihre Werke, die in intensiver Auseinandersetzung mit dem Material entstehen. Nicht nur in der Einbeziehung unterschiedlicher Stile, sondern auch im Umgang mit diversen Techniken, die in Form von Schnitt, Überblendung oder Zeitraffer etwa auch dem Film entnommen sein können, spiegeln die Offenheit der Komponistin; die Verwendung von außermusikalischen Klangerzeugern wie eines Papiershredders oder die Erweiterung der Musik um performative Elemente zeugen zudem von einem weitreichenden Musikverständnis. Dies rührt auch daher, dass sich die Komponistin immer wieder auf die Suche nach den Möglichkeiten über den geglaubten Rand hinaus macht und sich dabei gerne selber überraschen lässt. (dw)

Lebenslauf

Tanja Brüggemann-Stepien, geboren 15.9.1970 in Linz, erhielt ihren ersten Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren am Brucknerkonservatorium Linz, darauf folgten Studien in Klavier, Jazzklavier, Komposition und Musikwissenschaften in Linz und Wien, sowie ein Kompositionsstudium in London. Am Brucknerkonservatorium Linz schloss sie zudem das Studium der Instrumentalpädagogik ab und unterrichtet seit 1995 in Musikschulen in Oberösterreich; aktiv war sie außerdem beim Musikvermittlungsprojekt Klangnetze. Meisterkurse absolvierte sie bei José Manuel López López, Fabio Nieder und Klaus Huber. Im Rahmen von Erasmus studierte sie in Łódź/Polen bei Zygmunt Krauze   und bei Krzysztof Knittel elektroakustische Komposition und schloss ebendort das Postgraduate-Studium für Film- und Audiovisuelle Komposition der Musikakademie ab. 2011 absolvierte sie mit Auszeichnung das Bachelorstudium Komposition bei Adriana Hölszky, sowie Tonsatz und Kontrapunkt bei Alexander Müllenbach an der Universität Mozarteum Salzburg. Seit 2012 verfolgt sie ein Masterstudium bei Tristan Murail.

Werke (Auswahl)

Fliegende Leitern (2012)
für Sopran, Altflöte (Bassflöte), Klarinette B, Violoncello, Klavier, Zuspielung
nach einem Bild von Louise Bourgois „Unconcious Compulsive Thoughts“ sowie einem Text aus „Confessiones“ des  Augustinus von Hippo

Was wahr ist (2011)
für Sopran, Flöte, Klarinette, Cello und Zuspielband
nach dem gleichnamigenlGedicht von Ingeborg Bachmann

Somata Ison Pneumata I & II (2008–09)
Streichquartett, Es und Bassklarinette, Piccolo und gr. Flöte, Klavier bzw. Streichquartett, Holzbläserquintett

Sand auf meinen Schuhn (2010)
nach 2 Gedichten von  Thomas Bernhard
Tenor ( Countertenor ), Violine, Violoncello, Klavier, Crotales, Basskalimba

Knochenmann (2009)
nach einem Gedicht von Francois Wetterwald
4 Frauenstimmen, B-Klarinette, Akkordeon, Schlagzeug

Spring/Pavasaris/Frühling (2009)
nach dem gleichnamigen Gedicht von Salomeja Neris
Oberstimmenchor, 3 Bratschen,2 Celli, 1 Kontrabass, präpariertes Klavier

Spiegelungen Brücken umfliessenderKlänge (2008)
Blockflöte (Subbass-, Tenor- und Altflöte), präpariertes Klavier
Aufträge

Stadt Linz, Universität Mozarteum Salzburg, Aspekte Salzburg, Linz 2009 – Kulturhauptstadt Europas, KlangFluss, Janus Ensemble, Gemeinde Ansfelden, ÖGZM

Auszeichnungen und Förderungen

1981 Jugend musiziert: Gewinnerin
1995 Helmut-Schiff-Schenkung: Preisträgerin
Das Podium: Gewinnerin in der Kategorie Ensemble mit George Crumbs “Vox Ballaenae”
1993 Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur: Kompositionsstipendium in London bei Francis Shaw
2011 Förderung der Teilnahme am Meisterkurs der Sommerakademie der Universität Mozarteum Salzburg
2010/11 Förderung des Auslandsstudiums in Łódź/Polen von der Landesregierung Oberösterreich
2011 Förderung der Raab Stiftung für Auslandsstudium in Łódź/Polen

Aufführungen

Treffpunkt Neue Musik Ö1, ÖGZM, Residenzgalerie Salzburg, Musica Moderna  Łódź/Polen, Brucknerhaus Linz, Meetingpoint Messiaen Görlitz-Zgorzelec: Composing on the Continent, Akkordeon Plus – Vinzentium, Brixen/ Südtirol, Universität Mozarteum Salzburg, Klangfluss,
interdisziplinäre Kooperationen: Klangwerkstatt-  Linz-Lentos Kunstmuseum, Kunstuniversität Linz, Galeria Manhattan Łódź/Polen: Installation – Prolog Ulewa

Literatur

Contemporary Composers + Composing on the Continent, Hrsg: Meetingpoint Music Messiaen ISBN 978-3-00-036084-8

http://www.tanja-brueggemann-stepien.com