SYNESTHETIC IVO – „Live at Kallmanboom“

Eine wunderbar schräge und zudem hochgradig eigene Note zwischen verschiedenen stilistischen Stühlen: VINCENT PONGRACZ lässt als SYNESTHETIC IVO auf seinem Solo-Album „Live at Kallmanboom“ Musik auf wirklich spannende Art aus dem gewöhnlichen Rahmen fallen.

Cover “Live at Kallmanboom”

Vincent Pongracz zeigt sich auf seinem Solodebüt als ein Künstler mit ganz eigenen musikalischen Vorstellungen, mit solchen, die einer eigenen Linie folgen und doch recht weit abseits der musikalischen Norm verlaufen. In der Musik des eigenwilligen Wieners verhält sich so einiges etwas anderes: der verspielte Sound, die vertrackte Rhythmik, die von dem Künstler erfundene dadaistisch angehauchte Kunstsprache, die Strukturen der Nummern, irgendwie fällt alles etwas aus dem konventionellen Rahmen, und dennoch, es bildet sich aus allem ein unverkennbarer musikalischer Charakter heraus, der zu einer intensiveren Auseinandersetzung veranlasst.

Der ursprünglich aus dem Jazz stammende Klarinettist und Komponist verwirklicht auf „Live at Kallmanboom“ – wie auch schon mit seinen Bandprojekten Synesthetic Octet und Synesthetic4 davor – einen Klang, der sich in schönster Crossover-Manier aus Elementen verschiedenster stilistischer Richtungen verwebt. Hip-Hop trifft auf improvisierenden Jazz und experimentelle Clubsounds, dazu eine Prise Neue Musik und der schon erwähnte ungewöhnliche Umgang mit Sprache und fertig sind Nummern, die nicht einmal mit großer Fantasie irgendeiner Kategorie exakt zuzuordnen sind.

Aber genau aus dieser Undefinierbarkeit, aus dieser musikalischen Eigenheit bezieht das von Synesthetic IVO Dargebrachte auch seine Spannung. Was man zu hören bekommt, ist etwas wirklich nicht Alltägliches, etwas im Ton leicht Schräges aber ausgesprochen Stimmungsvolles, auf jeden Fall etwas, das wirklich seine eigene Geschichte erzählt.

„Live at Kallmanboom“ ist ein Album geworden, auf dem genüsslich mit allen musikalischen Regeln gebrochen wird, um etwas Neuartiges entstehen zu lassen. Vincent Pongracz entpuppt sich als Synesthetic IVO als ein echter musikalischer Freigeist, dem es in spannender Art gelingt, unverkennbare Akzente zu setzen, sein Sound ist einer, der hinhören lässt, fordert aber auch – und das ist das Entscheidende – in hohem Maße unterhält.

Michael Ternai

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Synesthetic IVO live
29.9.2021 Rhiz, Wien, Albumrelease

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Links:
Vincent Pongracz
Synesthetic4 (Facebook)