Bild Dives
DIVES (c) Tina Bauer

Surfrock auf einer Wellenlänge – DIVES im mica-Porträt

Das erste Album, ein eigenes Musikvideo, „FM4 Soundpark Act“ im Monat November, eine Vielzahl an Auftritten in Österreich und eine erste kurze Tour durch Deutschland: 2017 lief rund für die Surfrock- und Garage-Punk-Band DIVES. Mit neuen Videoplänen, einem frischen Song und jeder Menge schon fixierter Konzerttermine beginnt das Jahr 2018 nicht weniger vielversprechend für DORA DE GOEDEREN (Drums), VIKTORIA KIRNER (Bass, Vocals) und TAMARA LEICHTFRIED (Gitarre, Vocals).

Beim ersten Gig des Jahres, der Anfang Jänner im überschaubar großen Café Stadtbahn in Wien stattfand, zählte die Facebook-Veranstaltungsseite des Konzerts über 700 Interessierte. So manchem Fan, der an diesem Abend gekommen war, um DIVES zu hören, blieb dieser Wunsch verwehrt. Angesichts der erfolgreichen Album-Release-Show, die nur wenige Wochen zuvor im Wiener fluc stattgefunden hatte, verwundert dies nicht. Mit ihrem gleichnamigen Minialbum, veröffentlicht unter dem Label „Siluh Records“ und produziert von Wolfgang Möstl, konnten sich DIVES einen Namen machen, dem die Kapazitäten kleiner Gratisbühnen längst nicht mehr gerecht werden.

Die Gedanken fliegen lassen

DIVES vermitteln bei ihren Konzerten den Eindruck eines eingeschworenen Teams. Gelegentliche Wechsel an den Instrumenten und am Mikrofon führen dazu, dass entweder keine oder alle drei der Musikerinnen gleichzeitig als „Frontfrau“ wahrgenommen werden. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Songschreiben agieren die drei auf derselben Augenhöhe: „Bei uns schreibt nicht eine Person einen Song, damit ihn die anderen dann mit ihren Instrumenten nur noch zum Leben erwecken müssen. Wir leisten alle denselben kreativen Input“, so Viktoria Kirner. Obwohl – oder vielleicht sogar weil – alle auch noch in anderen Bands spielen, haben die drei einen unverkennbaren gemeinsamen Stil gefunden: „Mit der Art von Musik, die intuitiv aus uns herauskommt, sind wir auf einer Wellenlänge.“

Eine schöne Metapher, schließlich ordnen sich DIVES neben Garage Punk mit Indie-Pop-Elementen auch dem Genre „Surfrock“ zu. Starke Gitarre und Schlagzeug, ein subtiler Bass und eine helle Stimme, über oder unter die sich wohldosiert immer wieder eine zweite legt, machen diese gemeinsame Wellenlänge deutlich hör- und spürbar. Bei DIVES’ heiteren bis düsteren Melodien aus oft nur wenigen Tönen können die Gedanken beim Zuhören ungebremst fliegen. 

Akustische, inhaltliche und visuelle Stilsicherheit

DIVES’ Songs sind weder Gute-Laune-Musik, noch sind sie mit übertriebener Bedeutungsschwere aufgeladen. Sie sind leicht zugänglich und trotzdem nicht banal; energetisch und emotionsgeladen, manchmal hart und manchmal sensibel, jedoch ohne Hang zur Melancholie. So klingt etwa die oft wiederholte Zeile „How can you feel when your hearts are made of stone?“ in der Nummer „Tomorrow“ weder kitschig noch traurig, sondern auf kraftvolle Art und Weise ehrlich fragend. All diese Gleichzeitigkeiten bilden keinen erzwungenen Kompromiss, sondern sind vielmehr Merkmale eines Stils, der DIVES und ihre Musik einprägsam werden lässt, ohne dabei austauschbar zu sein. Musik, Lyrics und Optik – Letztere sowohl auf Albumcover, Videoästhetik und Bühnenauftritte bezogen – ergeben akustisch, inhaltlich und visuell ein stimmiges Gesamtbild. Mit einer geheimnisvollen Eleganz, ohne großen Schnickschnack, trotzdem nie flach. Das klare Konzept spiegelt sich auch in der Betitelung der Albumsongs wider, die allesamt Ein-Wort-Namen tragen: „Shrimp“, „Concrete“, „Roof“, „Tomorrow“, „Drum“, „Squeeze“.

Bild Dives
DIVES (c) Anna Breit

Empowerment, Macht und Möglichkeit

Bei so viel Harmonie könnte man denken, DIVES seien schon seit vielen Jahren zusammen aktiv. Tatsächlich lernten sich Viktoria Kirner, Dora de Goederen und Tamara Leichtfried aber erst 2015 beim Pink Noise Girls Rock Camp in Linz kennen, im Rahmen dessen junge Frauen und Mädchen eine Woche lang miteinander Musik machen und am Ende ein gemeinsames Konzert spielen. „Hauptziel des Camps ist es nicht, Bands zu produzieren. Das ist eigentlich nur ein schöner Nebeneffekt. Das wesentliche Ziel ist Empowerment von jungen Frauen über die Musik und dabei gleichzeitig das Öffnen einer Sphäre, die es ermöglicht, ausprobieren zu können und das zu kreieren, was einem gefällt“, erzählt Dora de Goederen. „Sich selbst inszenieren zu dürfen, sich auf einer Bühne so zu präsentieren, wie man das möchte, das ist mit einem Risiko verbunden. Andererseits bedeutet es aber auch Macht und Möglichkeit.“

Das Bandprojekt sollte das Girls Rock Camp überdauern. Von Anfang an arbeiteten die drei Musikerinnen mit hohem Professionalitätsanspruch: „Wir hatten von Beginn an eine hohe Erwartungshaltung an das, was wir machen. Deswegen haben wir erstmal fast ein Dreivierteljahr im Proberaum verbracht, bevor wir nach dem Camp wieder aufgetreten sind“, erklärt Tamara Leichtfried. Erst in dieser Zeit sei auch der Name DIVES entstanden, stellvertretend für „Tauchgänge“, „Spelunke“ und auch Assoziationen weckend zum Genre Surfrock. Wohin ihre Tauchgänge DIVES noch führen werden – es bleibt spannend.

Anna Lischka

DIVES live
23.02. Kapu, Linz
23.03. Flex, Wien
31.03. Triebwerk, Wr. Neustadt

Links:
DIVES (Facebook)
Siluh Records