START – FESTIVAL AKTUELLER MUSIK in der ARGEKULTUR SALZBURG

Das heurige START FESTIVAL lotet erneut die Grenzräume und Potenziale avancierter Neuer Musik aus und verspricht mit Uraufführungen von WERNER RADITSCHNIG und ALEXANDER BAUER sowie Gastbeiträgen von GERO KOENIG und MARCO DÖTTLINGER drei äußerst spannende Abende. Die Koproduktion von OENM und ARGEKULTUR beschäftigt sich mitdem akustischen Weg hin zum Stillstand. Dieser Prozess hin zur Stille ist nicht gleichförmig, sondern kann unterschiedliche akustische Positionen einnehmen. Die langsam ausklingenden und ausschwingenden rhythmischen Strukturen eines Organismus werden musikalisch neu interpretiert“.

Realisiert wird das Auftragswerk „Kerberos Score“ mit zwei höchst unterschiedlichen Komponisten. Der junge Komponist Alexander Bauer, geboren 1993, studiert zurzeit an der Universität Mozarteum und hat schon einige Kompositionen mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik (oenm) realisiert. Seine Arbeit „außer Sicht. vergehen und werden.” (Ausschnitt einer Umordnung für Midiflügel und Streicher) orientiert sich an den biologischen Vorgängen des menschlichen Körpers während des Sterbeprozesses. Der Vorgang des Sterbens geschieht vielschichtig, die Funktionen der Organe erlöschen über unterschiedlich lange Zeiträume, manche innerhalb von Minuten, manche innerhalb von Stunden. Grundlage des Werks ist eine Überlagerung verschiedener Prozesse, welche nach und nach erlöschen, aber innerhalb dieses Erlöschens einen Raum für andere, dahinterliegende Vorgänge erschließen und diese hörbar machen.

Der Komponist Werner Raditschnig, geboren 1948, gehört zu den renommiertesten Pionieren für zeitgenössische Musik in Salzburg, besonders an der Schnittstelle zur elektronischen Musik. Sein Werk „Zwischen” (eine akustische Abhandlung für zwei Celli und Zuspielungen) nimmt sich schlicht das Cello zur Grundlage. Saite für Saite wird ein Klang vom Rauschen am Holz des Steges bis zu den Obertönen in die originäre Anstrichposition abgetastet und digitalisiert. Elementare musikalische Elemente unterschiedlicher Spiel- und Klangtechniken – als Urzellen musikalischer Handlungen definiert und so als Klangfiles diversen Manipulationen zugeführt – lassen neue Generationen entstehen. Aus dieser eher musikalisch elementaren physikalischen Situation treten urplötzlich und schemenhaft die Geister der neuen Musik, eine Invasion von Mikrostrukturen bilden ein Pluriversium, in welches nun durch selektive Auslöschungen, Stockungen, Einfrierungen ein System des geordneten Verlöschens eingreift.

Als Gäste präsentiert das stART 2016 dabei den Kölner Künstler Gero Koenig und den in Salzburg lebenden Komponisten Marco Döttlinger. Gero Koenig hat eine weltweit einzigartige Instrumental-Installation entwickelt, den „Chordeograph“. Es handelt sich dabei um eine offene Installation mit 38 Saiten – abgeleitet von der Konzeption eines Klaviers, jedoch völlig ohne klassische Resonanzkörperstrukturen –, welche mit verschiedenen von ihm entwickelten Acrylglasschabern zum Klingen gebracht werden.

In ihrem Projekt „Klangaktion Chordeograph“ (15. und 16. September 2016) haben sich Werner Raditschnig und Gero Koenig die Aufgabe gestellt, analoge Klangzyklen zu verwirklichen: Wiederkehrende stabile Zustände werden in dynamische Klangfelder transformiert und geben im Moment des Übergangs dem Unvorhersehbaren Raum. „Aus meiner Klangforschung habe ich in 5 Jahren kontinuierlicher Entwicklungsarbeit das instrumentale Design des Klaviers und sein statisches Tonsystem überwunden und das Instrument Chordeograph fertiggestellt. Die resonatorischen Möglichkeiten des Klaviers werden in einem kontinuierlichen Klangspektrum vom breitbandigen Rauschen bis zum Unisono dynamisch ausgelotet“, so Gero Koenig.

Bei den Elektropolychorden von Werner Raditschnig handelt es sich um die Überwindung der Gitarre mit ihren manuellen Spieltechniken zugunsten elektroakustischer Langtonaktionen.

Am 20. September 2016 gibt es dann als „Gastbeitrag“ Marco Döttlingers „Kontinuum 4 Streichinstrumente und 4 elektro-akustische Klangobjekte”, wobei es um „die Frage nach zeitlicher Skalierung von akustischen Phänomenen und deren Perzeption“ gehen wird.

Didi Neidhart

 

ARGE neue musik – stART 2016 „Kerberos Score“ – ein inszeniertes Konzert

Mit Uraufführungen von Werner Raditschnig und Alexander Bauer. Gast: Gero Koenig. Es spielt das oenm.

Don, 15.09.2016 & Fre, 16.09.2016 – 20.00

Werner Raditschnig: _“Zwischen” – eine akustische Abhandlung für 2 Celli und Zuspielungen
Ausführende: Peter Sigl: Cello verstärkt, Werner Raditschnig: E-Cello präpariert, Zuspielungen

Alexander Bauer: “außer Sicht. vergehen und werden.”
Ausführende: Michaela Girardi: Violine, Jutas Jávorka: Viola, Peter Sigl: Violoncello, Alexandra Lechner: Kontrabass, Alexander Bauer: Elektronik

Gero Koenig/Werner Raditschnig: _“Klangaktion Chordeograph”
Ausführende: Gero Koenig: Chordeograph, Werner Raditschnig: Elektropolychorde

Die, 20.09.2016 – 20.00

Werner Raditschnig: “Zwischen” eine akustische Abhandlung für 2 Celli und Zuspielungen

Alexander Bauer: “außer Sicht. vergehen und werden.”

Marco Döttlinger: “Kontinuum 4 Streichinstrumente und 4 elektro-akustische Klangobjekte”

Ausführende: Michaela Girardi: Violine, Jutas Jávorka: Viola, Peter Sigl: Violoncello, Alexandra Lechner: Kontrabass


Link:

stART 2016 – ARGEkultur