Jeanne & Gilles / Lisa Rombach und Paul Schweinester (c) sirene

Sirene Operntheater: Jeanne & Gilles / Totenschiff (UA)

Das SIRENE OPERNTHEATER eröffnet die kommende Saison mit zwei Produktionen, die von (menschlichen) Katastrophen erzählen. 

Katastrophen – FEUER UND WASSER

In den beiden Herbstproduktionen vom sirene Operntheater geht es um Feuer und Wasser, menschliche Tragödien und andere Katastrophen. Um Feuer bei der Geschichte „Jeanne & Gilles”, wobei Jeanne d’Arc bekanntlich 1431 am Scheiterhaufen verbrannt wurde und der junge Graf Gilles de Rais ein enger Kampfgefährte Johanna von Orléans im Hundertjährigen Krieg war, in späteren Jahren aber auch Alchimist, Folterer und Serienmörder. Autorin Kristine Tornquist beleuchtet die euphorisierende und die traumatisierende Seite des Krieges, Komponist François-Pierre Descamps schrieb dazu eine energische, eindringlich-modale Musik von schillernder Expressivität. Um eine Katastrophe zu Wasser geht es bei B. Travens „Das Totenschiff”, wo der Seemann Gales seiner Papiere verlustig geht, erfahren muss, dass Menschen ohne Ausweispapiere gar nicht existieren und er als Rechtloser und Abgeschobener durch die Weltmeere fährt. Der Komponist Oskar Aichinger ist in allen Stilen zuhause, er hat eine reiche, emotionale, dabei aber der Dramatik verpflichtete Musik geschrieben, ohne jemals sentimental zu werden. Die Inszenierung von Kristine Tornquist hat im Rahmen von WIEN MODERN am 24. November Premiere.

JEANNE & GILLES (UA)

Jeanne & Gilles (c) sirene

Die Kammeroper „Jeanne & Gilles” von Francois-Pierre Descamps und Kristine Tornquist arbeitet unter dem Motto „Feuer” eine historische, aber zeitlos leidenschaftliche Liebesgeschichte auf: sie erzählt von das Verhältnis zwischen der charismatischen Jeanne d’Arc und ihrem Feldmarschall Gilles de Rais. Gilles verehrt die rätselhafte Jungfrau, doch seine Sehnsucht wird nicht erfüllt, denn Jeanne hat Wichtigeres zu tun als zu lieben. Sie ist ganz dem Krieg ergeben, watet unerschütterlich durch Blut und Greuel und zieht ihre Schlachtgefährten mit. Wo Jeanne die Stimme des Sieges hört, hört Gilles die Todesschreie seiner Opfer, die ihn fortan quälen. Nur der Glaube, dass Jeanne Gott und damit die Moral auf ihrer Seite hat, kann ihn beruhigen. Er hofft auf die Zeit nach dem Krieg. Seine Hoffnung wird mit Jeanne auf dem Scheiterhaufen verbrannt. So zieht sich Gilles de Rais von den Schlachtfeldern in sein dunkles Schloss zurück, um in den Schreien seiner Opfer Jeannes Stimme zu beschwören. Eine Metapher des Krieges, der voran seine glänzende, heroische Seite – und im langen Nachhinein die Zerstörungen in den Seelen der Überlebenden zeigt.

Totenschiff (UA)

Totenschiff (c) sirene

Geld und Gesetz machen in B. Travens „Totenschiff” gemeinsame Sache. Wer nämlich ersteres nicht hat, auf dessen Seite steht das zweitere nicht. Und wer das Gesetz nicht auf seiner Seite hat, ist als Rechtloser verraten und ans Geld verkauft. Gale, der Held des Totenschiff landet, nachdem er seine Papiere verloren hat, unversehens auf der Seite derer, die keine Rechte mehr haben. Ohne Papiere und Aufenthaltsgenehmigung von der Staatengesellschaft an Land nicht mehr geduldet, bleibt ihm nur, aufs Meer auszuweichen. Doch auch auf See muss er auf den sogenannten Totenschiffen anheuern, schwimmenden Höllen wie der Yorikke, die als Schmuggelware Waffen im rechtsfreien Raum der Weltmeere bewegen oder – wie die Lucona und im Roman die Empreß of Madagaskar – nur noch durch ihren Untergang als Versicherungsfall dienen.

SIRENE OPERNTHEATER

sirene entstand 1998 aus der Zusammenarbeit von Kristine Tornquist und Jury Everhartz als Podium für neues Musiktheater. Inzwischen hat es 29 Uraufführungen mit 51 Opern und Kurzopern auf die Bühne gebracht und sich darüber hinaus experimentellen Projekte gewidmet. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Zusammenarbeit mit Autoren und Komponisten aus und in Österreich. 2017 erhielt das sirene Operntheater den österreichischen Musiktheaterpreis. .

 

Jeanne & Gilles (Uraufführung im Rahmen des Festivals FIEBER FEUER FLAMME)  
Termine: 21./23./26./27./28./29. September 2018 (Beginn: 20.00 Uhr), Reaktor Wien

Totenschiff (Uraufführung im Rahmen des Festivals WIEN MODERN)
Premiere am 24. November 2018, 16:00 Uhr, 25. November 2018, 16:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 26., 27., 28., 29. November, jeweils um 19:30 Uhr

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