Salesny/Schabata/Preuschl/Joos – Live

Es gibt Bandprojekte, die einfach aus dem Rahmen fallen, zeigen sich deren musikalischen Ausrichtungen doch als die etwas anderen und nicht gewöhnlichen. Genau von einem solchen kann man auch bei Salesny/Schabata/Preuschl/Joos sprechen. Was dieses Jazz-Quartett nämlich zur hohen Kunstform erhoben hat und auch eindrucksvoll zu zelebrieren versteht, ist schlicht das Überwinden vermeintlicher Grenzen, und zwar die zwischen den Generationen wie auch jene der stilistischen Natur. Eben erschienen ist mit „Live“ (Jazzwerkstatt Records) die zweite CD des österreichisch-deutschen Vierergespanns, die am 25. Oktober im Café Publik im Festspielhaus St. Pölten präsentiert wird.

Es kommen hier vier Instrumentalisten zusammen, deren Klangsprachen und Ansätze sehr verschieden ausgeprägt sind, was natürlich aufgrund der unterschiedlichen musikalischen Sozialisation ja auch nicht wirklich verwunderlich ist. Aber genau dieser Punkt eben macht auch den besonderen Reiz dieser generationenübergreifenden Bandkonstellation aus. Clemens Salesny (Altsaxophon, Bassklarinette), Raphael Preuschl (Bass), die beiden Vertreter der jungen Generation aus dem Hause der Wiener Jazzwerkstatt, der 1955 in Wien geborene Vibraphonist und Mitbegründer des Vienna Art Orchestras Woody Schabata  und der deutsche Jazztrompeter bzw. -flügelhornist Herbert Joos (Jahrgang 1940) gehen allesamt sehr unterschiedlich mit dem Begriff des Jazz um. Was sie aber eint, ist ihr Drang, sich doch immer wieder des Korsetts des Festgeschriebenen zu entledigen.

Seit einigen Jahren nun schon gemeinsam musizierend, haben sie sich im Laufe der Zeit in einem Sound gefunden, der sich als ein an spielerischen Facetten sehr reicher und weit über die üblichen Genreüberschriften hinausgehender zeigt. Die modernen Ansätze wird von dem österreichisch-deutschen Bandkollektiv ebenso verfolgt, wie auch die respektvolle Rückbesinnung auf die traditionellen Spielformen, das europäische im Jazz wird ebenfalls zur Geltung gebracht, wie auch das amerikanische. Das weite Musikverständnis der sich in diesem Projekt auf gleicher Augenhöhe begegnenden Clemens Salesny, Raphael Preuschl, Woody Schabata und Herbert Joos zeigt sich auch darin, dass es ihnen gelingt, ihrer Musik trotz aller Komplexität jegliche Kopflastigkeit zu nehmen. Sie befindet sich in einem steten Fluss, weiß Emotionen zu erwecken und vermag mit vielen spontanen und raffinierten Brüchen und Wendungen zu überraschen.

„Live“ ist ein Album geworden, das einfach einlädt, sich mit diesem zu befassen und es zu entdecken, zeigt es den modernen Jazz doch in seiner erfrischend verspielten und sehr abwechslungsreichen Form. (mt)

Termine
25.10., Café Publik/Festspielhaus, St. Pölten
26.10., Porgy & Bess, Wien