Ramsch & Rosen – Bellver

Wenn sich zwei MusikerInnen wie Julia Lacherstorfer (Geige, Bratsche, Stimme) und Simon Zöchbauer (Zither, Trompete, Stimme) einmal dazu entschließen, gemeinsame Sache zu machen, dann darf man doch schon mit etwas besonderem rechnen. Und so ist es auch. Was die beiden musikalisch nämlich im Duo als Ramsch & Rosen auf ihrem neuen Album „Bellver“ (Lotus Records) abliefern, zeigt sich als eine überaus abwechslungsreiche, bunte und unter die Haut gehende Reise von den traditionellen (Volkmusik-) Klängen der vergangenen Tage hin zu den stileübergreifenden der Gegenwart.

Wer mit den vielen Betätigungsfeldern von Julia Lacherstorfer (u.a. ALMA, Neuschnee, Aufstrich) und Simon Zöchbauer (u.a. Federspiel) vertraut ist, der kann sich schon in etwa ausmalen, in welche Richtung es die beiden verschlägt. Das einfache Wiedergeben oder Zitieren des Altbekannten ist von ihnen definitiv nicht zu erwarten. Wobei die beiden aber keineswegs einen Hehl aus ihren musikalischen Wurzeln machen. Sie stammen aus der Volksmusik, sind mit ihr aufgewachsen und haben sie immer auch schon gespielt, nur vielleicht eben nicht unbedingt traditionskonform, sondern immer auch mit einem Blick über den eigenen musikalischen Tellerrand hinaus. Im ihrem gemeinsamen Duo Ramsch & Rosen spinnen die Oberösterreicherin und der Niederösterreicher diesen Ansatz nun weiter. Sie verweben die Volkmusik in kunstvoller Weise mit Elementen anderer Spielformen und Stile, sie lassen deren Melodien auf den Jazz, die Klassik und auch andere Weltmusiken treffen, und entheben sie dadurch mit erfrischend undogmatischer Note ihrem ursprünglichen Kontext.

Vielleicht noch ein wenig mehr als die große klangliche Vielfalt imponiert die Art, mit welcher Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer ihre Stücke mit Leben zu erfüllen. Mit viel, viel Gefühl, nicht weniger Spielwitz und mit einem deutlich ausgeprägten Hang zum Poetischen, formen sich Ramsch & Rosen ein ergreifendes Klangtheater, eines, das mit einem deutlichen Mehr an Atmosphäre, Stimmung und Tiefgang aufwartet, als man es sonst gewohnt ist. Auch weil bewusst zurückhaltend an die Sache herangegangen wird. Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer lassen ihren Stücken bewusst alle Zeit, die diese benötigen, sich über wunderbar langgezogene und weite Spannungsbögen, gelegentliche verspielte Einwürfe und auch das eine oder andere kleine Klangexperiment wirklich in ihrer Ganzheit zu entfalten.

“Bellver” ist ein Album geworden, das, je öfter man es sich anhört, mehr und mehr wächst und an Intensität gewinnt. Ramsch & Rosen bringen Stücke zu Gehör, die einfach träumen lassen und einladen, sich entspannt zurückzulehnen, um sich voll und ganz diesem wunderbaren Hörerlebnis hinzugeben. (mt)

Foto Ramsch & Rosen: Philipp Kerber

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http://www.lotusrecords.at/