RADIO.STRING.QUARTET – „in between silence“

Ein musikalisches Erlebnis mit ganz eigener Note, wunderschön im Klang, fantasievoll und stilistisch fern jeder exakten Verortung – genau ein solches bietet das RADIO.STRING.QUARTET auf seinem neuen Album „in between silence“ (Jazzland Recordings Norway) auf unnachahmliche Weise dar.

Das radio.string.quartet pflegte schon auf seinen bisherigen Veröffentlichungen einen Klang, der nicht wirklich den gängigen musikalischen Kategorisierungen entsprach. Das österreichisch-taiwanesisch-niederländische Vierergespann machte es sich genüsslich zwischen den stilistischen Stühlen bequem, ließ sich aus den unterschiedlichsten Richtungen inspirieren und vollführte in wunderbar grenzüberschreitender Crossover-Manier das kunstvolle Verweben des musikalisch Verschiedenen. Ein Ansatz, der auch auf dem neuen, mittlerweile sechsten Album seine aufregende Fortsetzung findet.

Aufregende weite Spannung und viel Atmosphäre

Bernie Mallinger (Violine), Cynthia Liao (Viola), Sophie Abraham (Cello) und Igmar Jenner (Violine) zeigen sich auf „in between silence“ als eine Formation, der es auf wirklich aufregende Weise gelingt, aus der musikalischen Vielfalt etwas Ureigenes zu formen, einen Sound, in dem die verschiedenen Dinge auf ganz faszinierende Art zu einer packenden Geschichte verwoben sind. Das Quartett, das bei den Aufnahmen unter anderem von dem norwegischen Nu-Jazz-Pionier Bugge Wesseltoft und dem Berliner Techno-Pionier Henrik Schwarz unterstützt wurden, schöpft aus dem Vollen. Es bedient sich der Klassik und der Kammermusik, wagt Ausflüge in den Jazz, Pop und Ambient und vermengt Fusion mit Rock und Elektronik. Dem Ideenreichtum und der Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt.

Cover “in between silence”

Was besonders beeindruckt, ist, wie die zwei Damen und die zwei Herren die vielen einzelnen Elementen in Stücke gießen, wie sie vielschichtige und detailreich ausgearbeitete Spannungsbögen formen, die – auch aufgrund der bewussten Zurückhaltung der vier Beteiligten – eine ungemein dichte Atmosphäre entwickeln. Die Musik des radio.string.quartet ist voller Gefühl und Tiefe. Man wird durch geheimnisvolle ferne Welten geführt, sanft und leidenschaftlich von der schönsten Melancholie umschmeichelt und beizeiten auch von einer unbeschwerten Leichtigkeit gepackt. Auch an teils schrägen beziehungsweise dramatischen Ausbrüchen, die immer wieder überraschende Wendungen bieten, mangelt es nicht.

Das radio.string.quartet liefert mit „in between silence“ einmal mehr einen richtig schönen Beweis für seine außergewöhnlichen Qualitäten ab. Das neue Album des Vierers offenbart sich als ein fesselndes Stück Musik, das in einem wirklich etwas auslöst. Richtig, richtig stark.

Michael Ternai

 

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