Premiere: HK ("Nali") Gruber mit 100 Philharmonikern und 40 Schülern der Volkschule "Kunterbunt"

Premiere: HK (“Nali”) Gruber mit 100 Philharmonikern und 40 Schülern der Volkschule “Kunterbunt”Bereits vergangenes Wochenende fand im Konzerthaus  ein von Komponist, Chansonier Kontrabassist und Dirigent HK Gruber persönlich zusammengestelltes Programm im eigenen Zyklus statt. Vierzig Volkschüler erklommen dabei das Podium und bereicherten die musikalische Darbietung des “Frankenstein!!” – Pandämoniums der Wiener Philharmoniker und ihm selbst pantomimisch-tänzerisch und witzig vor den  Orchesterpulten.

Uraufgeführt wurden von dem Paradeorchester für festliche Aufführungen wie dem Neujahrskonzert bestellte Zwischenspiele von Friedrich Cerha aus den “Keintaten”, weiters Werke von George Antheil, Igor Strawinski (Violinkonzert mit dem Geiger Julian Rachlin) und Leonard Bernstein (“Prélude, Fugue and Riffs”)

Neben Ernst Ottensamer (Klarinette) taten sich im Konzert auch noch Gerald Preinfalk, Michaela Reingruber (Altsaxophon), Peter Rohrsdorfer (Baritonsaxophon) oder Ueli Wiget (Celesta, Klavier) und selbstverständlich (auch mit Soli) die erste weibliche Konzertmeisterin des allmählich doch auch frauendurchsetzen Orchesters hervor. Auf die einleitende “Ursonate” von Kurt Schwitters (für Stimme/Sprecher allein, und wie da Nali in seinem Element war!) folgte die “Jazz-Symphony” von George Antheil, dem amerikanischen Komponisten und der Sensation der Pariser musikalischen Moderne in den 20-er Jahren. Gespielt wurde das swingende Stück in einer Fassung, der Gruber selbst extra einen Tubapart hinzugefügt hat und in den letzten 16 Takten Musiker des Orchesters improvisieren lässt.

Eine andere Art von Stilparodie herrscht bei Cerhas “Wiener Kaleidoskop”, einem insgesamt zwanzig Minuten dauernden Zyklus, von dem fünf Sätze zur Teiluraufführung gelangten. Das sind Bearbeitungen der instrumentalen Zwischenspiele und einiger Lieder aus den auf Wiener Sprüche Ernst Keins komponierten “Keintaten”, die original mit HK Gruber als Chansonier 1983 und dann 1991 (zweite Folge) uraufgeführt wurden. György Ligeti kommentierte schon damals: “Die Kauzigkeit der ,Keintaten’ – man muss sie in Heinz Karl Grubers einzigartiger Interpretation hören! – ist von großer Originalität und Treffsicherheit. Wenn Strawinski in Ottakring statt in St. Petersburg aufgewachsen wäre, hätte er Ähnliches komponiert – vielleicht.” Cerha im Wienerischen Dialektjargon und mit überdrehten-pointierten “Zitaten” und Verschränkungen etwa von “O du lieber Augustin” und “Oh du mein Österreich”. Sehr passend zum Nationalfeiertag am 26.


Strawinski passte als der sicherlich bedeutendste Kosmopolit der Musik des 20. Jahrhunderts (solche Künstler fremder Herkunft, die die Kultur bei “uns” bereichern, gibt es heute gottlob in Österreich etliche) ins Programm. Julian Rachlin spielte meisterhaft das verzwickte Solokonzert von 1931, das sich vordergründiger Virtuosität und sogar jeglicher Solokadenzen enthält, mit Modellen des barocken Concerto grosso arbeitet  und in beiden Mittelsätzen (“Arie”) an Bach anlehnt und irre “cappriciös” ausklingt. Er bedankte sich mit einem wunderschön gespielten Satz aus dem “Alten Testament” der Geige, einer Bachschen Solosonate. Er bewies, dass der tägliche Bach, von dem er einmal sagte, er sei ihm wichtig wie das Zähneputzen, vielleicht noch wichtiger geworden ist.

Über Grubers “Frankenstein!!” (1976/77) braucht man hier nicht viele Worte zu verlieren und Gruber ist immer noch der beste Chansonier und Inszenator seiner und H.C. Artmanns (HCs und HKs) Monsterwelt um Frankenstein, Django und die anderen Mi-Ma-Monsterchen. Die beim Konzert vorgeführte Choreographie zweier Schulklassen, erarbeitet und koordiniert von Winfried van Poppel, bildete den krönenden  Abschluss einer sechsmonatigen Arbeitsphase der interdisziplinären (etwa auch: Malworkshop “Frankenstein-Impessionen) und kreativen Auseinandersetzung von vierhundert Wiener Kindern, wo diese immer im Bezug zu “Frankenstein!!” auch unter der Obhut von Künstlern und Wissenschaftlern gedichtet, komponiert, recherchiert und Interviews geführt haben..

“Frankenstein” stand somit auch im Zentrum das von Hanne Muthspiel-Payer geleiteten Musikvermittlungsprogramms der Wiener Philharmoniker. Wir möchten den mica-Lesern nicht den  “Zwischentöne”-Kommentar dazu von Wilhelm Sinkovicz in der “Presse” vorenthalten. (hr / Programmheft Konzerthaus)

Veranstaltungshinweis:      
Begegnung mit HK Gruber
Mi., 3. Dezember 08
Neuer Saal / Konzerthaus

Mit HK Gruber, Nina Polaschegg, Wolf Wondratschek, Meinhard Rauchensteiner;
Bernard Kerres (Moderation)

Foto HK Gruber 1 © Kunsthaus Mürz
Foto Gruber in Essen bei der Ursonate © ruhrmercat