Porträt: Verein und Ensemble Platypus

“Musik von jungen KomponistInnen hörbar zu machen, sie in und ob ihrer (oftmaligen) Imperfektion zu lieben und zu schätzen” – diese Idee, wie man sie auf der ebenso mit Informationen wie auch mit Witz und Ironie gespickten Website findet, stand am Beginn von Platypus – Verein für neue Musik. Und, wie sich mehr als fünf Jahre nach der Gründung 2006 zeigt, mischt diese zu Beginn äußerst skeptisch betrachtete Initiative den eingefahrenen Betrieb der Neuen Musik in erfrischender Weise auf. Denn nicht um die Weiterführung gewohnter Hörweisen geht es den Beteiligten, sondern darum, jungen KomponistInnen die Möglichkeit zu bieten, ihre Werke der Öffentlichkeit vorzustellen. Nun bietet sich im Rahmen von zwei Konzerten (am 12. März 2012 im Porgy & Bess und am 28. März 2012 im Off-Theater) die Gelegenheit, das Ensemble lica zu erleben – und auch einige der präsentierten KomponistInnen, die in anschließenden Gesprächen geben weitere Einblicke in die heterogenen Herangehensweisen geben.

Was einfach klingt, ist ebenso aufwändig wie unabdingbar, muss man Werke junger KomponistInnen in den Konzertprogrammen doch mit der Lupe suchen. So unterscheiden sich die vom Verein Platypus organisierten Konzerte maßgeblich von den üblichen Veranstaltungen für eine überwiegend kleine HörerInnenschaft, denn eine Auswahl nach ästhetischen Kriterien erfolgt etwa bei der Konzertreihe Komponistenmarathon ausdrücklich nicht und „so erheben wir keinen Anspruch auf stilistische Konsistenz, denn darin sehen wir eine Garantie, für alle da zu sein und dies auch in Hinkunft zu bleiben.“ Dies bietet KomponistInnen unterschiedlichster Stilrichtungen die Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentierenn, wesentliche Erfahrungen über die Wirkung ihrer Werke zu sammeln und  in ihr weiteres Schaffen einfließen zu lassen. Gleichzeitig wird auch dem Publikum die Möglichkeit geboten, ein weites Spektrum an Werken zu Gehör zu bekommen und ohne vorherige Auswahl selbst zu entscheiden, was gefällt. Aus diesem Gedanken ist auch der ungewöhnliche Name des Vereins erwachsen, denn es bezeichnet die Spezies des Schnabeltiers und somit, wie man ebenfalls auf der Website belehrt wird, “eine formlose Kreatur (oder: eine ‘Originalformkreatur’)”, die “mit fast allem im Tierreich verwandt” ist.

Von der Idee zur Umsetzung setzten die Komponisten Hannes Dufek, Fernando Riederer und Christoph W. Breidler 2006 mit der Gründung des basisdemokratisch organisierten Vereins den Startschuss – während die beiden ersteren weiterhin mit Feuereifer bei der Sache sind, hat sich an Stelle des Letzteren der ebenfalls als Komponist tätige Šimon Voseček hinzugesellt. Als erstes Projekt rief man den bereits erwähnten KomponistInnenmarathon ins Leben, der inzwischen an unterschiedlichen Veranstaltungsorten seine vierte Auflage erlebt hat und – dem Titel entsprechend – unzählige Werke vielfältigster Gestalt an ein Interessiertes Publikum brachte. Im Laufe dieser Arbeit kristallisierte sich heraus, dass ein Stammensemble kontinuierlicheres Arbeiten und dadurch höhere Qualität bringen würde – und auch bei diesem Einfall wurde nicht lange gefackelt, sondern 2009 ein eigener Klangkörper aus der Taufe gehoben.

Seit dieser Erweiterung konnten die Schnabeltiere weitere Projekte an Land ziehen und widmen sich neben dem stil- auch dem länderübergreifenden Musikschaffen. So gestalteten sie 2009 ein Programm mit dem Werken der 1969 verstorbenen polnischen Komponistin Grażyna Bacewicz, bei dem natürlich auch Kompositionen jüngeren Datums nicht fehlen durften. Im gleichen Jahr folgte zudem ein Konzert mit Werken japanischer Komponisten. Dabei verfolgen Verein wie Ensemble keine sture Übernahme der Kompositionen, sondern setzen auf völkerverbindende Maßnahmen, wie etwa beim mexico project im Jahr 2009. Denn nicht nur, dass bei den Konzerten hierzulande wie auch im Partnerland Werke von Komponisten aus beiden Kulturen gespielt wurden; die eingeladenen KomponistInnen sollten sich zudem mit der Situation der indigenen Bevölkerung in Mexiko auseinandersetzen, wozu Texte dieser schlechter gestellten Gruppen ausgewählt wurden. Die Thematik ermöglichte es auch, das Programm bei den Klangspuren 2009 mit Südamerika-Schwerpunkt. Zunehmend sind Projekte der Schnabeltiere bei diversen renommierten Festivals vertreten, wie zuletzt auch bei Wien Modern. Mit abwechslungsreichen Programmen werden sie hoffentlich auch weiterhin die Neue-Musik-Szene beleben. (dw)

http://platypus.or.at/index.php?id=1