Porträt: Maja Osojnik

Es gibt MusikerInnen und KünstlerInnen, die sich zu keiner Zeit irgendwelchen Kategorisierungen unterwerfen wollen, die sich in ihrem Schaffen mit Vehemenz dagegen wehren, Erwartungshaltungen erfüllen zu müssen, die abseits jeglicher Konventionen agieren, Scheuklappendenken nicht kennen und traditionell festgesetzte stilistische Grenzen schlicht als Herausforderung ansehen, diese zu überschreiten. Eine Musikerin, auf die all diese Zuschreibungen zutreffen, ist die slowenische und inzwischen in Österreich lebende Sängerin, Flötistin und Komponistin Maja Osojnik. Sich in den unterschiedlichsten Genres beheimatet fühlend, verfolgt die 1976 in Kranj geborene Musikerin in zahlreichen Projekten seit Jahren erfolgreich ihren ganz eigenen Weg. Einen, der sie zu einer der anerkanntesten Vertreterinnen der heimischen Avantgardeszene werden ließ.

Ganz falsch liegt man mit der Behauptung nicht, wenn man sagt, Maja Osojnik ist eine der vielseitigsten und wandlungsfähigsten MusikerInnen, die hierzulande am Werken sind. Sie ist eine Künstlerin, die sich stets auf der Suche nach Herausforderungen befindet und zwischen den unterschiedlichsten musikalischen Ausdrucksformen wandelnd sich immer wieder in neuen musikalischen Betätigungsfeldern versucht. Maja Osojnik ist ein Paradebeispiel für einen echten Freigeist, der sich in seinem Tun nicht einschränken lässt, kein Risiko scheut und sich auch keinen musikalischen Dogmen unterwirft.

Die in Wien lebende Slowenin unternimmt in ihrer Musik den Versuch, unterschiedliche, auf den ersten Blick nicht wirklich kompatibel erscheinende Stile und Spielarten miteinander in Einklang zu bringen. Es geht ihr primär um das Betreten von Neuland, um die Erforschung bisher noch unbekannter Klangformen. Das Festhalten an alten Standards ist nicht wirklich das Ding der Sängerin, Flötistin und Komponistin. Irgendwo zwischen den Polen Jazz, Avantgarde, Improvisation, Elektronik, Pop und zeitgenössischer Musik hin und her pendelnd, extrahiert die Künstlerin verschiedenste Elemente aus diesem weiten musikalischen Pool und fügt diese in Kleinstarbeit zu einem homogenen und schlüssigen Ganzen zusammen.

Aufgewachsen in Slowenien zieht es Maja Osojnik Mitte der 90er Jahre nach Wien, wo sie 1995 bis 2003 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Blockflöte studiert. Damit nicht genug, folgt noch die Konzert- und Meisterausbildung für Blockflöte sowie ein Studium für Jazzgesang bei Ines Reiger. Anfang der 2000er Jahre tritt die Künstlerin als Gründungsmitglied des Low Frequency Orchestras, einem Ensembles für zeitgenössische improvisierte und komponierte Musik, erstmals in der österreichischen Avantgardemusikszene in Erscheinung. Fortan widmet und verwirklicht sich die 1976 geborene Künstlerin in verschiedensten Projekten in unterschiedlichsten Konstellationen.

So etwa taucht die facettenreiche Künstlerin gemeinsam mit Eva Reiter, Theresa Dlouhy, Thomas List und Katharina Lugmayr mit dem Ensemble Mikado tief in die Welt der Alten Musik ein, um gleichzeitig mit der aus Mexico stammenden Flötistin Angélica Castelló in der Duoformation frufru, sich ganz der experimentellen und avantgardistischen Klangmalereien zu widmen. Ausflüge in elektronische Noise Rock Sphären tätigt die Slowenin in der Formation Balkon mit Matija Schellander, Jorge Sánchez-Chiong, Mathias Koch, solche in die Richtung der Elektroakustik mit dem Vierer subshrubs, gemeinsam mit Katharina Klement, Billy Roisz und einmal mehr Angélica Castelló. Avantgardisische und Lautmalerische Soundexperimente stehen, wie auch auf der jüngst erschienenen CD “Wir werden” zu hören ist, bei Rdeča Raketa auf dem Programm, eine Kreuzung von Jazz, Worldmusic und Avantgarde bei der nach ihr benannten und mit Philipp Jagschitz, Bernd Satzinger, Mathias Koch, Michael Bruckner-Weinhuber und Clemens Wenger hochklassig besetzten Maja Osojnik Band. Abgefahrener, schräger hochexperimenteller Artrock der etwas anderen Art ist es, welchen Maja Osojnik aktuell gemeinsam mit den Noise-Rockern von Bulbul in der Formation broken.heart.collector zelebriert.

Bei solch einer ausgeprägten Offenheit unterschiedlichsten Strömungen gegenüber, bei solch einer Experimentierfreude und Neugier, ist es nur schwer vorhersagen, welche Richtungen Maja Osojnik in der Zukunft noch einzuschlagen gedenkt. Eines ist ziemlich sicher, überraschen wird die Slowenin noch des Öfteren, egal in welcher Konstellation auch immer.
Michael Ternai

Foto Maja Osojnik 1:  Rania Moslam
Foto Maja Osijnik 2: David Murobi
Foto Rdeča Raketa: zoe*fotografie

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